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Rostock Greifswalder Mietnomadin zockt Rentner ab
Mecklenburg Rostock Greifswalder Mietnomadin zockt Rentner ab
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12:07 30.11.2019
Eberhard Drews aus Tessin hat in Greifswald seit Monaten Ärger mit einer Mietnomadin. Quelle: Benjamin Fischer
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Greifswald/Tessin

Am Anfang hatte er noch die Hoffnung, dass alles gut werden würde. Vielleicht waren es nur kurzfristige Zahlungsschwierigkeiten. Das würde sich schon geben. Die Kaution in Raten – in Ordnung, auch das. Inzwischen hat Eberhard Drews seine Hoffnungen fahren lassen. „Ich will diese Frau nur noch aus der Wohnung raushaben“, sagt der 70-Jährige.

Mieterin Michaela M. habe nach ihrem Einzug Mitte März dieses Jahres erst zweimal Miete bezahlt, die bei 500 Euro kalt und 600 Euro warm liegt. „Merkwürdigerweise immer in bar“, wundert sich Drews. Seit Juli hat er von der Altenpflegerin keinen Cent mehr gesehen. Der Mecklenburger ist an eine Mietnomadin geraten.

Ausfall beträgt 100 Prozent

Drews wollte selbst eigentlich nie Vermieter sein. Er lebt in Tessin (Landkreis Rostock) in einem Haus mit seiner 96-jährigen Mutter. Die Wohnung hat er von seiner Frau geerbt, als sie vor einigen Jahren starb. Ihrer Familie gehörte früher jahrzehntelang eine Seilerei in Greifswald. Die 60 Quadratmeter große Zweieinhalbzimmerwohnung, im von Plattenbauten geprägten Stadtteil Schönwalde, war als Absicherung fürs Alter gedacht.

Eberhard Drews hat selbst viele Jahre lang in der Seilerei der Familie seiner Frau mitgearbeitet. Die Seilerei Sembritzky ist ein Begriff in der Hansestadt. Dem Mann gehören nicht wie anderen Investoren gleich mehrere Immobilien, so dass ein Mietnomade die Kalkulation nicht gleich vollends aus dem Konzept bringen würde. Nein, Drews besitzt diese eine Wohnung, sein Ausfall beträgt mehr als 100 Prozent, weil Frau M. auch keine Betriebskosten zahle.

Kleine Immobilienbesitzer trifft es besonders hart

Vor ihrem Einzug hatte er die Wohnung noch einmal selbst renoviert und gemeinsam mit seinem Sohn neue Fußböden verlegt. Drews: „Man kümmert sich und wird so vor den Kopf gestoßen.“ Die Räumungsklage sei zwar angestoßen worden, aber bisher malen die Mühlen eher langsam. Zunächst hat das Gericht ihm über 700 Euro für die Gebühren der Räumungsklage in Rechnung gestellt. Ehe er die nicht auch noch überwiesen hat, unternimmt kein Richter etwas gegen das Verhalten von Frau M..

Die Wohnung, die Eberhard Drews an Mietnomadin Michaela M. vermietet hat, befindet sich in diesem Haus in der Kräpeliner Wende in Greifswald. Quelle: Stefan Sauer

Lutz Heinecke ist Präsident des Landesverbandes „Haus & Grund“ in Mecklenburg-Vorpommern und vertritt damit die Interessen von Wohnungseigentümern. Es sei ein Irrglaube, dass Eigentümer stets reiche Investoren seien, denen ganze Straßenzüge gehörten, sagt er.

„Gerade in Mecklenburg-Vorpommern ist das Gegenteil der Fall. Es gibt hier viele kleine Eigentümer, denen zur Absicherung im Alter ein oder zwei Wohnungen gehören. Sie leiden besonders, wenn sie sich einen Mietnomaden eingehandelt haben.“ Das Verhalten von Mietnomaden sei konjunkturabhängig. „Wenn es wirtschaftlich schlechter läuft, merken wir, dass dieses Phänomen zunimmt.“ Konkrete Zahlen gebe es aber nicht.

Mietnomadin M. droht der OZ: „Ich habe einen Anwalt“

Michaela M. blockt die Kontaktversuche, die Drews immer wieder unternimmt, seit Langem ab. Als er vor den Augen des OZ-Reporters versucht, sie anzurufen, ertönt nur die Abwesenheitsmelodie ihres Mobilfunkanbieters. Eine Tag später neuer Versuch aus der OZ-Redaktion: Dieses Mal nimmt ihre von der Stimme her erwachsen wirkende Tochter ab: „Mutti ist beim Arzt.“ Gegenfrage: „Wann wäre sie zu sprechen?“ Antwort: „Heute Abend.“ Reporter: „Gut, ich versuche es später noch einmal.“

Keine fünf Minuten danach ruft Frau M. plötzlich zurück. „Ich komme in die OSTSEE-ZEITUNG?“, fragt sie. Reporter: „Ja.“ M. droht: „Ich habe einen Anwalt.“ Reporter: „Wir auch. Was sagen Sie zu den Vorwürfen?“ Frau M.: „Ich werde demnächst aus der Wohnung ausziehen, aber die Miete bis dahin weiter bezahlen.“ Über offene Forderungen müssten sich aus ihrer Sicht die Anwälte beider Seiten einigen.

„Haus-&-Grund“-Präsident: „Zivilrechtliche Klärung dauert“

Eberhard Drews hat die Lust an der Vermietung inzwischen verloren. „Ich verkaufe die Wohnung, wenn ich sie eines Tages zurückbekomme“, sagt er resigniert und hofft, dass sie dann nicht völlig verwüstet ist. „Haus & Grund“-Präsident Heinecke sagt: „Das kommt leider häufiger vor. Oft müssen Eigentümer noch die Kosten für Entrümpelung und Renovierung tragen.“

Und er betont, dass gegen Mietnomaden am Anfang wenig auszurichten sei. „Die ersten ein bis zwei Mieten werden gezahlt, um sich nicht dem Vorwurf des Mietbetruges auszusetzen.“ Dies wäre eine Straftat. Wird die Miete erst im Anschluss aus welchen Gründen auch immer nicht mehr gezahlt, sei das anders. „Dann wird die Sache zivilrechtlich geklärt und das dauert“, kritisiert Heinecke. Je nachdem, welche Kammer an den Gerichten entscheide, nehme die Durchsetzung einer Räumungsklage zwischen sechs Monaten und einem Jahr in Anspruch.

Michaela M. soll in Greifswald, was ihre Zahlungsmoral betrifft, kein unbeschriebenes Blatt sein. Die Stadtverwaltung teilte Drews bereits mit, dass sie zunächst Forderungen von fast 8000 Euro bei ihr eintreibe, ehe er mit seinen Außenständen zum Zug komme. Drews: „Vor einiger Zeit habe ich mit ihrem Nachbarn gesprochen. Der wollte mir die Geschichte nicht glauben.“

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Von Benjamin Fischer

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