Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Vom Auto in Rostock erfasst: Verletzter Radfahrer will Schuldfrage klären
Mecklenburg Rostock Vom Auto in Rostock erfasst: Verletzter Radfahrer will Schuldfrage klären
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:29 29.10.2019
Hannes Sanftleben (33) sucht nach einem Unfall Zeugen des Geschehens. Ein Autofahrer hatte ihn beim Abbiegen übersehen und ihn vom Fahrrad geholt. Quelle: Maria Baumgärtel
Anzeige
Rostock

So schnell konnte er gar nicht schauen und schon erwischte ihn das Auto von der Seite: Hannes Sanftleben (33) hatte Glück, als ihn am 11. September ein Autofahrer an der Deutschen Med in Rostock übersah. Wie sich das Geschehen dann allerdings entwickelte, ärgert den jungen Familienvater am meisten.

Sanftleben war gerade auf dem Weg von der Arbeit nach Hause – wie jeden Tag mit dem Fahrrad. Aus der Stadt kommend fuhr er Am Vögenteich auf dem Radweg entlang und wollte die Straße geradeaus überqueren. Der Autofahrer kam aus der entgegengesetzten Richtung und wollte rechts in die August-Bebel-Straße einbiegen.

„Es war circa um 17.15 Uhr, voller Berufsverkehr. Eigentlich finde ich die Kreuzung mit ihren getrennten Fuß- und Radwegen übersichtlich. An diesem Tag hatte ich wohl allerdings Pech“, erzählt der Rostocker. Der Autofahrer habe gewartet, bis alle Fußgänger und Radfahrer von rechts über die Straße waren. Nach links, von wo Sanftleben kam, blickte er jedoch nicht mehr, bevor er Gas gab. „Ich hatte keine Chance auszuweichen“, erinnert sich der junge Mann.

Keine Hilfe, keine Entschuldigung

Mit der linken Seite prallte der Familienvater auf den Asphalt. „Der Helm, den ich trage, seitdem ich Kinder habe, dämpfte zum Glück den Aufprall meines Kopfes“, erzählt er. In der Notaufnahme wurde später festgestellt, dass das Sprunggelenk und die Schulter kräftig geprellt waren. „Ich hatte viele Schutzengel“, betont Sanftleben.

Der Autofahrer wird durch den grünen Pfeil dargestellt, der Radfahrer durch den gelben. Das rote Kreuz markiert die Unfallstelle. Quelle: privat

Nach dem Zusammenprall sei er selbstständig aufgestanden und habe nur daran gedacht, schnell sein Fahrrad und die abgefallenen Einzelteile von der Straße zu räumen. Der Autofahrer hatte in der Zwischenzeit an der nahe gelegenen Bushaltestelle gehalten. „Von Hilfe seitens des Fahrers jedoch keine Spur“, empört sich der Rostocker.

Autofahrer gab Senftleben die Schuld

Und es kam noch dicker, wie der Familienvater berichtet: „Nicht nur, dass der Autofahrer kein Wort der Entschuldigung rausbrachte, er hat auch noch gemeint, ich habe den Fehler begangen.“ Nachdem die von Sanftleben gerufene Polizei die Personalien aufgenommen hatte, habe der vermeintliche Unfallverursacher gesagt: „Du weißt schon, dass du schuld bist, weil du bei Rot gefahren bist.“

Zudem habe er behauptet, der 33-Jährige sei auf dem Fußgängerweg gefahren. Das Gegenteil beweisen konnte er in diesem Moment nicht, doch er sei sich sicher, die Ampel habe Grün angezeigt – und auf dem Radweg sei er ohnehin gewesen.

Radfahrer müssen mehr geschützt werden

Nun sucht der geschädigte Fahrradfahrer nach Zeugen: „Mit dem Aushang an der Kreuzung habe ich es bereits versucht und auch über Social Media.“ Jemand, der bezeugen kann, wie die Ampel stand, hat sich bisher allerdings nicht gemeldet. „Der ganze Vorfall ist mittlerweile bei der Versicherung“, erzählt er.

Das Fahrrad von Hannes Sanftleben (33) wurde stark beschädigt, als er am 11. September von einem Auto angefahren wurde. Quelle: privat

Ob er überhaupt nur ansatzweise eine Entschädigung für den entstandenen Schaden bekommt, wage er zu bezweifeln. Unter anderem sind beide Räder und der Gepäckträger seines Fahrrads deformiert, der Getränkehalter sowie die Lampenhalterung sind gebrochen und der Lenker muss ausgetauscht werden. „Der Kostenvoranschlag beläuft sich auf 614,80 Euro. Das Fahrrad steht noch kaputt im Keller“, bedauert Sanftleben.

Bedauerlich findet er auch die Stellung von Fahrradfahrern in Rostock: „Wir werden doch eher als störend wahrgenommen, obwohl wir der Umwelt etwas Gutes tun und immer mehr Menschen Fahrrad fahren.“ Er ist der Meinung, Radfahrer müssen mehr geschützt werden: „In der Klinik waren zeitgleich mit mir drei weitere Personen, die einen Fahrradunfall mit Autobeteiligung hatten. Zufall?“

Nicht aufs Vorfahrtsrecht verlassen

In den vergangenen drei Jahren ereigneten sich jeweils 280 bis 330 Unfälle von Radfahrern in Rostock, an denen ein Kraftfahrzeug beteiligt war, wie Christopher Hahn, Sprecher der Polizeiinspektion Rostock, mitteilt. Die häufigsten Ursachen seien das Missachten von Vorfahrtszeichen, Fehler beim Einfahren in den fließenden Verkehr, die verbotene Benutzung einer Fahrbahn oder eines anderen Straßenteils und Fehler beim Abbiegen – wie im Fall Sanftlebens.

Hahn weist allerdings darauf hin, dass sich alle Verkehrsteilnehmer an die Regeln halten müssen: „Radfahrer müssen zum Beispiel den Radweg nutzen und das auch in der richtigen Fahrtrichtung. Auf dem Gehweg dürfen sie grundsätzlich nicht fahren – lediglich Kinder unter zehn Jahren.“

Insgesamt komme es jährlich zu 6000 bis 6200 Verkehrsunfällen in der Hansestadt. Einen Rat gibt der Polizeisprecher diesbezüglich noch mit auf den Weg: „Man sollte an Kreuzungen und Ähnlichem Blickkontakt mit den anderen Verkehrsteilnehmern halten und sich nie auf sein Vorfahrtsrecht verlassen.“

Lesen Sie auch:

Nun auch in Rostock: E-Rollerverleih soll im Frühjahr 2020 starten

Radweg in der Warnemünder Parkstraße wird erneuert

Rostocker Fußgänger fürchten um ihre Sicherheit

Warnemünde: Polizei sagt Geisterfahrern auf dem Radweg den Kampf an

Mehr zum Autor

Von Maria Baumgärtel

In Niex (Landkreis Rostock) betreibt Falknerin Martina Holert eine Pflegestation für verletzte und aufgefundene Nachtgreife. Junge Eulen werden von der Ehrenamtlerin artgerecht versorgt und danach wieder ausgewildert.

29.10.2019

Die ersten vier Thalasso-Kurwege in Warnemünde und Diedrichshagen wurden bereits im April eingeweiht. Ab sofort können Urlauber und Einheimische die Rundkurse mittels digitaler Unterstützung einer App erkunden.

29.10.2019

Ob kleine Geister oder Partymonster – Für Fans des Gruselfestes haben Veranstalter einiges in petto. Bei diesen Events spukt’s gewaltig

29.10.2019