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Rostock Den Bewohnern stinkt´s: „Wer kümmert sich um den Kringelgraben?“
Mecklenburg Rostock Den Bewohnern stinkt´s: „Wer kümmert sich um den Kringelgraben?“
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18:01 11.06.2019
Ein stinkender Teich, Äste am Wegesrand, Ratten: Christiane Ave, Ursula Schläger, Peter Godenrath und Rosita Ahrens (v.l.) sind Bewohner am Kringelgrabenteich und fordern schnelles Handeln von der Stadt. Quelle: Moritz Naumann
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Rostock

Ein gerodetes Biotop, ein modernder Teich, Astschnitt am Wegesrand: So schlimm hätte es um den Klingelgrabenpark noch nie ausgesehen und vor allem auch gerochen, sagt Christiane Ave. Und sie muss es wissen, schließlich lebt sie schon seit 26 Jahren hier. Ihre Mitstreiter Ursula Schläger, Peter Godenrath und Rosita Ahrens gehören gar zu den ersten Bewohnern, die die Häuser rund um das Umweltbiotop Ende der 60er Jahre bezogen haben. „Wir sind die Ureinwohner“, sagt Godenrath und lacht. Doch zum Lachen ist den Vieren eigentlich nicht zumute – die Rostocker fordern, dass die Stadt sich um ihren Park kümmert.

Es herrscht Wildwuchs am Kringelgraben: „In diesem Jahr wurde hier noch nicht gemäht“, sagt Christiane Ave. Das letzte Mal, dass sie jemanden gesehen habe, der sich um den Park gekümmert hat, sei im Februar gewesen. „Und da wurde der Park gerodet, statt ihn zu pflegen. Bäume wurden gefällt und die Reste einfach an die Ränder des Weges gelegt.“ Und dort liegen sie nun seit Februar.

Ein modernder Teich und Unrat am Wegesrand: So steht es um den Kringelgrabenpark in der Rostocker Südstadt.

Asthaufen für die Vogelbrut?

Im Mai entschied Ave, zu handeln. „Ich habe mehrfach beim Amt für Stadtgrün angerufen. Immer wieder wurde ich weitergeleitet. Keiner fühlte sich zuständig.“ Einzige Auskunft? Die Asthaufen am Wegesrand könne man nicht entsorgen, denn sie seien für die Vogelbrut da. Ein Schild, dass aus einem der Haufen herausragt, soll den Zweck der Astansammlungen unterstreichen. „Doch sehen sie hier irgendwo ein Nest? Ich habe hier noch keines gesehen.“ Doch die Stadt habe welche erspäht. Bei einer Begehung am 8. Juni sei nach Angabe des Pressesprechers von Rostock, Ulrich Kunze, ein Nistplatz des Zaunkönigs gefunden worden. Darüber hinaus hätten sich mehrere Amseln in der Nähe der Asthaufen aufgehalten.

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Die Bewohner finden die Argumentation nicht plausibel. „Die Vögel haben hier im Park doch genug Möglichkeiten, in den Bäumen zu nisten, sodass sie so einen unsicheren Platz am Wegesrand nicht brauchen“, sagt Anwohner Peter Godenrath. Der Stadt seien jedoch rechtlich die Hände gebunden: „Der Astschnitt entstand aufgrund der Winterpflegemaßnahmen und konnte aufgrund aufgeweichter Wege leider nicht rechtzeitig abgefahren werden. Als das Befahren und somit Abfahren möglich gewesen wäre, wurden Vogelbestände in den Strauchwerken festgestellt“, sagt Kunze. Dementsprechend sei die Räumung des Astschnittes erst nach der Brutzeit, also ab September, rechtens und möglich.

Es modert vor sich hin

Statt für Vögel seien die Ansammlungen viel eher ein Zuhause für Ratten. „Wir haben ja ohnehin hier schon viele dieser Tiere. Doch die Haufen bieten ihnen einen hervorragenden Unterschlupf“, sagt Rosita Ahrens, die vor Kurzem aus ihrem Keller eine tote Ratte entsorgen musste. Die Stadt erwidert, dass die Asthaufen nach der Begehung nicht als Lebensräume für Ratten bestätigt werden konnten. Ein erhöhtes Aufkommen der Tiere führe man auf vielfach praktizierte Wasservögelfütterungen von Passanten zurück. Das sei ebenso eine Ursache für die Verkrautungstendenz des Teiches, um den sich die Südstadt-Bewohner auch sorgen. „Es stinkt gewaltig und es ist hier so zugewachsen, wie ich das noch nicht erlebt habe“, sagt Ave. Demnach komme man an das stehende Gewässer im Moment kaum heran – etwa um Vögel zu füttern.

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An der Südseite des Kringelgrabenteiches klafft eine große Lücke in der Baumreihe. „Dort wurde im Februar eine Trauerweide gefällt“, sagt Ahrens. Ein Drittel des Baumes ist jedoch nicht abgetragen worden, sondern im Teich verblieben. Das liege da jetzt seit Februar und modere vor sich hin. „Auf Nachfrage wurde mir gesagt, dass dies kein Löschteich ist und man deswegen nicht handle. Ich dachte, ich wäre bei Baumann und Clausen“, sagt Christiane Ave. Laut der Stadt wäre es zum Zeitpunkt der Fällung technologisch nicht möglich gewesen, die Kronenteile aus dem Wasser zu entfernen. Die Beräumung sei für den anstehenden Winter geplant.

Niederschlag bringe Linderung

Und was ist mit dem Gestank? Die Stadt sieht die Witterungsbedingungen der letzten Wochen als Ursache für den Zustand des Südstadt-Biotops: „Für die beschleunigte Verkrautung ist sicherlich die fehlende Abfuhr von eingebrachten Nährstoffen durch geringe Niederschläge verantwortlich.“ Denn sterbe die Biomasse in einer regenlosen Zeit im Teich ab, entstehen die von den Anwohnern wahrgenommenen Faulgase. Die nächsten Niederschläge würden Linderung bringen. Mit Asthaufen und einem verkrauteten Teich müssen die Südstadtbewohner wohl dennoch erst einmal leben.

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