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Rostock Rostock: Ein Wildfang macht die Flatter
Mecklenburg Rostock Rostock: Ein Wildfang macht die Flatter
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20:01 29.03.2019
Schmuck am Bein: Bevor der Weißstorch zurück in die Freiheit darf, wird er von Tierpflegerin Anke Bleihöfer und Storchbetreuer Gunnar Gernhöfer beringt. Quelle: ANTJE BERNSTEIN
Rostock/ Papendorf

Ein Schwinger mit dem Kescher und der Wildfang ist eingenetzt. Behutsam nimmt Tierpflegerin Melanie Bleihöfer den Weißstorch auf den Arm und streicht ihm übers Gefieder. „Jetzt geht’s zurück in die Freiheit.“ Zum Abschied bekommt der Jungvogel ein Schmuckstück verpasst: Gunnar Gernhöfer klemmt ihm einen Ring ans Bein. CE 09 – mit Hilfe dieses Codes wollen der ehrenamtliche Storchenbetreuer des Naturschutzbundes (Nabu) und seine Mitstreiter verfolgen, wohin es ihren Schützling zieht, wenn sie ihn gleich ziehen lassen. Den Winter hat der Storch in einer Voliere des Rostocker Zoos verbracht.

Rückblick: Der Storch geht seinen Rettern im Oktober 2018 ins Netz. Wochenlang waren sie ihm hinterher gejagt, weil besorgte Tierfreunde Alarm schlugen. Immer wieder wagt sich das Jungtier viel zu nah an Menschen und Autos heran. Dass ihm beides gefährlich werden kann, hat ihm offenbar keiner beigebracht. Der Nachzügler war wohl zu spät flügge geworden. Als er abflugbereit ist, haben seine Artgenossen längst die Flatter gen Afrika gemacht. Der naive Einzelgänger bettelt Menschen um Futter an und entdeckt einen Discounterparkplatz als lohnendes Revier dafür. Eine Fleischwunde setzt dem ein Ende. Tierschützerin Anke Hornburg macht den angeschlagenen Vogel in Rerik dingfest. Nach kurzem Zwischenstopp in der Tierklinik zieht er im Zoo ein. Hier nehmen ihn seine Mitbewohner unter ihre Fittiche. „Er hat von den anderen Störchen gelernt, Abstand zu Menschen zu halten“, erzählt Melanie Bleihöfer. Zusammen mit den Storchbetreuern Stefan Kroll und Gunnar Gernhöfer bugsiert sie ihren Kurzzeitgast in einen Stoffbeutel. Gut eingetütet wird der Storch in einem Karton verpackt und im Kofferraum verstaut.

So sieht es aus, wenn Tierschützer einen jungen Weißstorch zurück in die Freiheit bringen. Der Vogel hatte im Zoo überwintern müssen.

Im Auto geht’s zu einer Wiese bei Papendorf. Es rappelt im Karton, der Vogel will ins Freie. „So Kumpel, gleich ist es so weit“, sagt Gernhöfer, öffnet die Kiste und wickelt den Storch aus dem Beutel. Die ersten Schritte sind zögerlich, mit Zeitlupentempo stakst der Vogel durchs klatschnasse Gras. Hier ist er der einzige Schwarzweißgefiederte auf weiter Flur. Ein paar Kilometer Luftlinie entfernt sind indes die ersten seiner Artgenossen gelandet, zurück aus ihren Winterquartieren. Die Vogelschützer rechnen mit 80 Brutpaaren im Altkreis Bad Doberan, sieben sind schon da.

Ans Rumschnäbeln ist beim frisch ausgewilderten Storch noch nicht zu denken. Er wird sich frühestens in zwei Jahren um Familienzuwachs bemühen. Dann wird sich zeigen, ob er Männchen oder Weibchen ist. „Momentan können wir das nicht sagen. Das sehen wir erst daran, wer bei der Paarung oben ist“, sagt Gunnar Gernhöfer. Vorausgesetzt, der Kleine schafft es bis ins Liebesnest. „Von fünf Jungstörchen überlebt nur einer das dritte Lebensjahr.“

Dabei könnte die Weißstorchpopulation jedes Küken brauchen. Im vergangenen Jahr zählten die Storchenschützer nur 39 Brutpaare im Altkreis Bad Doberan – 2003 waren’s noch 94. Gefährliche Zugrouten nach Afrika und Mecklenburger Felder, die immer weniger Futter bieten – das rächt sich.

Der Jungstorch muss heute nicht darben. Nach wenigen Metern verschnabuliert er seinen ersten Wurm. Und wird dabei aus der Vogelperspektive beobachtet. Ein Greifvogel kreist am wolkenverhangenen Himmel. „Zum Glück nur ein Milan“, stellt Stefan Kroll erleichtert fest. Bei einer früheren Auswilderungsaktion hatte ein Storch weniger Glück. Ein Adler schnappte sich das Jungtier und verletzte es schwer. Die Ehrenamtler konnten es jedoch retten. Heute lebt der Storch im Zoo. Zurück in die freie Wildbahn kann er nie wieder. Eine Ausnahme, denn etwa 80 Prozent der Störche, die die Retter zum Aufpäppeln in den Tiergarten bringen, können anschließend wieder in die Freiheit entlassen werden.

Der Jungstorch streckt die Flügel. „Na, du erinnerst dich wohl daran, dass du das schon mal gemacht hast “, sagt Gernhöfer. Kurz darauf setzt der Vogel zum Abflug an. Er schwingt sich in die Höhe, zieht zwei, drei Kreise – und stürzt sich prompt auf eine Graugans, die arglos über die Weide watschelt. Nach kurzer Verfolgungsjagd lässt der Storch von seinem Ziel ab und gleitet galant über Baumwipfel hinweg. Von unten schauen ihm Stefan Kroll und Gunnar Gernhöfer zu. „Das macht mich happy“, sagt Letzterer und lacht. Ob es ein glückliches Wiedersehen gibt, wird sich zeigen. Eine Meldung, die gerade bei den Rettern einflattert, stimmt optimistisch: Der Storch, den sie vor fünf Jahren in Broderstorf auswilderten, hat sich als Brutvogel an der Elbe angesiedelt.

Diese Webcam zeigt Livebilder aus Storchennest bei Biestow:

https://webcam.biestow-info.de/

Antje Bernstein

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