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Rostock Grammower kämpfen weiter für verfallenes Gutshaus
Mecklenburg Rostock Grammower kämpfen weiter für verfallenes Gutshaus
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00:00 21.06.2018
Grammow

Das alte Gutshaus sorgt unter den Grammowern immer noch für Aufruhr. Erst vor einigen Wochen wurde über die Möglichkeit diskutiert, einen Förderverein zum Erhalt des Gebäudes zu gründen (die OZ berichtete). Das Dorf schien darüber gespalten. Seitdem hat sich einiges getan. So hat die Einwohnerin Gabriele Pflugmacher, Initiatorin hinter den Plänen zur Vereinsgründung, eine Unterschriftenaktion organisiert. Auf der Versammlung habe es zwar geteilte Meinungen über den Abriss gegeben, im Nachhinein habe man jedoch vermehrten Protest von Einwohnern wahrgenommen, erklärt Pflugmacher die Hintergründe der Petition.

Das Gutshaus in Grammow soll abgerissen werden. Ein Teil der Einwohner ist damit nicht einverstanden. Quelle: Foto: Christina Milbrandt

78 Grammower haben schließlich mit ihrer Unterschrift gegen den Abriss gestimmt. „Das sind abzüglich der etwa 23 Kinder mehr als 60 Prozent der Grammower“, betont Gabriele Pflugmacher, die noch vor der jüngsten Sitzung der Gemeindevertreter einen Antrag einreichte, die Diskussion um den Abriss des Gutshauses von der Tagesordnung zu streichen.

Dieser Vorstoß war am Ende nicht von Erfolg gekrönt, die Gemeindevertreter stimmten mehrheitlich gegen den Antrag und beschlossen ebenfalls mehrheitlich den Abriss des Gutshauses. Für die Maßnahme wurden bereits Fördermittel bewilligt, die bei einem Beschluss gegen den Abriss verfallen wären. „Und zwar endgültig“, wie Bürgermeisterin Inge-Lore Ehrlich immer wieder betonte.

Bei Gabriele Pflugmacher und ihren Mitstreitern herrscht großes Unverständnis über die Entscheidung der Gemeindevertretung. „Der Bürgerwille wurde schlicht ignoriert“, kritisiert die engagierte Grammowerin. Konkret missfällt ihr der Umgang mit der Petition, die von der Gemeindevertretung als nicht formgerecht eingestuft wurde. „Es sollte nur eine formlose Auflistung sein, um die Meinung der Einwohner zu ermitteln“, betont Pflugmacher. „Für eine Bestandsaufnahme oder Akzeptanz des Bürgerwillens hätte es jedem anderen Bürgermeister in so einem kleinen Dorf gereicht.“

Mit der Entscheidung der Gemeindevertreter wollen sich die Gutshaus-Aktivisten jedoch noch nicht abfinden. Pflugmacher: „Wir gehen jetzt weiter. Nehmen uns einen Anwalt für Verwaltungsrecht. Jetzt muss alles ganz genau vorbereitet werden, damit ein Bürgerbegehren doch noch durchgeht.“

Bürgermeisterin Ehrlich bleibt gelassen. „Es ist das Recht der Bürger. Wenn sie solche Schritte einleiten wollen, können sie das natürlich tun“, sagt sie. Ob mit rechtlichen Schritten in Sachen Gutshaus noch etwas erreicht werden kann, sei fraglich. Es sei schließlich ein demokratisch gefällter Beschluss der Gemeindevertretung, bekräftigt die Bürgermeisterin. Im Grunde gebe es daran nichts zu rütteln.

Endgültig fest steht der Abriss des historischen Gebäudes damit allerdings immer noch nicht. Denn es gibt noch einen Interessenten, der den Kauf des Gutshauses in Betracht zieht. „Er hat vorgeschlagen, zu einer Besichtigung in den Ort zu kommen“, berichtet Inge-Lore Ehrlich. Der Termin stehe noch nicht fest, solle aber noch im Sommer über die Bühne gehen. „Was dann folgt, hängt ganz von der Entwicklung der Ereignisse ab.“ Grund zur Vorsicht gegenüber Kaufinteressenten hat Ehrlich allemal. Schließlich haben sich in der Vergangenheit bereits mehrere potenzielle Investoren kurz vor einem vertraglichen Abschluss plötzlich wieder zurückgezogen.

Sollte der aktuelle Interessent ernsthafte Absichten haben, das Gutshaus langfristig zu erhalten, schließt die Bürgermeisterin den Verkauf nicht aus. Damit wäre dann auch der Abriss vom Tisch.

Warum soll das Gutshaus abgerissen werden?

Das Grammower Gutshaus, erbaut 1872, weist massive Schäden auf. Nicht nur das Dach, auch die Außenfassade ist in schlechtem Zustand. Im Inneren ist das Gebäude vom Schwamm befallen, zudem herrscht Einsturzgefahr. Letzteres wurde schon 2001 in einem Gutachten festgehalten. Sämtliche Bemühungen, das Gutshaus zu verkaufen, scheiterten. Einige interessierte Investoren zogen sich kurz vor Abschluss des Geschäftes davon zurück. Da sich bislang keine Lösung fand, das Haus zu erhalten, will die Gemeinde nun die Reißleine ziehen. Die Fördermittel für die Maßnahme sind bereits bewilligt worden.

Ein Teil der Grammower möchte mit der Gründung eines Fördervereins für den Erhalt des Gebäudes sorgen.

Christina Milbrandt

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