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Rostock Das wahre Geheimnis der Freimaurer
Mecklenburg Rostock Das wahre Geheimnis der Freimaurer
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19:55 23.06.2019
Mathias Löttge (v. l), Provinzialmeister der Mecklenburger Freimaurer, Landtagsvizepräsidentin Beate Schlupp (CDU), Oberbürgermeister Roland Methling und Achim Straßner, Ordensmeister der Freimaurer Deutschlands im Festsaal des Rostocker Rathauses. Quelle: Ove Arscholl
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Stadtmitte

Seit mehr als 300 Jahren gibt es sie. Mindestens genauso lange umgeben sie unzählige Legenden und Gerüchte. Wer von Freimaurern spricht, denkt vielleicht an Weltverschwörer, Illuminaten oder einen elitären Geheimbund. Doch was steckt hinter dem Geheimnis der Freimaurerei und was treiben die Mitglieder hinter verschlossenen Türen? Sind sie es, die heimlich die Welt beherrschen? Beim Festakt zum 200. Stiftungsfest der Provinzialloge von Mecklenburg am Freitagabend gaben die Brüder im Rostocker Rathaus einen Einblick hinter die Kulissen.

Die Arbeit am rauen Stein

„Was in Filmen und Büchern über die Freimaurerei gesagt wird, hat nichts mit der Realität zu tun“, stellt Mathias Löttge, Provinzialmeister der Mecklenburger Freimaurer, gleich zu Beginn der Veranstaltung klar. „Wir sind keine Geheimgesellschaft. Ganz im Gegenteil, wir möchten andere Menschen an unserer Anschauung teilhaben lassen.“

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Den Kern der Freimaurerei bildet die Persönlichkeitsentwicklung. Mit dem Ziel, an sich selbst zu arbeiten, wollen die Mitglieder einen positiven Einfluss auf die Welt ausüben. „Wir nennen das die Arbeit am rauen Stein“, berichtet Löttge. Was so viel bedeutet, wie an seinen Ecken und Kanten – dem eigenen Charakter zu feilen. „Um uns zu besseren Menschen zu machen, bedienen wir uns verschiedener Rituale“, führt der Provinzialmeister fort.

Kein Gottesdienst

Diese laufen stets nach bestimmten Richtlinien ab. Ein sogenannter Meister stimmt die Brüder auf eine Art Meditation ein. „Das ist kein Gottesdienst“, betont Achim Straßner, Ordensmeister der Freimaurer Deutschlands. Stets mit einem schwarzen Anzug, weißer Fliege und dem „hohen Hut“ (ein Zylinder, der als Zeichen des freien Bürgers dient) bekleidet nehmen die Freimaurer an ihren Sitzungen teil. „Wir pflegen damit uralte Traditionen“, meint Löttge.

Die in der Freimaurerei verwendeten Symbole seien mit der immer wiederkehrenden Aufforderung verbunden, ständig über sich selbst sowie den Beziehungen zu anderen nachzudenken.

Das Geheimnis

Seit Jahrzehnten ist das Geheimnis der Freimaurer ein beliebtes Thema. Zahlreiche Menschen haben es bereits versucht zu entschlüsseln. „Dabei ist die Lösung so einfach. Das Geheimnis ist das Erleben“, teilt Straßner mit. „Es geht darum, was in uns ist und was wir aus den Ritualen für uns selbst mitnehmen.“ Das Faszinierende dabei sei, dass obwohl alle Sitzungen ähnlich ablaufen, immer ein neues Resultat erzielt werde.

Am eigenen Leib hat Achim Straßner erlebt, welche Wirkung die Freimaurerei hat. Der Arzt ist schon seit vielen Jahren Mitglied und sieht die Fortschritte, die er gemacht hat deutlich vor Augen. „Ich bin definitiv einfühlsamer meinen Patienten gegenüber und ausgeglichener im Familienleben“, berichtet er. „Einfach ein angenehmerer Mensch. Ich kann es daher nur jedem empfehlen, sich eine Loge zu suchen und es einmal auszuprobieren. Man muss das selbst erleben.“

Verleugnet und unterdrückt

In Rostock gibt es insgesamt zwei Johannislogen mit rund 58 Mitgliedern. „Wir sind froh, dass sich die Freimaurerei seit 1993 hier wieder etabliert hat und wir heute ganz offiziell im Rathaus zu Gast sein dürfen“, sagt Mathias Löttge fröhlich. „Das Gefühl die Freimaurerei vorantreiben zu dürfen ist unbeschreiblich.“ Noch vor einigen Jahren sei das nicht denkbar gewesen. Mit der Machtergreifung Adolf Hitlers im Jahr 1933 sei die Freimaurerei verboten worden. Auch in der DDR sei eine freimaurerische Arbeit nicht gestattet gewesen.

„Dass sie von Diktaturen als Bedrohung empfunden wurden, spricht für ihre aufklärerische Tätigkeit“, sagt Landtagsvizepräsidentin Beate Schlupp (CDU). „Wir sind gut beraten, den Zusammenhalt der Gesellschaft zu sichern. Die Freimaurerei trage im Wesentlichen dazu bei.“

Susanne Gidzinski