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Rostock Von der Giftschlange bis zur Entenfamilie: Diese Menschen retten Tiere in MV
Mecklenburg Rostock Von der Giftschlange bis zur Entenfamilie: Diese Menschen retten Tiere in MV
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16:52 31.08.2019
Jörg Vogelsang ist bei der Rostocker Berufsfeuerwehr Leiter der „Gefahrenabwehr Tier“. Schlangen nimmt er mit Haken auf. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock

Angst darf Jörg Vogelsang nicht haben: „Respekt ja, aber Angst geht nicht.“ Denn die wittert sein „Gegner“. Und Schwäche zu zeigen – das wäre lebensgefährlich: Der 56-Jährige hat es täglich mit wilden Tieren zu tun. Er ist der Leiter der „Gefahrenabwehr Tier“ bei der Rostocker Berufsfeuerwehr. Wenn in der Hansestadt eine Giftschlange ausbrechen würde – so wie jüngst in Herne geschehen – wäre Vogelsang gefragt.

Bis zu 1000 Mal im Jahr sind Vogelsang und seine Kollegen gefragt: Sie beseitigen Tierkadaver von Straßen und Wegen, aber sie müssen auch dann ausrücken, wenn tierische Leben in Gefahr sind. Wenn Entenfamilien sich auf Hauptstraßen verirren, wenn eine harmlose Ringelnatter in ein Haus gekrochen ist. „Es kommt auch vor, dass Gerichtsvollzieher uns um Hilfe bitten – wenn sie etwa eine Wohnung räumen müssen und dort noch ein bissiger Hund oder ganze Terrarien voller Spinnen sind“, erzählt Vogelsang.

Jörg Vogelsang ist bei der Rostocker Berufsfeuerwehr Leiter der „Gefahrenabwehr Tier“. Am häufigsten muss er überfahrene Füchse beseitigen - dieser ist als Präparat erhalten worden. Quelle: OVE ARSCHOLL

Immer vom Schlimmsten ausgehen

Mit Schlangen hat er es schon oft zu tun gehabt: „Meist mit Kornnattern. Die sind aber nicht lebensgefährlich.“ Einsätze mit Giftschlangen wie der Kobra aus Herne hatte er aber noch nicht. „Meinen Kollegen sage ich immer, sie sollen immer vom Schlimmsten ausgehen – nämlich, dass eine Schlange zubeißt und giftig sein könnte.“

Vogelsang kennt sich aus, hat selbst mal Schlangen gehalten. Aber auch er ist dafür, dass giftige Tiere in privater Obhut verboten werden. „Wir werden oft genug gerufen, wenn Halter mit den Tieren überfordert sind.“ Der „Klassiker“: „Eine Familie legt sich einen großen Hund zu, hat aber keine Zeit für ihn. Das Tier ist den ganzen Tag allein in der Wohnung und dreht dann irgendwann mal durch.“ Die Zahl der tierischen Notfälle steige in der Hansestadt auch deshalb seit Jahren.

Ehrenamtler in Greifswald

Im Landkreis Vorpommern-Greifswald ruft die Rettungsleitstelle bei Tier-Notfällen nicht die Feuerwehr, sondern Klaus Kraft (51) und seine sechs Mitstreiter. Vor knapp zwei Jahren ist Kraft aus der Main-Gegend in den Nordosten gezogen. Schon in der alten Heimat war er ehrenamtlicher Tierretter, im Hauptberuf Fahrlehrer. Auch in und um Greifswald hilft er nun Wildtieren in Not: „Vor vielen Jahren habe ich mal mit ansehen müssen, wie in Rumänien Tiere unter schlimmsten Bedingungen gehalten wurden. Einen Hund wollte ich retten, aber auch der starb nach wenigen Tagen.“ Zu dieser Zeit schwor sich Kraft, sich für Tiere einsetzen zu wollen.

„Tiere sind für jede Hilfe dankbar. Deshalb bin ich Tierretter geworden.“ Klaus Kraft (51), Haus- & Wildtierrettung Neckartal-Odenwald - Abteilung Greifswald Quelle: privat

Geld bekommen er und die sieben Mitglieder der „Haus- & Wildtierrettung Neckartal-Odenwald / Abteilung Greifswald“ nicht. Auch nicht für Benzin, Hundeboxen oder Schutzkleidung. „Wir machen das aus Überzeugung, sind auf Spenden angewiesen.“

Am Freitag hatte Kraft den 462. Einsatz in diesem Jahr. Warum er sich das antut? „Weil Tiere dankbar für jede Hilfe sind.“ Vor einigen Monaten habe er einen verletzten Seeadler retten müssen: „Der hat sofort gemerkt, dass ich ihm nichts Böses will und sich so vorsichtig auf meinen Arm gesetzt, dass ich die Krallen nicht gespürt habe. So sind Tiere.“

„Man muss die Tiere lesen“

Kraft hat damals am Main sein Motorrad verkauft, um sich einen Wagen für „seine“ Tierrettung von dem Geld zuzulegen. „Mittlerweile haben sie die Erlaubnis, bei Notfällen sogar mit Blaulicht zu fahren.“ Vogelsang und seine Mitsteiter werden von der Polizei, den Feuerwehren oder auch den Kommunen gerufen. „Wenn Giftschlangen im Spiel sind, gehen wir immer zu zweit vor.“

Angst hat er auch nicht („Ich bin noch nie gebissen worden“), vorsichtig ist er dennoch: „Man muss die Tiere lesen. Ihre Körpersprache, ihr Verhalten.“ Seit 25 Jahren arbeite er nun mit Tieren: „Ob vor einem bissigen Hund oder einer Viper: Der Mensch sollte immer Respekt vor den Tieren haben.“

Für Schlangennotfälle hat er ein Expertennetzwerk aufgebaut: „Wir schicken dann Fotos von den Tieren an den Tierpark. Und der sagt uns, mit welcher Schlangenart wir es zu tun haben“, so Vogelsang. Eine alte Weisheit stimme tatsächlich: „Die Kleinen sind meist die gefährlichen“, sagt er. „Der Skorpion mit den großen, mächtigen Scheren ist eigentlich harmlos. Der kleine hingegen bringt Sie um.“ Das gelte auch für Spinnen: „Eine Vogelspinne ist sicher auch für viele Menschen eine Bedrohung. Aber die kleine Schwarze Witwe – kaum größer als ein Euro-Stück – ist tödlich.“

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