Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Friedhöfe in MV: Zwischen Kutschfahrten und nächtlichen Führungen
Mecklenburg Rostock Friedhöfe in MV: Zwischen Kutschfahrten und nächtlichen Führungen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 08.08.2019
Anja Kretschmer lädt regelmäßig zum Friedhofsgeflüster ein. Quelle: Dietmar Lilienthal
Grevesmühlen/Wismar/Bad Doberan/Rostock

Vogelstimmenwanderung von Senioren für Senioren – auf dem Friedhof. Zugegeben, im ersten Moment hört sich das etwas makaber an. Hintergrund in Grevesmühlen ist aber, dass es auf dem Friedhof viele Nistkästen gibt. Rund 30 sind es seit mehr als drei Jahrzehnten. Von Kleiber über Nachtigall bis Meisen: Bis zu 20 Arten zwitschern fröhlich vor sich hin – und Peter Neumann aus Neu Degtow kann sie alle auseinanderhalten. Der 70-jährige Hobbyornithologe ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass es die Nistkästen auf dem Friedhof und an vielen anderen Stellen in Grevesmühlen gibt – insgesamt mittlerweile um die 100 – und damit auch die regelmäßigen Führungen stattfinden.

Jedes Jahr im Herbst reinigt Peter Neumann die Nistkästen in Grevesmühlen. Quelle: ANNETT MEINKE

Zilpzalp, ping-ping, düdüdü – es trällert ebenso auf dem Wismarer Friedhof von allen Seiten. Der ist vor knapp 200 Jahren auch als Park für die Wismarer Bürger angelegt worden. Heute stehen auf dem Gelände circa 2600 Bäume, die die grüne Lunge der Stadt sind. Das wissen auch die Vögel zu schätzen. Viele Arten sind dort unterwegs. Deswegen werden regelmäßig Vogelstimmenwanderungen angeboten. Die Touren sind sehr beliebt.

Heimliche Verehrerin in Klütz?

Von einem Geheimnis umwoben ist die Grabstätte von Hans Kaspar Graf von Bothmer in Klütz. Viele stellen sich seit Jahren die Frage: Hat er eine heimliche Verehrerin? Vermutungen liegen nahe. Denn jedes Jahr an seinem Todestag und zu Weihnachten stellt jemand eine Kerze oder Blumen an seinem Grab auf – wer das ist, ist bis heute das Geheimnis des Friedhofes. Auch als das Grab vor einigen Jahren neu restauriert worden war, lag am nächsten Tag sofort eine Rose davor.

Kutschfahrten und Lesungen in Wismar

Das Sterben soll ins Leben zurückgeholt werden – dafür wird jedes Jahr auf der Begräbnisstätte an der Schweriner Straße in Wismar ein „Sommerfest auf dem Gottesacker“ gefeiert – mit Musik und Kutschfahrten. „Wir wollen, dass diese wunderschöne Anlage ein Treffpunkt wird, an dem sich Menschen aller Generationen begegnen und miteinander ins Gespräch kommen“, erklären die Mitglieder des Vereins zur Förderung der Friedhofskultur.

Das weitläufige Areal des Wismarer Friedhofes können Gäste des jährlichen Sommerfestes ganz klassisch mit Pferd und Kutsche erkunden. Quelle: NICOLE HOLLATZ

Der Alte Friedhof, 1831 auf Anregung des Bürgermeisters Anton Johann Friedrich Haupt außerhalb der Stadtmauern angelegt, ist seit 1986 als Garten- und Landschaftsdenkmal eingetragen. Auf ihm befinden sich zahlreiche Einzel- und Naturdenkmale. Um die mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, veranstaltet der 2014 gegründete Verein Wanderungen zu alten Gruftanlagen und den Rhododendren oder lädt zu Lesungen am ehemaligen Leichenwärterhaus ein. Die Teilnahmegebühren werden gesammelt, außerdem Spenden eingeworben – mit dem Ziel, alte, marode Friedhofsbauten wieder zu sanieren.

Das erste Projekt ist 2016 eine neue Tür für die Hermes-Kapelle gewesen, angefertigt nach den Vorgaben der städtischen Denkmalpflege. Für sie hat der Verein 3000 Euro aufgebracht. Auf dem Sommerfest in diesem Jahr sind die Holzsärge in der Grabkapelle Keding feierlich gesegnet worden, die ebenfalls durch Spenden restauriert werden konnten.

Das Geheimnis um die Grab-Engel

Ob es eine Störung der Totenruhe ist, wenn Grabschmuck gestohlen wird, oder nicht, soll eine umstrittene juristische Frage sein. Fakt ist: Die Trauer der betroffenen Angehörigen wird auf jeden Fall gestört. So war es auch vor Jahren in Kröpelin zu erleben. Damals verschwanden hier nämlich immer mal wieder kleine Grab-Engel aus Keramik vom großen Friedhof der Stadt.

