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Rostock Forscher im Maschinenbau bekommen ein eigenes MRT
Mecklenburg Rostock Forscher im Maschinenbau bekommen ein eigenes MRT
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00:00 24.11.2017
Nach mehreren Jahren harter Arbeit freut sich Professor Sven Grundmann über den Magnetresonanztomgraphen (MRT) . Quelle: Foto: Uni Rostock / Julia Tetzke
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Südstadt

Ein MRT im Maschinenbau? „Ja“, sagt Professor Sven Grundmann, Inhaber des Lehrstuhls für Strömungsmechanik der Universität Rostock. Die Fakultät für Maschinenbau und Schiffstechnik ist die erste Maschinenbaufakultät in Deutschland, die mit einem eigenen Magnetresonanztomographen (MRT) ingenieurwissenschaftliche Probleme löst.

Das Gerät ist als äußerst vielseitiges Messgerät angeschafft worden. Neben der Bearbeitung ingenieurwissenschaftlicher Forschungsfragen wird mit dem MRT-Labor im Maschinenbau zudem medizinische Forschung ermöglicht. Mit der medizinisch motivierten Forschung gebe es sogar die Chance, medizinische Diagnosemöglichkeiten weiter zu verbessern.

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„Dass man mit diesem Verfahren nicht nur Bilder von organischen Geweben erzeugen, sondern auch andere physikalische Eigenschaften, wie Dichte, Konzentration, Temperatur oder auch Geschwindigkeiten erfassen kann, ist schon seit Jahrzehnten bekannt“, sagt Grundmann. Das Problem sei jedoch die Zugänglichkeit der großen MRTs (Ganzkörper) in den Kliniken. Aus guten Gründen seien diese Geräte nur für medizinische Zwecke verfügbar.

„Ich bin stolz auf meine Fakultät und meine Universität, dass sie den Mut und die Vorstellungskraft bewiesen hat, solch ein Labor einzurichten, um ohne die Einschränkungen, die in Kliniken angewandt werden müssen, ganz frei mit diesem faszinierenden Messgerät arbeiten zu können.“

Uni-Rektor Professor Wolfgang Schareck, selbst international anerkannter Mediziner und Spezialist in der Gefäßchirurgie, sagt: „Professor Grundmann verbindet wissenschaftliche Kompetenz mit Interdisziplinarität und begeisterter Lehre. Zur Umsetzung des Vorhabens waren Mittel für den Kauf, aber auch für den Aufstellungsort erforderlich. Ich freue mich sehr, dass es gemeinsam gelingt, diesen Plan jetzt umzusetzen und habe ihn daher in jeder Phase bis hin zu einem Schreiben an das Transportunternehmen unterstützt, in dem wir die Bedeutung des zeitgleichen Eintreffens aller Komponenten des Labors unter Beachtung der notwendigen Kühlung des MRTs hingewiesen haben.“ Er verspreche sich von der Forschung neue Erkenntnisse für die Gefäßmedizin, seinem eigenen Fachgebiet, so der Rektor. Strömungsvorgänge in ihrer Dynamik zu untersuchen sei dabei von besonderer Relevanz für viele interdisziplinäre Themen, für die Medizin insbesondere, um die Durchblutungssituation des Gehirns zu beurteilen. Strömungsphänomene wie etwa Turbulenzen oder Minderdurchblutungen ließen sich so beobachten und genau untersuchen, betont Professor Schareck. Auch die Fakultät für Informatik und Elektrotechnik wird den MRT nutzen.

Sven Grundmann hatte nach seiner Promotion ein Jahr lang die Gelegenheit, die Anwendung der Messmethode auf strömungsmechanische Probleme in einer Arbeitsgruppe an der Stanford University mitzuerleben und auch selbst anzuwenden. „Ein tieferes Verständnis der Messmethode konnte ich aber erst nach diesem Auslandsaufenthalt während einer langjährigen Zusammenarbeit mit den Medizinphysikern des Universitätsklinikums Freiburg gewinnen.“

Die übliche strömungsmechanische Messtechnik sei noch lange nicht ausgereizt. In einigen wichtigen Aspekten sei sie dem MRT-Verfahren immer noch überlegen. Die klassischen Methoden werden seit Jahrzehnten weltweit in vielen Arbeitsgruppen weiterentwickelt. „Aber schon jetzt produziert die MRT-basierte Strömungsmessung eine unvergleichliche Fülle von Messdaten mit einer einzigartigen Leichtigkeit. Der Aufwand ist viel geringer als mit den klassischen Messmethoden“, unterstreicht der 42-jährige Wissenschaftler.

Seit dem Beginn der Planung der Anlage habe es einen regen Austausch von Forschern aus verschiedenen Fachdisziplinen gegeben. „Die Besonderheit, ohne die üblichen Hürden Zugang zu einem Ganzkörper-MRT zu haben, ist nun das Privileg der Universität Rostock. Ich bin sehr gespannt auf die vielfältigen neuen Aktivitäten“, so Grundmann.

Der MRT wurde in einem kleinen Modulgebäude neben der Strömungshalle der Fakultät für Maschinenbau und Schiffstechnik in der Albert-Einstein-Straße installiert. „Aufbauend auf unseren Erfahrungen mit Messungen in einer Klinik konnten wir spezielle Laboraufbauten entwickeln“, so Grundmann. Beispielsweise sei über der Patientenliege eine Schwerlastschiene installieret worden lassen, an der man größere Versuchsaufbauten anhängen könne, ohne die Liege zu überlasten.

Gerät mit besonders homogenem Magnetfeld

Der MRT ist ein Magnetom-Trio vom Hersteller Siemens-Healthcare mit einer Magnetfeldstärke von drei Tesla. Durch sein besonders homogenes Magnetfeld ist dieses Gerät bestens für die ingenieurwissenschaftlichen Forschungsaufgaben geeignet.

Die hohe Qualität des Feldes ist notwendig, um quantitativ akkurate Messdaten produzieren zu können. Sonst sei nicht die Datenqualität zu erreichen, die die Ingenieurswissenschaften brauchen, um gegenüber der üblichen Strömungsmesstechnik Vorteile zu haben, betonen die Rostocker Wissenschaftler.

Wolfgang Thiel

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