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Rostock Geschäfte ohne Münzen? Toiletten in Warnemünde bleiben kostenpflichtig
Mecklenburg Rostock Geschäfte ohne Münzen? Toiletten in Warnemünde bleiben kostenpflichtig
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17:45 22.11.2019
Ohne Geld eine öffentliche Toilette zu benutzen, ist in Warnemünde aktuell nicht möglich, wie Dimitri Paul (26) symbolisch zeigt. Quelle: Ove Arscholl
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Warnemünde

Ob Peru, Kolumbien oder gar Usbekistan: In all diesen Ländern sei es üblich, dass öffentliche Toiletten kostenfrei und rund um die Uhr zugänglich sind, sagt Warnemündes Ortsbeiratsvorsitzender Alexander Prechtel. Seit vielen Jahren setzt er sich dafür ein, dies auch in Warnemünde möglich zu machen. Doch die Stadt stelle sich quer, sodass ein fest verplantes Budget nun verfallen ist.

Seit diesem Jahr stehen allen 19 Ortsbeiräten in Rostock ein eigenes Budget zur Verfügung. Der Hintergrund: Die Stadt sieht die Kompetenzen zur Verwendung öffentlicher Mittel am ehesten bei den Ortsbeiratsmitgliedern. Sie sollen entscheiden, wie und wo das Geld für die Allgemeinheit investiert wird. Jeder Stadtteil erhält einen Sockelbetrag von 3000 Euro und pro Einwohner des Stadtteils kommen noch einmal 50 Cent obendrauf. Warnemünde verfügte so bis zum Stichtag 15. November über insgesamt 7000 Euro.

Vier Toiletten für 4000 Euro

Alexander Prechtel sah dieses Budget als Möglichkeit, seinen langjährigen Wunsch nach kostenfreien öffentlichen Toiletten für Urlaubsgäste und Anwohner zu verwirklichen. „Wir haben dann das Umweltamt um eine Auflistung der Toiletten gebeten, die sie in Warnemünde betreiben.“ Prechtel erhielt diese samt der Einnahmen, die durch die Münz-Toiletten an die Stadtkasse gehen. „Es waren vier Einrichtungen, die insgesamt etwa 4000 Euro pro Jahr einbrachten.“ Prechtels Idee: „Wir zahlen die Höhe der Einnahmen aus dem Budget des Ortsbeirates an die Stadt und machen die Toiletten kostenfrei und rund um die Uhr zugänglich.“

Es könne schließlich nicht sein, dass die Toiletten neben der Saison geschlossen und im Sommer zum Teil nur bis 20 Uhr geöffnet haben. „Danach ist das Bedürfnis doch nicht zu Ende.“ Prechtel denkt auch an die zahlreichen Kreuzfahrttouristen, die Rostock oft nur für wenige Stunden besuchen. „Gäste aus anderen Ländern haben auch mal eine andere Währung im Portemonnaie und wenn es dann mal dringend ist, können sie die öffentliche Toilette gar nicht nutzen.“

Tourismuszentrale in der Verantwortung

Schlussendlich hat der Ortsbeirat zu Beginn des Jahres die 4000 Euro aus dem Budget fest für die Toiletten eingeplant. „Wir haben das Thema gegenüber der Stadt angeschoben, doch da hat sich nichts bewegt. Da war kein Wille, das Anliegen zu bearbeiten.“ Prechtel sieht hier vor allem die Tourismuszentrale in der Verantwortung: „Es ist schließlich ihre Aufgabe, den Aufenthalt hier so angenehm wie möglich zu gestalten.“

Die Tourismuszentrale äußert sich nicht zu dem Vorwurf, das Anliegen nicht ernsthaft vorangetrieben zu haben: „Eine kostenlose Toilettennutzung in den Rostocker Seebädern ist aus touristischer Sicht begrüßenswert.“ Kerstin Kanaa, stellvertretende Pressesprecherin der Hansestadt Rostock, klärt hingegen über die bürokratische Hürde von kostenlosen Toiletteneinrichtungen in Warnemünde auf: „Eine Entgeltfreiheit – auch für einzelne Anlagen – ist nicht ohne eine Änderung des Bürgerschaftsbeschlusses 0527/07-BV möglich.“

In diesem sind die Entgelte für die Nutzung öffentlicher Sanitäreinrichtungen geregelt. Darüber hinaus sollen einzelne Maßnahmen aus Budgets der Ortsbeiräte den Wert von 3000 Euro nicht übersteigen. Bis zum Schluss hoffte der Ortsbeiratsvorsitzende auf eine Rückmeldung der Stadt. Die ist jedoch ausgeblieben. „Hätten wir das gewusst, hätten wir das Geld in andere Bereiche, wie die Sanierung von Parkbänken oder die Unterstützung von Vereinen investiert.“ Insgesamt habe man lediglich 1000 der 7000 Euro für die Allgemeinheit ausgegeben.

Markgrafenheide gibt keinen Euro aus

In Markgrafenheide ist sogar das gesamte Budget in Höhe von etwa 3750 Euro wieder zurückgeflossen. „Es gab einen Antrag unserer Freiwilligen Feuerwehr, die neue Trainingsanzüge für ihre Jugendabteilung haben wollte.“ Der Ortsbeirat hat das Anliegen dann an den Haushaltsbereich der Stadt weitergereicht. „Doch das wurde dann abgelehnt, weil es nur einem kleinen Personenkreis und nicht der Allgemeinheit zu Gute käme.“ Dudek sieht es jedoch nicht problematisch, dass kein Euro aus dem Budget für die Gemeinschaft in Markgrafenheide ausgeben wurde. „Im Ortsbeirat waren wir geteilter Meinung. Aber ich denke, man sollte sich auch nicht zwanghaft etwas aus den Fingern saugen.“

Für die Zukunft wünscht er sich, dass lokale Vereine auf den Ortsbeirat zukommen. „Dann prüfen wir ob es förderfähig ist und geben es an die Stadt weiter.“ Auch Alexander Prechtel ist überzeugt, dass der Ortsbeirat aus den Erfahrungen dieses neuen Budgetmodells lernen wird. „Es ist wichtig und richtig, dieses Budget zur Verfügung zu stellen. In diesem Jahr gab es leider noch Anlaufschwierigkeiten, doch das wird sich bestimmt einspielen.“

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