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Rostock „Genossen“ kaufen Groten Pohl
Mecklenburg Rostock „Genossen“ kaufen Groten Pohl
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00:01 25.10.2017
Kleingärten und wenige Häuser prägen bislang den Groten Pohl. Nun soll hier ein komplett neues Viertel entstehen. Quelle: Fotos: Ove Arscholl
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Südstadt

Es ist die letzte große Fläche in der Nähe der Innenstadt, auf der Rostock noch bauen kann. Und genau das soll nach jahrelanger Diskussion nun auch geschehen:

Spätestens bis 2021 könnte auf dem Groten Pohl in der Südstadt ein komplett neues Viertel entstehen – mit bis zu 700 Wohnungen. Nicht Investoren von außerhalb, sondern die Rostocker Wohnungsgenossenschaften sollen das Projekt umsetzen. Fünf Genossenschaften haben sich für den Groten Pohl zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen. Wenn die Bürgerschaft „grünes Licht“

gibt, sollen sie noch in diesem Jahr das Land kaufen. Doch gegen die Pläne regt sich Widerstand: SPD und Linken fordern nämlich, dass in dem neuen Viertel auch Wohnungen für Studenten entstehen sollen. Die sind bisher aber nicht geplant.

Stadt will Areal nicht erst ausschreiben

Das Rostocker Rathaus will das 18 Hektar große Filetstück ohne Ausschreibung verkaufen – auf dem Wege der so genannten Direktvergabe. Zwar könnte die Stadt mehr Geld am „freien Markt“

verdienen, doch das sei nicht das oberste Ziel der Stadtverwaltung: „Der Rostocker Wohnungsmarkt gehört zu den angespanntesten in den neuen Bundesländern. Der Druck, jetzt zu handeln, ist enorm“, sagt Oberbürgermeister Roland Methling (UFR). Die Hansestadt drohe den Anschluss im Wettbewerb um Arbeitskräfte und Lebensqualität zu verlieren. Von den Wohnungsgenossenschaften verspricht er sich eine schnelle Umsetzung der Pläne für den Groten Pohl. Eine Ausschreibung würde nun unnötig Zeit kosten. Und noch ein Argument spreche für die Direktvergabe: In einem Vertrag, der zwischen der Stadt sowie den Genossenschaften Marienehe, Neptun, Rostock-Süd, Schifffahrt-Hafen und Neue Rostocker geschlossen werden soll, verpflichten sich die Unternehmen, sämtliche Planungs- und Erschließungskosten zu übernehmen. Außerdem: Sie sichern zu, dass 20 Prozent der bis zu 700 neuen Wohnungen für „untere und mittlere Einkommensschichten zur Verfügung stehen“ werden. Zuletzt hatten OB und eine Bürgerschaftsmehrheit entschieden, auf ähnliche Weise am Rosengarten zu verfahren. Auch der soll ohne Ausschreibung an „Genossen“ gehen.

Genossenschaften: „Wollen unseren Beitrag leisten“

Wie groß die Nachfrage nach Wohnraum in der Hansestadt ist – Roland Blank spürt das täglich. Er ist Vorstand der WG SchifffahrtHafen und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft „Groter Pohl“: „Wir haben Wohnungsnot in der Stadt. Unsere Aufgabe als Genossenschaften ist es, dagegen etwas zu tun. Deshalb wollen wir am Groten Pohl investieren.“ Blank verspricht ein neues, modernes Viertel „aus einem Guss“. „Erstmals arbeiten fünf große Vermieter in Rostock zusammen.“ Die Genossenschaften hätten sich das Areal aufgeteilt, stimmen sich in allen Details ab. Nach OZ-Informationen wird Schifffahrt-Hafen mit 250 neuen Wohnungen den Löwenanteil bauen. „Unser Ziel ist es, bis Ende 2018 Baurecht zu haben.“ Die ersten der bis 2000 Mieter könnten dann 2021 einziehen. „Der Standort ist hervorragend. Die Nachfrage nach Innenstadt-nahen Wohnungen steigt“, sagt auch Hans-Joachim Lüdemann, Vorstand der WG Marienehe. „Vor zwei Jahren kam die Stadt auf uns zu, ob wir das Areal entwickeln wollen. Ja, wir wollen.“

Matthias Horn, Referent für Stadtentwicklung im Rathaus, verspricht ein „durchmischtes, modernen Innenstadt-Viertel“. „Wir wollen dort einen lebendigen Stadtteil schaffen, in dem Leben, Wohnen und Arbeiten im Einklang sind.“ Heißt im Klartext: Am Groten Pohl sollen auch neue Kitas, eine Schule, weiterführende Bildungsangebote entstehen. Zudem plant die Stadt mit Büro- und Gewerbegebäuden.

„Auch Ärzte gehören selbstverständlich in das Viertel.“

Politik und Kleingärtner haben noch Forderungen

Ein Selbstläufer dürfte die Abstimmung über den Verkauf in der Bürgerschaft aber nicht werden. Denn die Liste der Wünsche für das Viertel ist lang: 335 Kleingärten gibt es bislang in dem Bereich, ein Großteil soll wegfallen. „Wir gehen davon aus, dass im neuen Bebauungsplan auch eine Kleingartenanlage eine Rolle spielt und Berücksichtigung findet“, fordert beispielsweise Christian Seifert, Vorsitzender des Verbandes der Gartenfreunde.

SPD und Linke bewegt noch ein anderes Thema: „In Rostock suchen viele Menschen bezahlbaren Wohnraum – auch Studierende. Das Studentenwerk würde mehr Wohnungen bauen, braucht aber Partner“, sagt Linken-Chefin Eva- Maria Kröger. Thoralf Sens, Vize- Fraktionschef der SPD, ergänzt: „Vielleicht können die Genossenschaften und das Studentenwerk ja gemeinsam Wohnheime am Groten Pohl bauen.“ Der Standort sei dafür ideal – zum Ulmencampus ist es nicht weit, der Südstadt-Campus liegt sogar in direkter Nachbarschaft. Kröger könnte sich sogar vorstellen, dass Land und Stadt ein solches Projekt fördern. Bisher haben die Macher das aber nicht auf der Agenda: „Studentenwohnheime sind am Groten Pohl eigentlich nicht vorgesehen“, sagt Andreas Lübcke, Vorstand der WG Schifffahrt-Hafen.

Andreas Meyer

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