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Rostock Wegfall der Förderung – Kritik an Bewertung
Mecklenburg Rostock Wegfall der Förderung – Kritik an Bewertung
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18:08 28.11.2019
Am Leibnitz-Institut für Nutztierbiologie Dummerstorf (FBN) wird umfassend auch die Biologie von Rindern untersucht. Dabei geht es sowohl um die Wirtschaftlichkeit der Haltung als auch um das Tierwohl. Quelle: nordlicht
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Dummerstorf

Das Institut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf soll seinen Leibniz-Förderstatus verlieren. So sieht es eine Empfehlung des Senats der Leibniz-Gemeinschaft vor (siehe OZ vom 28. November). „Diese Nachricht hat uns sehr überrascht“, gibt Institutsvorstand Prof. Klaus Wimmers zu. Zumal es nach einer Begehung der Einrichtung im April des Jahres noch positive Signale gegeben habe, dass die Empfehlungen der letzten Evaluierung von 2015 in Dummerstorf gut umgesetzt worden seien.

Die Leibniz-Gemeinschaft hatte jetzt moniert, dass das Leistungsniveau des FBN stagniere. Dem Institut fehle eine umfassende übergreifende Forschungsstrategie. Grundlegende Kritik gab es auch an der Personalpolitik bei der Besetzung von Leitungspositionen, an der geringen Zahl von Promotionen und wegen weniger Publikationen. Evaluiert wurde der Zeitraum von 2015 bis 2017. Die Entwicklung danach bis heute floss nicht in die Bewertung ein.

Erneuerungsprozess nach 2015 nicht berücksichtigt

„Doch wir haben nach der letzten Evaluierung 2015 einen Change-Prozess eingeleitet“, erklärt Wimmers, „mit einem Bündel von Maßnahmen, um positive Entwicklungen zu beschleunigen und vorhandene Stärken weiter auszubauen. Mit diesem Erneuerungsprozess sind wir noch lange nicht am Ende und wir werden ihn auch weiterführen.“ Erste Erfolge seien die Verdopplung der Publikationen in hochrangigen Journalen. Das Einwerben von Drittmitteln konnte erfolgreich gesteigert werden. Die Vorwürfe in der Personalpolitik gingen auf Zeiten bis 2009, also außerhalb des Untersuchungszeitraums, zurück. „Wir haben mehrere Forschungsleitungen mit international anerkannten Wissenschaftlern besetzt, um den Empfehlungen zu folgen“, stellt Wimmers klar.

Auch das Doktorandenausbildungsprogramm sei deutlich verbessert worden. „Wir betreuen derzeit rund 70 Doktoranden“, sagt Wimmers. Doch in der Empfehlung des Senats seien nur die abgeschlossenen Promotionen bis 2017 berücksichtigt, einer Zeit, in der einfach weniger Doktoranden in der Ausbildung waren. „Ich hätte mir gewünscht, man hätte uns Zeit gegeben, die positiven Entwicklungen, die jetzt da sind, in der Leibniz-Gemeinschaft fortzusetzen“, betont Wimmers.

Agrarminister Backhaus besucht Freitag FBN

Mit Unverständnis reagiert Agrarminister Till Backhaus (SPD) auf die Mitteilung der Leibniz-Gemeinschaft aus Berlin: „Das FBN steht für Agrarspitzenforschung in Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland und Europa. An diesem Anspruch halten wir fest. Nach der Leitungsübernahme durch Professor Wimmers 2016 ist ein Erneuerungsprozess in Gang gebracht worden, der viele positive Ergebnisse hervorgebracht hat. Leider sind diese zum Teil nicht mehr in den Bewertungszeitraum 2015 bis 2017 gefallen und haben damit keine Berücksichtigung erfahren.“ Der Minister besucht am Freitag das Institut in Dummerstorf, um den Mitarbeitern den Rücken zu stärken. „Es enttäuscht mich maßlos, dass das FBN ausgerechnet in dieser Phase so einen herben Rückschlag einstecken muss“, sagt Backhaus.

95 Forschungseinrichtungen bei Leibniz

Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 95 selbständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Fünf Leibniz-Institute wurden wissenschaftlich evaluiert. Die Förderung von vier Leibniz-Einrichtungen soll fortgeführt werden. Beim Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf empfiehlt der Senat, die gemeinsame Förderung von Bund und Ländern zu beenden. Das Institut in Dummerstorf wurde 1993 als Forschungsinstitut für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere (FBN) gegründet und in die Leibniz-Gemeinschaft aufgenommen. Das FBN erforscht die funktionelle Biodiversität von Nutztieren im Kontext ihrer spezifischen Haltungsumwelten und leitet daraus Lösungen für eine nachhaltige Nutztierhaltung ab.

Er akzeptiere, so Backhaus, dass die Leibniz-Gemeinschaft den Anspruch habe, dass in ihren Mitgliedsinstituten herausragende Forschung betrieben werde. „Das ist angesichts der Finanzmittel, die von Bund und Ländern für diese Forschung bereitgestellt werden, berechtigt und notwendig“, sagt Backhaus. 2018 betrug das Gesamtbudget des FBN nach Leibniz-Angaben 26,5 Millionen Euro, davon waren 2,3 Millionen Drittmittel. Aktuell sei das FBN an 114 Forschungsprojekten in Kooperation mit 308 Institutionen in 41 Ländern beteiligt.

Minister: Empfehlung noch keine Entscheidung

Alleinstellung: Das Institut forscht unter anderem zu klimafreundlicher Tierhaltung, mehr Tiergesundheit und Tierwohl und zur Sicherheit der aus Nutztieren gewonnenen Lebensmittel. „Das Spannungsfeld zwischen Ressourceneffizienz, Umweltschonung und Tierwohl, das genau beackern wir, damit bringen wir uns ein“, betont Institutsvorstand Wimmers. Der Ausfall des FBN und seiner Nutztierforschung aus der Leibniz-Förderung, bedeute „im Portfolio der landwirtschaftlichen Forschung eine klare Lücke“, ist Wimmers überzeugt. Backhaus ergänzt: „In der Breite und Tiefe der Nutztierforschung besitzt das FBN aufgrund disziplinärer Kompetenz und interdisziplinärer Aufstellung eine nationale Alleinstellung.“

Deshalb auch wirbt der Minister um andere Schlussfolgerungen aus den Evaluierungsergebnissen. Die Empfehlung sei noch keine endgültige Entscheidung über die Zukunft des Dummerstorfer Instituts. „In der gemeinsamen Wissenschaftskonferenz mit allen zuständigen Ministern der Länder und des Bundes muss diese Empfehlung noch diskutiert und bestätigt werden“, stellt Backhaus klar. „Mein Haus wird sich dafür einsetzen, dass das FBN ein Institut der Leibniz-Gemeinschaft bleibt.“ Diese Hoffnung haben alle rund 300 Mitarbeiter des Institutes in Dummerstorf. „Mit dem Minister wollen wir die Empfehlungen analysieren und Perspektiven für den Weiterbestand unserer Einrichtung erarbeiten“, kündigt Wimmers an. Am liebsten im wissenschaftlichen Verbund der Leibniz-Gemeinschaft.

Von Doris Deutsch

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