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Rostock Greenpeace will Parkplätze zu Treffpunkten machen
Mecklenburg Rostock Greenpeace will Parkplätze zu Treffpunkten machen
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13:30 26.05.2018
So könnten die „Parklets“ auch in Rostock aussehen: Die Idee stammt aus San Francisco in den USA.
So könnten die „Parklets“ auch in Rostock aussehen: Die Idee stammt aus San Francisco in den USA. Quelle: Mark Hogen / Wikipedia
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Rostock

Im Szene-Stadtteil KTV kommt es auf jede freie Fläche an. Denn Parkplätze für Autos sind knapp, die Suche nach einer freien Lücke gehört für viele Anwohner des Viertels zum abendlichen Ritual. Nun wollen die Umweltschützer der Rostocker Greenpeace-Gruppe den Autofahrern in der KTV sogar noch ein paar der knappen Parkplätze wegnehmen – zumindest während des Sommers und für einen „guten Zweck“. Denn mit einer besonderen Aktion will Greenpeace im Stadtteil für öffentliche Verkehrsmittel werben und gleichzeitig einen Platz zum Verweilen schaffen. Der Ortsbeirat ist begeistert, der Umweltsenator ebenfalls.

Grün statt Blech

„Die Blechlawinen sind leider in vielen Rostocker Stadtteilen der Normalzustand - auch in der KTV“, sagt Florian Becker, Sprecher von Greenpeace in der Hansestadt. „Wir wollen jetzt zeigen, dass es auch anders geht. Dass der Stadtteil anders aussehen könnte.“ Der Plan: An der Waldemarstraße will Greenpeace einige Stellflächen während der warmen Monate nun zu einem Treffpunkt für die Menschen im Kiez machen. „Wir wollen ein so genanntes Parklet aufbauen.“ Gemeint ist damit quasi eine Sitzecke für jedermann. Greenpeace will dort, wo sonst Autos stehen, Sitzmöbel aus Holz aufbauen – kleine Bänke, Tische, vielleicht auch Kästen mit bunten Sommerblumen. „Diese Fläche kann jeder Bewohner der KTV, jeder Rostocker nutzen.“ Denn öffentliche Grünanlagen seien rar in der KTV. Wer sich im Freien mit Freunden und Nachbarn treffen will, muss an den Stadthafen oder in eine der vielen Kneipen mit Biergarten oder Tischen vor der Tür gehen. „Unsere Idee ist ein Treffpunkt ohne Kommerz und Zwänge“, sagt Becker. Die Anwohner sollen dort die Sonne genießen können, sich unterhalten und erleben, wie schön ein Viertel ohne die vielen Autos sein könnte. „Natürlich hoffen wir darauf, dass manch Rostocker erkennt, dass Parkplätze eigentlich verschwendete Flächen sind. Laut Statistik stehen die Autos dort 23 Stunden am Tag ungenutzt rum.“ Die Kosten für das Projekt will Greenpeace selbst tragen: „Für die Gestaltung können wir uns auch Unterstützung durch Kunst-Studenten vorstellen.“

Idee stammt aus den USA

Die Idee zu den Parklets stamme, so Becker, aus der US-Metropole San Francisco. „In Deutschland gibt es Vergleichbares bislang nur in Berlin und Stuttgart.“ Im Ortsbeirat der KTV stieß die Idee auf ein klar positives Echo. Annette Niemeyer (Aufbruch 09), die Vorsitzende der Stadtteil-Vertretung, regte lediglich an, über den Standort nochmals nachzudenken. Denn ausgerechnet an der Waldemarstraße sei es schon jetzt sehr eng. „Die Doberaner Straße wäre dafür doch auch schön.“ Alexander Ludwig (Grüne) hingegen sprach klar für die Waldemarstraße aus: „Gerade weil es dort Probleme gibt, lässt sich dort auch am Besten zeigen, dass eine Veränderung möglich ist.“ Rückwind kommt nach dem Votum des Ortsbeirates auch von Verkehrs- und Umweltsenator Holger Matthäus (ebenfalls Grüne): „Bisher war der knappe Parkraum immer ein Argument gegen solche Ideen. Aber das Erleben von anderen Nutzungen kann zu einem Umdenken bei Anwohnern und Autofahrern führen.“

Andreas Meyer