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Rostock Älteste Rostockerin feiert 107. Geburtstag: So lebt Gertrud Blohm
Mecklenburg Rostock Älteste Rostockerin feiert 107. Geburtstag: So lebt Gertrud Blohm
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17:38 09.09.2019
Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (r.) hat am Montag der Warnemünderin Gertrud Blohm nachträglich zum 107. Geburtstag gratuliert. Als Überraschungsgast für die sportbegeisterte Seniorin hatte er Boxweltmeister Jürgen Brähmer mitgebracht. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Ein Gläschen Sekt zum Anstoßen – da sagt Gertrud Blohm nicht Nein. Schließlich wird man nur einmal 107 Jahre alt. „Aber beim Essen pass ich auf. Manchmal macht mir nämlich ein Gallenstein Probleme“, erzählt die Jubilarin, die am Sonnabend Geburtstag feierte und in Warnemünde lebt. Und das nicht etwa in einem Heim, sondern allein in einer Wohnung mitten im Zentrum.

„Früher hatte ich noch Meerblick, das war die schönste Wohnung im ganzen Ort“, sagt Blohm, die aufgrund von Eigenbedarf des Vermieters ihre frühere Bleibe aufgeben musste, aber im gleichen Haus Ersatz fand und dort auch blieb, nachdem ihr Mann gestorben war.

Zuerst gefiel Warnemünde gar nicht

Mit 18 Jahren kam die gebürtige Bützowerin ins Ostseeheilbad, um bei Bäckereibesitzern im Verkauf und im Haushalt zu helfen. Ihr erster Eindruck vom neuen Wohnort sei aber kein guter gewesen. „Ich sah von der Bahnhofsbrücke aus einige Gebäude und dachte nur: Das ist aber nicht schön, da wird es dir nicht gefallen“, erinnert sich die Jubilarin. Viel hätte sich seitdem verändert – nicht nur die Größe und Bebauung des Ostseebades, sondern auch die Gefühle für ihre Wahlheimat. „Ich mag alles an Warnemünde, vor allem die gute Luft. Deshalb wollte und will ich hier nicht weg“, erklärt Gertrud Blohm mit fester Stimme.

Gearbeitet bis zum 76. Lebensjahr

Ein Geheimnis für ihr hohes Alter hätte sie nicht. „Ich hab immer das gemacht, was ich mir so gedacht habe und einfach gegessen, worauf ich Lust hatte“, sagt sie. Bei Feiern hätte es auch mal ein Glas Alkohol gegeben. „Und ich schlafe gut – immer schon.“

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Auch die Arbeit hätte sie fit gehalten. Nachdem sie als junges Mädchen sowohl in der Hotel- als auch in der Gutsküche gelernt hätte, sei sie später die meiste Zeit als Sekretärin tätig gewesen. „Bis ich 76 war, habe ich bei der Bagger-, Bugsier- und Bergungsreederei gearbeitet. Ich hätte auch noch länger gemacht, habe dann aber zusammen mit einer Freundin aufgehört, die 60 war und in Rente gehen wollte“, sagt Blohm.

Immer viel gelesen

Zeitaufwendige Hobbys hätte sie in ihrem Leben nie gehabt. „Ich bin früher gern spazieren gegangen und habe außerdem in jeder freien Minute gelesen.“ Das macht Gertrud Blohm auch heute noch, sogar die Tageszeitung. „Ich habe mittlerweile aber ein Lesegerät zum Vergrößern. Leider sind meine Augen immer schlechter geworden und mir wurde erzählt, stärkere Brillen gibt es nicht mehr“, sagt die rüstige Seniorin.

