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Rostock Fußball-Gewalt: Müssen Vereine für Polizei zahlen?
Mecklenburg Rostock Fußball-Gewalt: Müssen Vereine für Polizei zahlen?
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06:00 22.02.2018
Polizeibeamte versuchen am 01.03.2014 am Weserstadion in Bremen Fußballfans des Hamburger SV daran zu hindern, zu den Fans von Werder Bremen zu gelangen. Quelle: Carmen Jaspersen/dpa
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Bremen/Rostock

Dieses Urteil könnte weitreichende Folgen für den Profifußball haben: Das Bundesland Bremen darf die Deutsche Fußball Liga (DFL) an Mehrkosten für Polizeieinsätze bei Hochrisiko-Spielen beteiligen. Das Bremer Oberverwaltungsgericht kassierte am Mittwoch ein Urteil der Vorinstanz und traf damit eine Entscheidung, die teuer für die Vereine werden könnte. Hansa-Chef Robert Marien kritisiert den Richterspruch. „Die Gewährleistung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit ist Aufgabe des Staates und nicht des Fußballs und seiner Verbände“, sagte er wenige Tage vor dem als Hochrisiko-Spiel eingestuften Duell des FC Hansa gegen den 1. FC Magdeburg. Im Übrigen seien die Klubs „Steuerzahler in einem nicht unerheblichen Ausmaß“.

Bremer Urteil ohne Wirkung auf MV

Das Bremer Urteil habe keine Wirkung auf MV, erklärt Innenminister Lorenz Caffier (CDU). Eine finanzielle Beteiligung an den polizeilichen Einsatzkosten durch Vereine und Verbände wirke der Gewalt im Fußball und der damit einhergehenden hohen Belastung der Polizei durch Fußballspiele nicht entgegen, sagt Caffier. „Ich habe immer betont, dass nach dem Gleichheitsgrundsatz eine solche Regelung jeden Verein und jede Sportveranstaltung im Land, ob beim Fußball, Radrennen oder Marathon, treffen würde, bei der Polizei zum Einsatz kommt.“ Dieser Ansicht ist auch Hansa-Aufsichtsratschef Günter Fett: „Welche Polizeieinsätze bei welchen Veranstaltungen müssten wir dann da noch mit einbeziehen?!“

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Kosten aller Spiele der Saison 2016/17: 68 Millionen Euro

Nach Berechnungen der Wochenzeitung „Die Zeit“ beliefen sich die Kosten für Polizei-Einsätze bei den Spielen der drei deutschen Profi-Ligen in der Saison 2016/17 auf mindestens 68 Millionen Euro. Vor allem für viele Drittligisten wäre eine Kostenbeteiligung schwer zu stemmen. „Zusätzliche Kosten müssten unter Umständen umgelegt werden auf Ticketpreise und Ähnliches, Besucherzahlen könnten zurückgehen, Einnahmen fehlen“, befürchtet Marien, und Günter Fett meint: „Das wäre für Hansa und die gesamte Liga ein Problem. Es gibt ja kaum einen Fußball-Verein, der sich nicht mit Zuschauern rumplagt, die uns viel Geld kosten.“ Als Drittligist spielt Hansa allerdings unter dem Dach des DFB und nicht des Prozess-Verlierers DFL und ist von dem Urteil daher nicht unmittelbar betroffen.

DFL will Revision einlegen

Nachhaltig zu verbessern sei die Sicherheit bei Fußballspielen nur im engen Zusammenwirken vor allem der Vereine, der Fanvertreter und der Polizei, meint Caffier. Ziel sollte ein einheitliches Vorgehen aller Länder sein, wie es das in der Vergangenheit gab. Die DFL will gegen das Bremer Urteil Revision einlegen.

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