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Rostock Generationswechsel im Systemhaus
Mecklenburg Rostock Generationswechsel im Systemhaus
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18:28 25.11.2019
Generationswechsel bei S&N-Datentechnik in Rostock: Karl-Heinz Sandmann (v.l.), Carl Sandmann, Donatus Neumann, Dr. Julius Neumann Quelle: Doris Deutsch
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Rostock

Als sie 1990 mit einer eigenen Firma gestartet sind, waren sie in etwa so alt wie ihre Söhne heute. Dr. Julius Neumann (66) und Karl-Heinz Sandmann (62) erinnern sich an die Gründung ihrer Comtec GmbH in Rostock. „Die Computertechnik kam gerade auf. Es war das Junix-Zeitalter mit großen, klobigen PC. Das hat uns so begeistert, wir wollten hier Wissen verbreiten“, erzählen der Physiker und der Elektroniker. Beide kannten einander von der Universität Rostock und stürzten sich in das Abenteuer der Selbstständigkeit. Im Register der Hansestadt Rostock, „einem kleinen Heft, das im Rathaus auslag“, hatten sie sich als eine der ersten GmbH eingetragen.

Schon nach kurzer Zeit musste die Firma den Namen wechseln, „der kam deutschlandweit mindestens 23-mal vor“, muss Sandmann noch heute schmunzeln. S&N-Datentechnik entstand, mit diesem Namen konnte nichts schiefgehen. Eine Erfolgsgeschichte lag vor den hoch motivierten Gründern. Ihr Systemhaus ist heute ein anerkanntes Unternehmen in der IT-Branche, mehrfach ausgezeichnet für seine effizienten Ausbildungskurse. Einst mit fünf Mitarbeitern gestartet, zählen inzwischen 56 Kollegen zur S&N-Familie.

Die Chefs sind nun in die Jahre gekommen, streben zum Rentenalter einen Generationswechsel im Unternehmen an. „Wir wollen Kernverantwortung abgeben“, sagt Sandmann. Seit drei Jahren beschäftigen sie sich mit der Unternehmensnachfolge. „Wir haben über verschiedene Modelle nachgedacht“, berichtet der 66-jährige Neumann. „Mal in die Familie reinfragen, an Mitarbeiter verkaufen oder an jemanden von außen.“ Im Frühjahr 2019 fiel die Entscheidung. Die Söhne haben zugesagt. „Da waren wir erleichtert“, geben die Väter zu. Zum 1. September wurden Carl Sandmann (30) und Donatus Neumann (36) als Geschäftsführer eingestellt. Drei Jahre wollen die Seniorchefs sie noch begleiten.

In MV werden 11 000 Firmennachfolger gesucht

Landesweit benötigen nach Angaben der IHK Rostock 11 000 Unternehmen bis zum Jahr 2025 Nachfolger. Bundesstatistiken zufolge werden zu 54 Prozent Lösungen im Familienkreis gefunden, zu 17 Prozent übernehmen Mitarbeiter und der Rest wird unternehmensextern abgewickelt. Fred Schneider, Fachbereichsleiter Existenzgründung und Unternehmensförderung bei der IHK zu Rostock, verweist auf das Nachfolgeportal der Nachfolgezentrale MV. Hier würden vertraulich und punktgenau Übergeber und Nachfolger gematcht. „Aktuell sind 158 Unternehmer und 367 Nachfolgeinteressierte im Portal gelistet“, informiert Schneider.

In Familienbetrieben gelinge der Generationswechsel mit nachrückenden Angehörigen nicht besser, aber anders. Die Suche eines potenziellen Nachfolgers entfalle. „Dafür kann der Übergabeprozess aufgrund familiärer Verflechtungen sehr emotional und konfliktbeladen sein, wenn zum Beispiel noch Geschwister bedacht werden müssen“, erklärt Schneider.