Hilfe von Nachbarn, Freunden und dem Pflegedienst

Was sie außerdem begeistert, sei Sport. Formel 1 zum Beispiel. „Früher mochte ich Sebastian Vettel, aber der hat bei mir verspielt“, sagt Gertrud Blohm. Das Rennen am Wochenende hat sie zwar verpasst, lässt sich aber im Nachhinein davon berichten. Das Länderspiel der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft am Montagabend will sie aber anschauen. „Ich muss wegen der Augen nur ganz nah an den Fernseher ranrutschen.“

Die 107-jährige Gertrud Blohm (M.) trinkt mit Barbara und Wolfgang Hackl Sekt. Die ehemaligen Nachbarn unterstützen die Seniorin im Alltag. Quelle: Ove Arscholl

Auf den Fußball sei sie durch ihren früheren Nachbarn Wolfgang Hackl gekommen. Der Warnemünder kümmert sich zusammen mit seiner Frau Barbara um Gertrud Blohm, schaut mindestens einmal pro Woche vorbei. „Für diese Hilfe bin ich sehr dankbar. Ich habe ja keine eigenen Kinder, dafür aber Freundschaften, die schon lange halten“, sagt Gertrud Blohm.

Dreimal die Woche kommt ein Pflegedienst vorbei, auch das Essen wird geliefert. „Am liebsten würde ich das aber selber machen. Das meiste schmeckt mir nämlich nicht, es ist zu wenig gewürzt“, erzählt sie und grinst verstohlen.

Oberbürgermeister will jedes Jahr vorbeikommen

Mit ihren 107 Jahren ist Gertrud Blohm aktuell die älteste Rostockerin. Klar, dass auch der neue Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) zum Gratulieren vorbeischaut und ihr seine Hochachtung sowie die besten Wünsche ausspricht. „Die Bürgermeister kommen ja immer erst, wenn man alt ist. Vorher trifft man sie ja nicht“, sagt die Jubilarin schmunzelnd. Das will Madsen nicht auf sich sitzen lassen: „Ich komme auch noch mindestens sechs weitere Jahre zu Ihrem Geburtstag“, kündigt der Däne an und muss grinsen, als Gertrud Blohm bereits am Vormittag ganz gastfreundlich fragt, ob er „Kaffee oder Wein“ trinken möchte.

Boxer Jürgen Brähmer schenkt Handschuhe

Weil er wisse, dass sie wie er auch Boxsport mag, hat Madsen zur Geburtstags-Nachfeier von Gertrud Blohm auch Weltmeister Jürgen Brähmer mitgebracht. Der Profisportler hat für die Jubilarin ein paar Original-Trainingshandschuhe dabei – damit sie sich auch weiterhin gut durchboxt. Außerdem lädt er sie ein, bei seinem nächsten Kampf einmal live dabei zu sein. Es sei zwar schwer, Gegner zu finden, aber „der Kampf wird hoffentlich noch in diesem Jahr stattfinden. Und am liebsten in Rostock“, so der 40-Jährige.

Einladung angenommen

Die Einladung nimmt Gertrud Blohm gern an. „Wenn es mir weiter so geht wie jetzt, dann könnte ich mir vorstellen, 108 zu werden“, sagt die älteste Rostockerin. Überhaupt sei Gesundheit das Einzige, das sie sich zum Geburtstag wünscht. „In meinem Alter sollte man für jeden Tag dankbar sein. Und das bin ich auch.“ Trotz Rückschlägen, wie dem Tod des einzigen Bruders, der im Krieg gefallen ist, oder dem des Ehemannes, sei das Leben immer gut zu ihr gewesen, so Gertrud Blohm.

Ab dem 90. Geburtstag gibt es Post aus Schwerin

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) schickt jedes Jahr einige Gratulationsschreiben. Schließlich bekommen in MV Jubilare ab dem 90. Geburtstag aller fünf Jahre Post aus Schwerin. Ab dem 100. Geburtstag dann sogar jährlich. Dazu gibt es vom Land pro Jahr und Person 50 Euro als Geschenk.

Laut Staatskanzlei steige die Anzahl der Hochbetagten im Land. In Rostock gibt es laut Stadtsprecher Ulrich Kunze „Hundertjährige im zweistelligen Bereich“ – die genauen Zahlen schwanken unter anderem auch durch Zu- oder Wegzüge.

In einer Kröpeliner Wohnanlage feierte im vergangenen Jahr Anneliese Steinhöfel ihren 103. Geburtstag. Laut Auskunft ihrer Pflegerin sei die Senioren auf gutem Weg zum 104. Jubiläum. Die aktuell älteste Wismarerin ist ebenfalls aktuell 103 Jahre – der 104. Geburtstag stünde im Oktober an.

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Über die Autorin

Von Claudia Labude-Gericke

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