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Rostock Geschwister auf Zeit: Rostocker Projekt bringt junge Erwachsene und Grundschüler zusammen
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Geschwister auf Zeit: Rostocker Projekt bringt junge Erwachsene und Grundschüler zusammen

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20:00 12.02.2020
Ein starkes Team: Stanley (8) und Annkathrin Zabel (19) in Warnemünde. Quelle: Stefanie Adomeit
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Rostock

Jeden Donnerstagnachmittag ist Stanley ziemlich aufgeregt. Dann ist nämlich „Mogli-Tag“ und er wird von seinem „Balu“ vom Hort abgeholt. Es gibt allerdings einen entscheidenden Unterschied zum Disney-Film: Stanleys „Balu“ ist nicht männlich, groß und sehr kräftig, sondern weiblich, klein und schlank. Und heißt im wirklichen Leben Annkathrin Zabel.

Sie ist 19 Jahre alt und Studentin, beide nehmen an dem Projekt „Balu und du“ teil. „Ich kann es immer kaum abwarten bis Annkathrin mich abholt“, sagt Stanley. Dann verbringen die beiden den Nachmittag zusammen. Sie spielen Gesellschaftsspiele, bereiten kandierte Äpfel zu, basteln Papierflieger oder machen kleinere Ausflüge zusammen. „Das ist immer richtig toll“, sagt der Achtjährige.

Volle Aufmerksamkeit für „Mogli“

Dann bekommt der Grundschüler die komplette Aufmerksamkeit von seinem „Balu“. Zu Hause ist das nicht immer so, denn Stanley hat noch einen viel jüngeren Bruder, der ganz andere Interessen hat als er und sein Papa kümmert sich um ihn eher unregelmäßig. „Deshalb finde ich es toll, dass es solche Angebote gibt“, sagt seine Mutter Patricia.

Erst seit November kennen sich Annkathrin und ihr „Mogli“, aber schon jetzt sind sie ein Herz und eine Seele. „Das Alter ist ziemlich cool“, sagt die 19-Jährige. Ab Oktober möchte sie vom Philosophie- und Erziehungswissenschaftsstudium zur Grundschulpädagogik wechseln. Und kann sich mit ihrem Engagement sogar noch ein paar Punkte fürs Studium holen.

Wie wird man „Balu“?

Das Projekt „Balu und du“ ist ein ehrenamtliches Mentorenprogramm für Kinder im Grundschulalter. Die Jungen und Mädchen sind also zwischen 6 und 10 Jahre und die Balus zwischen 17 und 30 Jahre alt. Träger des Projekts sind die Malteser.

Was muss ich als Balu können?

Als Balu solltest du zuverlässig und entspannt sein und vor allem auch Zeit haben. Außerdem ist es wichtig, sich an Abmachungen zu halten, Grenzen setzen zu können, aber auch Ideen und Interessen haben, mit dem Kind etwas Schönes zu machen.

Wie sieht meine Arbeit als Balu aus?

Als Balu triffst du dich einmal pro Woche für zwei bis drei Stunden mit deinem Mogli, um mit ihm zu spielen, zu basteln, zu kochen oder etwas zu unternehmen.

Was für Vorteile habe ich als Balu?

Balus tun etwas Sinnvolles, lernen viel über Kinder und werden mit Seminaren auf das Projekt vorbereitet. Studenten können sich das Projekt für ihr Pädagogikstudium anrechnen lassen. Ebenfalls findet ein regelmäßiger Austausch mit anderen Balus statt und es gibt ein regelmäßiges Feedback nach den Treffen und Veranstaltungen für Balus und Moglis.

An wen muss ich mich wenden, wenn ich Interesse habe?

Koordinator Peter Wolf von den Maltesern.

Bei Interesse direkt bei den Maltesern melden. Koordinator in Rostock ist Peter Wolf. Um einen Termin für ein Gespräch zu vereinbaren, am besten anrufen unter Tel. 0381 / 808 309 42 oder eine E-Mail an peter.wolf@malteser.org schreiben. Der nächste Info-Abend findet am 6. April 2020 um 18 Uhr in der Rosa-Luxemburg-Straße 27 in Rostock statt.

Informationen gibt es auch auf der Internetseite www.balu-und-du.de.