Im S&N-Systemhaus ist die geordnete Übergabe gelungen. Die Töchter der Firmengründer hatten kein Interesse. „Das ist ein Glücksfall, dass wir zwei Söhne haben, die es wollen, die sich die Verantwortung zutrauen“, sagt Karl-Heinz Sandmann. Und in den ersten drei Monaten hätten sie sich bereits sehr gut reingekniet. Auch die Mitarbeiter seien erleichtert, hätten nun Sicherheit, dass es weitergeht.

Juniorchefs haben Respekt vor Leistung der Firmengründer

Donatus Neumann hat als Wirtschaftsinformatiker in Rostocker Unternehmen gearbeitet und hier die große Bandbreite an IT kennengelernt. „So eine Chance wie jetzt bekommt man kein zweites Mal“, betont der 36-Jährige. Carl Sandmann war acht Jahre weg von der Küste. Fünf Jahre lang hat er in Polen bei VW im Bereich Marketing und Vertrieb gearbeitet und dann in einem Start-up-Unternehmen für Onlinemarketing in Berlin. „Eigene Verantwortung, ein eigenes Team, sich unternehmerisch verwirklichen“, erklärt der 30-Jährige, „hier kann ich viel mehr lernen als anderswo. Das ist ein Traum.“

Die Juniorchefs haben großen Respekt vor der Leistung ihrer Väter und hören auch gern mal die Geschichten aus den Anfangsjahren. „Als wir Lkw-weise Monitore geholt und sogar in einem eigenen Geschäft in der Kröpeliner Straße verkauft haben“, wie Julius Neumann erzählt. Oder dass ihnen nach der Insolvenz des Kieler Partners und einem eigenen Neustart 1994 keine Bank in Rostock Geld geben wollte. „Obwohl wir mit schwarzem Anzug und weißem Hemd da ordentlich aufgekreuzt sind“, sagt Karl-Heinz Sandmann. Aber die Kieler Sparkasse habe den Neulingen aus dem Osten mit einem Kontokorrent-Kredit aus der Misere geholfen.

Firmensitz ist mit den Aufgaben kontinuierlich gewachsen

„Wir wollten nicht nur Blech und Kisten schieben, sondern Know-how weitergeben“, erinnert sich Neumann. Kontakte zu Arbeitsämtern und Kommunen wurden geknüpft und Schulungen, Beratungen, Projekte angeboten. „Das hat geboomt“, sagt Neumann, „neue Betriebssysteme zogen in die Arbeitswelt ein.“ Die Firma wurde als Systemhaus bekannt und machte sich auch mit der Entwicklung und Installation von Branchensoftware für Ärzte, Zahnärzte, Kliniken, aber auch bei Rechtsanwälten und mittelständischen Unternehmen einen Namen. Mehr als 30 000 IT-Leute, Administratoren hat S&N seit 1990 ausgebildet.

Mit den Herausforderungen wuchs auch der Firmensitz. Gestartet in der Augustenstraße in Rostock, wechselte das Systemhaus über eine Zwischenstation in Kessin ins Bürotel am Bahnhof, wo zehn Jahre lang zwei Etagen „bewohnt“ wurden. Dann wurde die Villa im Bahnhofsviertel gekauft und umgebaut. 2004 wurde gleich nebenan ein Erweiterungsbau eingeweiht. 2008 kam ein Schulungsgebäude in der Schweriner Straße dazu.

Das klassische Geschäft mit Schulungen, Beratungen, Projektierungen von Netzwerken werden auch die Jungen beibehalten. Aber sie werden auch ihre Erfahrungen im Onlinemarketing in der Kommunikation über soziale Medien einbringen. „Wir wollen die Digitalisierung ausbauen, das wird in verschiedenen Bereichen in nächster Zeit geradezu explodieren“, ist Donatus Neumann überzeugt. „Altbewährtes und ein frischer Blick, Erfahrung und Innovation. Diese Kombi, darauf freuen sich die Kunden“, betont Carl Sandmann. Die Firmengründer lächeln zufrieden.

Von Doris Deutsch

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