Gefundene Grabengel in Kröpelin Quelle: Holdack

Niemand konnte sich diesen fortgesetzten Diebstahl erklären. Doch dann waren einige Engel plötzlich wieder da, teilweise aber beschädigt. Sie waren beim Abriss einer alten Gartenlaube gefunden worden, in der jahrelang ein Wohnungsloser gehaust haben soll. Diebstahl konnte dem Mann aber nicht nachgewiesen werden.

Wenn Grabstätten verschwinden

In Rerik rückte gerade eine alte Friedhofsgeschichte ins Blickfeld der Öffentlichkeit, bei der Grabstätten quasi verschwanden – über Jahrzehnte hinweg von Bäumen und Sträuchern überwuchert. In den 1980er Jahren waren rund 30 Meter vom ältesten Teil des Friedhofgeländes am Rande des Ostseebads abgetrennt und von der Stadt aufgegeben worden. Grund: Es handelte sich bei allem um ein Moorgebiet. Hob man dort eine Grube aus, soll diese anschließend unter Wasser gestanden haben, wusste der Leiter des Reriker Museums, Thomas Köhler, zu berichten.

Diese alten Reriker Grabstätten auf einst moorigem Grund sind längst zugewuchert. Quelle: THOMAS HOPPE

Weil es auf diesem Terrain schwierig war, mit schwerem Gerät raufzukommen, habe man ein paar Steine der lange abgelaufenen Gräber – vor allem aus den 1940 und 1950er Jahren – stehen und den Toten ihre Ruhe gelassen. Die ehemalige Reriker Pastorin Karen Siegert hatte das „noch nie gesehen“ und kommentierte: „Das ist kein Umgang mit unserer Trauerkultur. Ich finde es eigentlich schön, wenn Grabsteine stehen bleiben, weil sie etwas von der Geschichte erzählen. Aber dann müssten wir Zugang haben und es darf nicht verwildern. Vielleicht ist das ein Zeichen, dass wir unachtsam sind?“.

Nachts auf dem Friedhof

Sobald es dunkel wird und der Mond durch die Wolken leuchtet, zündet Anja Kretschmer eine Kerze an. Damit signalisiert die Kunsthistorikerin, dass ihre etwas ungewöhnliche Führung startet. Nicht durch die Innenstadt, sondern über den Neuen Friedhof an der Satower Straße in Rostock. Seit fünf Jahren taucht sie zusammen mit ihren Gästen in die verschiedenen Bestattungs- und Trauerkulturen ein.

„Ich suche mir meist die Zeit aus, wenn Vollmond ist. Das hat etwas Mystisches. Diese Abende bieten den dazu passenden geheimnisvollen Rahmen, in dem der Friedhof aus einer anderen Sicht erlebbar wird“, erklärt sie. Die Besonderheit ihrer Führungen liege in der Authentizität, denn alle Geschichten sollen regionalen Bezug besitzen.

Immer gut besucht: die Führungen von Anja Kretschmer. Quelle: Heinrich von Schimmer

Auf dem knapp 90-minütigen Rundgang berichtet sie über die Geschichte des Friedhofs. Etwa, dass es ihn seit 1912 gibt und es der erste Friedhof war, der außerhalb des Stadtkerns angelegt wurde. „Bei meinen Rundgängen wird der Bogen von den Bestattungsbräuchen bis hin zum Aberglauben gespannt, untermauert von regionalen Sagengeschichten“, so Anja Kretschmer.

Das etwas ungewöhnliche Angebot der Kunsthistorikerin kommt bei den Gästen an. Im Schnitt zählt sie 60 Besucher pro Veranstaltung. Das Ziel ihrer Touren: nicht nur älteren, sondern auch jungen Leuten die Friedhofslandschaft näherbringen. Und ihnen die so oft tabuisierte eigene Sterblichkeit vor Augen führen. „Es soll aber keine bierernste Veranstaltung werden. Ich versuche, die Angst vor dem Endlichen von einer augenzwinkernden Seite zu betrachten“, erklärt Anja Kretschmer. Oft empfängt sie Leute, die kaum eine Vorstellung davon haben, was sie erwarten wird: „Sie lassen sich dann überraschen.“

Von Jana Franke, Kerstin Schröder, Thomas Hoppe und André Horn

Das DRK ist in diesem Jahr mit 160 Rettungskräften aus ganz Deutschland auf der Hanse Sail vertreten. Seit der ersten Sail habe sich vor allem die Zahl der Alkoholvergiftungen erhöht.

08.08.2019

Rund 1000 Besucher strömten zur Märchennacht in Graal-Müritz. Sie erlebten am Mittwoch spannende Lesungen, Theater­vorstellungen und eine tolle Feuershow.

08.08.2019

Den besten Blick auf die Schiffe wollen bis Sonntag alle Sail-Besucher. Die OSTSEE-ZEITUNG hat Tipps, wo es die beste Aussicht gibt.

08.08.2019