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Rostock Der Wolf erreicht Rostock: Jagdverband warnt vor Attacken auf Kinder
Mecklenburg Rostock Der Wolf erreicht Rostock: Jagdverband warnt vor Attacken auf Kinder
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19:41 24.04.2019
Dieses Foto eines Wolfes hat eine Wildkamera im Januar in der Nähe von Rostock gemacht. Quelle: Gernot Flach
Rostock

Der Wolf ist zurück – auch in Rostock: „Ja, die Tiere sind in der Hansestadt angekommen. Wir haben Bilder aus Fotofallen, die das belegen“, sagt Gerhard Kusch, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Rostock. Auch Jörg Harmuth, Leiter des Rostocker Stadtforstes, bestätigt: „In der Heide sind ein, zwei Tiere unterwegs.“ Erst am Montagabend sollen zwei Wölfe bei Beselin vor den Toren Rostocks ein Schaf gerissen haben.

Attacke im Abendgrauen

In dem kleinen Ort in der Gemeinde Dummerstorf soll sich der Vorfall mit den Wölfen in den Abendstunden des letzten Osterfeiertages ereignet haben. Der Schafhalter habe die beiden „Angreifer“ zwar vertreiben können. Für ein Tier kam die Hilfe aber zu spät.

Jäger Gernot Flach, der das gerissene Schaf gesehen hat, ist sicher: Es war ein Wolfsangriff. Eine definitive Bestätigung gibt es aber nicht: „Der Halter hat das tote Schaf gleich vergraben“, erklärt Flach. So konnte keine DNA-Probe genommen werden.

Doch Flach glaubt, dass nur Wölfe in der Lage gewesen sein können, ein 60-Kilo schweres Schaf von der Weide ins Unterholz ziehen zu können. Von den Behörden gab es am Mittwoch keine neuen Erkenntnisse zum Fall Beselin: Der Gemeinde Dummerstorf war der Vorfall nur aus der Presse bekannt, der Landkreis Rostock verwies an das Schweriner Umweltministerium.

Wolf geht in Fotofalle

Die Attacke am Rostocker Stadtrand könnte, so fürchtet Jäger Gernot Flach, aber nur der Anfang gewesen sein: „Das Bild vom Wolf, den man nie sieht, stimmt so nicht mehr.“ Flach glaubt sogar, dass der Wolf in MV Dauergast an den Stadträndern werden könnte. „Dort darf nicht gejagt werden und es gibt ein reichhaltiges Nahrungsangebot.“

Von Füchsen, Wildschweinen und Rehen sei bereits bekannt, dass sie sich gerne am Rand von Siedlungen aufhalten. „Es sieht so aus, als ob der Wolf inzwischen auch zu diesen Kulturfolgern gehört“, meint Flach. So könne es durchaus sein, dass sogar rund um Rostock Wölfe heimisch werden.

Schon Anfang des Jahres hatte Flachs fest installierte Wildkamera in der Nähe einen Wolf fotografiert. „Aber wenn das am Montag Wölfe waren, ist es für mich das erste Mal, dass sich Wölfe bei Tageslicht in so unmittelbarer Siedlungsnähe zeigen“, so der Jäger.

Jagdverband für Abschüsse

Für Gernot Kusch, den Vorsitzenden des Rostocker Jagdverbandes, ist es längst Fakt, dass die Tiere auch in Rostock angekommen sind. Bereits vor einem halben Jahr habe es glaubwürdige Berichte über Wolfssichtungen am Rande von Toitenwinkel gegeben. „Wenn die ,Wolfskuschler’ nicht endlich aufwachen, wird das Ganze böse enden.“

1000 Wölfe gibt es derzeit in Deutschland, in drei Jahren könnten es bereits doppelt so viele sein. „Sie werden zur Gefahr. Nicht nur für die Landwirtschaft, sondern auch für Leib und Leben – insbesondere von Kindern.“ Kusch fürchtet, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis die Wölfe auch Menschen anfallen.

Die Jäger hätten „keine Lust“, Wölfe abzuschießen. „Aber wir haben keine andere Wahl. Der Wolf hat keine natürlichen Feinde. Sie haben keine Angst vor den Menschen.“ Das werde sich ändern, wenn das Tier gejagt werden darf: „Es geht nicht darum, die Art wieder auszurotten. Aber wenn wir ein, zwei Tiere aus dem Rudel abschießen, wird dieses Rudel einen Bogen um Siedlungen machen.“ Es dürfe nicht erst was passieren.

Stadtforstamt für sachliche Debatte

Jörg Harmuth, Leiter des Stadtforstamtes, mahnt hingegen eine sachliche Debatte an: „Stand heute ist es verboten, Wölfe zu jagen. Daran haben wir uns zu halten.“ Er glaubt nicht, dass sich in Rostock bereits ein Rudel angesiedelt hat. „Aber ein, zwei Tiere haben wir hier mit Sicherheit.“ Auch in der Nähe des Seehafens und bei Stuthof seien schon Wölfe gesehen worden.

„Dort, wo sie Probleme machen, müssen wir entschieden handeln“, so Harmuth. „Aber dafür brauchen wir klare Regeln.“ Er nennt das Thema Wildschweine als Beispiel: „Die Tiere waren so lange niedlich, bis sie sich in Vorgärten wagten und Menschen ihre Häuser nicht mehr verlassen konnten. Dann mussten wir handeln.“

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