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Rostock Foto-Shooting im Wohnzimmer: So sieht’s bei Rostockern zu Hause aus
Mecklenburg Rostock Foto-Shooting im Wohnzimmer: So sieht’s bei Rostockern zu Hause aus
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16:40 09.07.2019
Für seine Ausstellung "Stadtgesichter II" hat der Rostocker Fotograf Frank Hormann in verschiedenen Stadtteilen Menschen und Familien in ihren Wohnungen fotografiert – auch die Familie Westphal ist darunter – hier vertreten durch Mama Nadine und Tochter Helene-Elisa (2). Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Es sind intime Einblicke, die Frank Hormann (59) in seinen Schwarz-Weiß-Fotografien einfängt. Mit denen er die Menschen seiner Heimatstadt ganz privat porträtieren und damit zugleich ein Abbild der Gesellschaft zeichnen will. Als Chronist mit Kamera fotografiert sich Hormann durch Rostocks Wohnzimmer.

In jedem Stadtteil lichtet Frank Hormann Rostocker in ihren eigenen vier Wänden ab. Ob Frauen-WG oder Familie, Platten- oder Altbauwohnung – bei seinen Shootings kommen ihm die unterschiedlichsten Charaktere und Kulissen vor die Linse. „Das macht den Reiz aus. Ich beobachte schon lange, dass in jedem Stadtteil ein bestimmter Typus Mensch lebt.“ Die Vielfalt hat er auf Bilder gebannt und in seiner Serie „Stadtgesichter II“ verewigt.

Bildschönes und Backpfeifen

Die Porträtserie stellt Frank Hormann nun in der Hochschule für Musik und Theater (HMT) Rostock aus. Sie ist die Neuauflage eines Projektes, das Hormann zu DDR-Zeiten umtrieb. In den 1980er Jahren hat er schon einmal Stadtgesichter fotografiert – mit Weitwinkel, auf Rostocks Straßen. „Dabei hab' ich auch mal eine gebackt gekriegt“, erzählt Hormann und lacht. Heute fällt es noch schwerer, die Wunsch-Models vor die Kamera zu kriegen. Datenschutz. „Und die Leute sind misstrauischer als früher.“ Von 95 Prozent derjenigen, die er angesprochen hat, habe er eine Abfuhr bekommen.

Galerie: So sieht es zu Hause bei „Rostocker Stadtgesichtern“ aus

Spannende Einblicke: So sieht es in Rostocks Wohnzimmern aus

Viele breiten ihr Privatleben bedenkenlos mit Fotos in den sozialen Netzwerken aus. Sich vom Profi zu Hause ablichten zu lassen, kommt dagegen offenbar nur für wenige infrage. Hormann versteht das. Wer ihn für ein Shooting in die Wohnung lässt, öffnet sich damit auch selbst. Darauf hat er es bei seiner Kulissenwahl auch abgesehen. „Ich bekomme Einblicke in die Seele. Die Leute geben Intimes preis – ähnlich wie bei der Aktfotografie.“

Adrenalinkick dank Analog

Den richtigen Augenblick abzupassen ist ein Kunststück. Hormann fotografiert mit einer Analog-Kamera, einer Hasselblad. Er hat nur zwölf Bilder, dann ist der Film voll. Ob drauf ist, was er will, sieht er erst im Labor. „Da ist viel Spannung dabei. Wenn ich auf dem Leuchttisch sehe, dass alle die Augen offen haben und das Bild scharf ist, bin ich glücklich.“

Fotostrecke ohne Ende

17 Motive zählt Hormanns Bilderzyklus aktuell. Die Fotos, jedes im Format einer Schallplattenhülle, hängen jetzt im Foyer der HMT. „Das Projekt ist mit der Ausstellung aber nicht abgeschlossen“, sagt Hormann. Ein paar Ecken Rostocks, wie Schmarl oder Groß Klein, fehlen ihm noch.

Um seine „Stadtgesichter“ sehenswert in Schwarz-Weiß zu verewigen, muss Frank Hormann akkurat arbeiten. Blitzlicht einrichten, Brennweite einstellen, den richtigen Moment für den Drücker auf den Auslöser abpassen – da kann eine Fotosession auch mal eine Stunde in Anspruch nehmen.

Zeitzeugen für die Zukunft

Den Aufwand nimmt Hormann gern in Kauf, denn seine Bilder sollen Jahrzehnte überdauern. „Ich wünsche mir, dass man sie in hundert Jahren rausholt und sieht, wie die Rostocker mal gelebt haben.“ Deshalb setzt er auch auf Analog- statt Digitalfotos. „Die sind langzeitstabil. Ich schätze die Beständigkeit.“

Seine „Stadtgesichter“ setzt Hormann betont sachlich in Szene. „Schnickschnack lenkt ab“, sagt er. Im Fokus sollen die Menschen stehen, seine Lieblingsmotive. Die fängt er besonders gern in Alltagssituationen in seiner Heimat Rostock ein. „Ich muss nicht nach Paris und ich brauche keine Sensationsfotos.“

Nähe statt Nebenbei-Schnappschuss

Dabei hat er mit seinen Bildern durchaus schon oft Aufsehen erregt. Seit 30 Jahren arbeitet Horman als Bildjournalist, hat Staatsoberhäupter, Spitzensportler und Musikgrößen abgelichtet. „Nebenbei-Schnappschüsse – heute fotografiert, morgen vergessen“, winkt Hormann ab. Im Gedächtnis hängen bleiben jene Menschen, zu denen er Nähe aufbauen kann.

Mit seinen „Stadtgesichtern“ fängt Frank Hormann mehr als nur das Abbild seines Gegenübers ein. „Auf den Fotos wird die Beziehung zwischen Fotograf und Modell sichtbar.“ Auch deshalb zählt das Porträt der Familie Westphal zu seinen Favoriten. Hier stimmt neben Bildaufbau und Schärfe auch die Chemie zwischen den Menschen, die vor und hinter der Kamera standen.

Umzug mit Abzug

Frank Hormann kannte die Westphals schon, bevor er sie vor einem Jahr in ihrem Wohnzimmer porträtierte. Damals waren sie Nachbarn am Wiener Platz. „Das Shooting war spannend und hat viel Spaß gemacht“, erinnert sich Nadine Westphal (42). Mit ihrem Mann Jens und ihren drei Kindern ist sie vor Kurzem umgezogen. Ein Abzug von ihrem „Stadtgesichter“-Foto soll im neuen Heim einen Ehrenplatz bekommen. Wo? Nadine Westphal lacht. „Natürlich im Wohnzimmer.“

Zur Person

Frank Hormann (59) ist gelernter Fotograf und arbeite seit mehr als 30 Jahren als Bildjournalist und Industriefotograf in Mecklenburg-Vorpommern. Zusammen mit Thomas Häntzschel hat er 1991 in Rostock die Fotoagentur Nordlicht gegründet. Daneben beschäftigt sich Hormann mit dokumentarisch-künstlerischer Fotografie und setzt seine Heimatstadt Rostock, ihre Menschen, Industrie und Architektur in Szene – am liebsten mit Analogkameras. Sein Handwerk hat Hormann vor 43 Jahren bei Foto Arppe in Rostock erlernt.

 Hormanns Ausstellung „Rostocker Stadtgesichter II“ist ab sofort und bis zum 31. August im Foyer der Hochschule für Musik und Theater Rostock zu sehen. Gefördert wurde das Projekt von der Wiro und dem Projektbüro Doppeljubiläum.

Antje Bernstein

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