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Rostock Grammow: Gutshaus spaltet das Dorf
Mecklenburg Rostock Grammow: Gutshaus spaltet das Dorf
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00:07 26.05.2018
Das Grammower Gutshaus ist in so schlechtem Zustand, dass die Gemeindevertretung nun an Abriss denkt. Quelle: Foto: Christina Milbrandt
Grammow

Das alte Gutshaus in Grammow ist eine imposante Erscheinung – zumindest auf den ersten Blick. Denn bei genauem Hinschauen offenbart sich ein ganz anderes Bild.

Das Dach hat massive Schäden, die Fassade ist in schlechtem Zustand, im Inneren ist das Haus von Schwamm befallen, es herrscht Einsturzgefahr. Die Gemeindevertretung will nun die Reißleine ziehen.

Ein jüngst gestellter Antrag auf Fördermittel für den Abriss des Gutshauses wurde bereits positiv beschieden. Bevor es aber ernst wird, wurden die Grammower zu einer Einwohnerversammlung geladen, damit sie ihre Meinung zu dem Thema äußern können.

Schon vor dem Treffen war klar: Nicht bei allen stößt der Vorstoß der Gemeindevertretung auf Verständnis. So machte ein Flugblatt die Runde, in dem – zunächst anonym – die Wichtigkeit des Erhalts des Gutshauses betont wurde. Bei der Versammlung offenbarte sich die Verfasserin schließlich: Gabriele Pflugmacher, seit 20 Jahren Grammowerin, möchte den Abriss des Gebäudes verhindern. Ihr Plan: die Gründung eines Fördervereins, der das alte Schloss bewahren soll. „Grammow darf seinen Dorfmittelpunkt nicht verlieren“, sagte Pflugmacher. Einige Unterstützer habe sie schon gewinnen können. Unter anderem jemanden, der die Schließung des Dachs bezahlen würde, sie selbst habe 700 Ziegel auf dem Hof, die dafür verwendet werden könnten. Nun hoffe sie, dass sich viele Einwohner dem Verein anschließen.

Doch bei vielen der knapp 50 Teilnehmer stießen ihre Pläne nicht auf Begeisterung. „Wir haben schon vor drei Jahren über das Haus diskutiert und seitdem ist nichts passiert“, meldete sich eine Grammowerin zu Wort. Auch für sie sei es schwer, doch letztlich müsse sich die Gemeinde endlich durchringen, etwas zu tun. Auch viele andere der Versammlungsteilnehmer gaben zu verstehen, dass sie an dem alten Haus hängen, in dem früher zahlreiche Betriebs- und Privatfeiern veranstaltet wurden. Ein Kindergarten, eine Kantine, die Dorfkneipe und auch die Gemeindeschwester waren alle einmal in dem Gebäude zu finden. Doch das ist lange her, und seitdem das Haus komplett leer steht, ist nichts passiert. Deshalb müsse sich die Gemeinde davon lösen, auch wenn es schwerfalle, waren sich zahlreiche Einwohner einig. Die desolate Situation des Gutshauses ist seit langem ein Problem. Bereits 2001 herrschte Einsturzgefahr, berichtete die Bürgermeisterin, die sich durch die alten Akten gearbeitet hatte. Zudem scheiterten sämtliche Bemühungen, das Gutshaus zu verkaufen, oft im letzten Moment. „Jetzt ist es vielleicht Zeit, sich über andere Dinge zu unterhalten“, so Inge-Lore Ehrlich.

Gabriele Pflugmacher, die sich auch Unterstützung von der Arbeitsgemeinschaft Erhaltung und Nutzung der Gutsanlagen in Mecklenburg-Vorpommern eingeladen hatte, waren diese Argumente nicht stichhaltig genug. Daran, dass es mit dem Verkauf bislang nicht klappte, seien ihrer Meinung nach die strengen Auflagen an die zukünftigen Besitzer schuld. Hintergrund: Die frühere Gemeindevertretung legte zum Beispiel fest, dass der Käufer Fassade und Fenster im Originalzustand wiederherstellen solle, zudem gab es zeitliche Vorgaben für die Maßnahmen. Mit solchen Forderungen würden Käufer verschreckt, sagte Pflugmacher. „Wir wissen doch alle, wie lange es dauert, ein altes Haus zu sanieren. Ich bitte euch deshalb, gebt uns Zeit und vertraut uns“, fügte sie hinzu.

Sollte das Haus wirklich abgerissen werden, soll an der Stelle allerdings kein Loch klaffen. Der Antrag auf die Fördermittel beinhaltete auch die Schaffung eines neuen Dorfmittelpunktes. So soll ein Mehrgenerationenplatz geschaffen werden, auf dem Kinder spielen und Feste gefeiert werden können. Auch das stieß auf Kritik von Gabriele Pflugmacher. Ihre Begleitung argumentierte, dass der Platz auch an einer anderen Stelle errichtet werden könne und dem Dorf nicht sein Zentrum geraubt werden müsse.

Eine Entscheidung wurde bei der Versammlung nicht gefällt. Die Gemeindevertreter setzen sich jetzt mit allen Meinungen auseinander, sagte die Bürgermeisterin im Anschluss. Ihr gebe zu denken, dass selbst die Alteingesessenen sich für den Abriss aussprachen. „Das wiegt für mich etwas schwerer.“ Wann der endgültige Beschluss gefällt wird, konnte Pflugmacher noch nicht sagen – „wahrscheinlich noch in diesem Jahr“.

Das Grammower Gutshaus

Das Gutshaus wurde 1872 gebaut. Seitdem gab es einen stetigen Wechsel in der Nutzung. Die jeweiligen Pächter bzw. Gutsbesitzer nahmen diverse bauliche Veränderungen daran vor. Nach 1945 war das Gutshaus Anlaufpunkt für Flüchtlinge. Später hat es sich zum Dorfmittelpunkt entwickelt. So gab es einen Festsaal, einen Kindergarten, eine Kneipe, Kinoveranstaltungen und auch die Gemeindeschwester war dort zu finden. Nach der Wende schliefen die Nutzungsarten nach und nach ein. Das Gutshaus steht seit knapp 20 Jahren leer.

Christina Milbrandt

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