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Rostock Gemeinsam für das Rostocker Frauenhaus
Mecklenburg Rostock Gemeinsam für das Rostocker Frauenhaus
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13:48 28.06.2019
Michael Theede spielt in der Kunsthalle Musik von Udo Jürgens am Flügel. Quelle: Ove Arscholl
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Reutershagen

Das Dienstfahrzeug des Rostocker Frauenhauses, ein Sharan mit sieben Sitzen, ist fast 20 Jahre alt. „Der wird oft genutzt und so geht’s ihm auch“, sagt Kathleen Grundmann vom Verein Frauen helfen Frauen. Das Benefizkonzert, das der Soroptimist-Club Rostock am Donnerstagabend veranstaltet hat, kam also wie gerufen. Die Einnahmen der Eintrittsgelder gehen eins zu eins an das Frauenhaus.

Gut 100 Gäste waren in die Kunsthalle gekommen, um dem Pianospiel von Professor Michael Theede und den Liedern von Udo Jürgens zu lauschen. Dabei hatten die Organisatorinnen um Präsidentin Alice Freifrau von Grotthuss vor drei Wochen erst 21 Karten verkauft. „Man muss wirklich trommeln“, sagt Pressesprecherin Christiane Winter-Thumann. „Und wir freuen uns immer wie bekloppt, wenn dann etwas klappt.“

Zu dem Liederabend mit Titeln von Udo Jürgens waren gut 100 Gäste gekommen. Alle Einnahmen gehen an das Frauenhaus.

Nach einem entspannten Aperitif und einem Streifzug durch die neue Ausstellung über den Palast der Republik in der Kunsthalle, begrüßte die Kulturreferentin des Grand Hotel Heiligendamm, Susan Franke, die Gäste.

Soroptimisten sind „beste Schwestern“

Den Soroptimist-Club Rostock gibt es seit vier Jahren. „Wir wollen uns für Frauen und Mädchen beziehungsweise Kinder einsetzen“, sagt Winter-Thumann. „Bei unseren Projekten haben wir immer deren Wohl im Kopf.“ Angefangen haben sie mit fünf Frauen, die etwas bewegen wollten. Inzwischen sind sie ein 26-köpfiges Team. Das lateinische „sorores optimae“ bedeutet übersetzt „beste Schwestern“.

Das Konzert, bei dem der Hamburger Pianist Michael Theede Lieder von Udo Jürgens spielte, fand innerhalb der Kulturreihe „Die Stunde der Frauen“ statt. „Die haben wir uns ausgedacht, um über karikative Veranstaltungen Gutes zu tun“, sagt Winter-Thumann. Und Gutes tun, das wollen viele.

Unterstützung von allen Seiten

Unterstützt wurde der Abend nämlich nicht nur von der Kunsthalle und dem Pianisten, die weder Miete noch Gage nahmen, sondern auch vom Grand Hotel in Heiligendamm, das den Künstler kostenlos beherbergte. „Veranstaltungen wie diese können wir eben nur dann durchführen, wenn wir tatkräftige Unterstützung erhalten“, sagt Alice Freifrau von Grotthuss und bedankte sich herzlich.

An dem Abend sind knapp 4000 Euro zusammengekommen. Gesammelt wurden aber nicht nur die Eintrittsgelder. Auch von jeder verkauften Wurst und jedem verkauften Getränk ging ein Euro in den Spendentopf, ebenso gab es spontane Spenden. Gebremst fühlen sollten die Leute sich aber nicht, sagte Susan Franke. Geld werde im Frauenhaus, das über elf Zimmer verfügt, immer gebraucht. Aber auch Sachspenden sind willkommen: Derzeit fehlen etwa neuwertige Unterwäsche und Socken, Jogginganzüge als Wechselsachen sowie Kinderstrumpfhosen.

Alter Sharan muss ersetzt werden

„Wir bieten Frauen, die aufgrund von häuslicher Gewalt in eine Notlage geraten sind, Schutz“, sagt Henriette Kesselring. Zudem hilft das Team den Frauen dabei, sich neu zu orientieren. „Wir begleiten die Frauen zum Jobcenter, zum Migrationsamt oder fahren mit ihnen noch einmal in die Wohnung, um Sachen abzuholen.“

Auf den kleinen Transporter verzichten können sie also nicht. „Wir nutzen ihn auch, um Spenden von der Tafel abzuholen, damit wir unsere Bewohner versorgen können“, sagt Kathleen Grundmann. „Es wäre gut, wenn wir uns bald ein neues Auto leisten könnten.“

Soroptimist International

Soroptimist International (SI) ist die weltweit größte Serviceorganisation berufstätiger Frauen mit der Zielsetzung, sich für die Rechte und die Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen und Mädchen einzusetzen. SI ist eine lebendige Organisation von Frauen, die Fragen der Zeit aufgreifen. 1921 in Kalifornien gegründet, sind in diesem Netzwerk derzeit über 85 000 Frauen weltweit organisiert. In Deutschland wurde 1930 der erste Club in Berlin gegründet, mit Rostock sind es jetzt etwa 218 Clubs. Zurzeit engagieren sich hierzulande rund 6500 Frauen im gesellschaftspolitischen Rahmen für soziale Projekte, die die Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen und Mädchen lokal, national und weltweit zum Ziel haben.

Nächste Veranstaltung im Herbst

Das Pianokonzert ist zwar die größte Veranstaltung der diesjährigen Reihe, aber nicht die letzte. „Am 5. September wird es in der Goetheschule eine Lesung geben“, sagt Christiane Winter-Thumann. Die Autorinnen selbst werden aus ihrem Buch „Unerhörte Ostfrauen“ lesen.

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