Vor dem ersten Treffen mit Stanley war sie total aufgeregt. Aber das Eis zwischen ihnen war schnell gebrochen. „Als ich ihn das erste Mal abgeholt habe, kam er direkt auf mich zugestürmt und hat mich umarmt“, sagt sie begeistert.

In Rostock gibt es 110 Tandems

Annkathrin und Stanley sind eines von insgesamt 110 Tandems in Rostock. Seit mehr als fünf Jahren gibt es jetzt das Projekt „Balu und du“ von den Maltesern in der Hansestadt. Und „Balus“ werden immer gesucht. Sie sollten zwischen 17 und 30 Jahre alt sein und Lust haben, mit Grundschülern etwas zu unternehmen und sich sinnvoll zu beschäftigen.

Koordinator von „Balu und Du“ in Rostock, Peter Wolf Quelle: Malteser

„Wir haben hauptsächlich Studenten. Würden uns aber auch sehr über junge Menschen freuen, die bereits im Berufsleben stehen“, sagt Peter Wolf, Koordinator des Projekts bei den Maltesern in Rostock. „Balu“ könne jeder werden, der Zeit, Lust und Kraft hat, sich einmal pro Woche mit seinem „Mogli“ zu treffen.

„Das Schöne an dem Projekt ist: Es ist an keine Bedingungen oder Forderungen geknüpft“, sagt der 39-Jährige. Ein Jahr lang treffen sich dann „Balu“ und „Mogli“, aber: „In 60 Prozent der Fälle entsteht eine tolle Freundschaft zwischen den beiden, die auch nach dem Jahr weiter besteht“, sagt Wolf.

„Balu" Emma und „Mogli“ Jean-Pierre sind auch eines der Tandems in Rostock. Ein Ausflug führte sie an den Strand. Quelle: Charlotta Sieve

„Balu und du“ ist ausschließlich spendenfinanziert und kostet nichts. „Also wenn es einen Sponsor gibt – herzlich gerne“, sagt Wolf und lacht. Denn mit den „Balus“ und „Moglis“ finden regelmäßig Veranstaltungen statt. „Und am Ende des Jahres bekommt der ,Mogli’ eine Urkunde und Medaille“, erklärt Wolf.

So wirst du „Mogli“

Muss ich als Mogli etwas können?

Nein, das einzig wichtige ist, dass du Zeit und Lust hast, etwas mit deinem älteren Balu zu unternehmen. Und du solltest zwischen sechs und zehn Jahre alt sein.

Wie komme ich an einen Balu?

Deine Eltern nehmen Kontakt zu den Maltesern auf und füllen einige Formulare aus, um dich anzumelden. Wenn es einen Balu gibt, trifft er sich mit dir das erste Mal in der Schule oder im Hort, damit ihr euch kennenlernt. Wenn ihr euch sympathisch seid, trefft ihr euch dann regelmäßig.

Was macht der Balu mit mir?

Ihr spielt zusammen, bastelt, kocht oder unternehmt etwas, worauf du Lust hast. Zwei bis drei Stunden dauern eure Treffen. Ihr seht euch einmal pro Woche. Außerdem finden regelmäßig Treffen mit anderen Balus und Moglis statt, um euch kennenzulernen und auszutauschen.

Müssen meine Eltern dafür etwas bezahlen?

Nein, das Projekt wird ehrenamtlich ausgeführt und über Spenden finanziert. Träger sind die Malteser.

An wen müssen sich meine Eltern bei Interesse wenden?

In Rostock ist Peter Wolf der Koordinator des Projekts „Balu und du“. Deine Eltern können ihm eine E-Mail an peter.wolf@malteser.org schreiben oder ihn direkt anrufen: Tel. 0381 / 808 309 42. Sie bekommen dann alle wichtigen Unterlagen zugeschickt. Für ein persönliches Gespräch ist er in der Rosa-Luxemburg-Straße 27 zu finden.

„Ich finde das eine schöne Idee. Das Kind hat noch jemand Älteren mit Vorbildfunktion an seiner Seite und die ,Balus’ werden auch aufs spätere Leben vorbereitet“, sagt Annkathrin und lacht, während Stanley schon ungeduldig auf sie wartet. Schließlich ist doch Donnerstag – also „Mogli-Tag“!

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Von Stefanie Adomeit

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