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Rostock Größter Hafenkran der Welt: Rostocks neuer Riese
Mecklenburg Rostock Größter Hafenkran der Welt: Rostocks neuer Riese
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05:31 25.06.2019
Das höchste Bauwerk im Rostocker Seehafen ist fertig: Der neue Riesenkran von Liebherr überragt sogar den Kühlturm des Steinkohlekraftwerks (links). Quelle: Liebherr
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Rostock

Der 117 Meter hohe Turm der Petrikirche, das 77 Meter hohe Wiro-Hochhaus in der Innenstadt und selbst der 141 Meter hohe Kühlturm des Steinkohlekraftwerks: Im Vergleich zum neuen Riesen in Rostock sind diese Bauwerke „Zwerge“. In wenigen Wochen wird an der Kai-Kante des größten deutschen Ostseehafens der neue Schwerlastkran von Liebherr in Betrieb gehen – und dieser Kran sucht weltweit Seinesgleichen.

Leistungsstärkster Hafenkran der Welt

Schon vom dänischen Gedser aus soll der neue Gigant bei gutem Wetter zu sehen sein. Wenn sein Ausleger voll aufgerichtet wird, erreicht er eine Höhe von 164 Metern. Bis zu 1600 Tonnen soll der Kran heben können – das entspricht drei vollbetankten Airbus A380 oder auch 1000 VW Golf. Der TCC 78000 – so die Liebherr-interne Bezeichnung für den Riesenkran – kann Lasten bis in einhundert Meter Höhe hieven, sagt Dieter Schmidt. Er ist der Sprecher von Liebherr-MCCtec in Rostock. „Der TCC 78000 ist definitiv einer der leistungsstärksten Hafenkräne der Welt.“ Liebherr in der Hansestadt ist spezialisiert auf den Bau von Hafen-, Schiffs-, Offshorekränen sowie Greifstaplern für Schiffscontainer und nahm 2005 die Produktion im Seehafen auf. 1500 Menschen arbeiten mittlerweile für Liebherr in Rostock.

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Boom auf dem Meer

Und das Geschäft boomt. In alle Welt verkaufen der Rostocker ihre Produkte. Vor allem auf hoher See sind die Maschinen made in MV gefragt: Nicht nur vor Rügen oder dem Darß, sondern weltweit entstehen mehr und mehr Windräder im Meer. Für die Installation der Anlagen und der Umspannplattformen benötigt die Energiebranche völlig neue Kräne, die von Schiffen aus die schweren Lasten hieven und installieren können. Seit 2016 hat Liebherr dafür einen echten Kraftprotz im Portfolio: Der HLC 295000 kann 3000 Tonnen heben, kleinere Lasten sogar bis zu 170 Meter hoch. Der belgische Wasserbaukonzern Deme lässt gerade in China ein neues Offshore-Spezialschiff bauen, welches mit dem Riesen aus Rostock ausgerüstet werden soll – die „Orion“. Doch bevor der Kran Windräder bewegt, muss er erstmal selbst vom Rostocker Werksgelände auf das Schiff bewegt werden. „Für solche Prozesse benötigen wir unseren Riesen-Kran im Seehafen“, sagt Schmidt.

612 Pfähle tragen den Riesen

„Einen Kran dieser Dimension hier in Rostock zu errichten, ist für alle Mitarbeiter etwas Besonderes“, sagt auch Liebherr-Prüfstandsmeister Benjamin Rattfann. Normalerweise sind die Installateure des Kran-Herstellers weltweit und seltener in der Heimat im Einsatz. Zum Gewicht des neuen Giganten am Kai macht Liebherr keine Angaben. Aber: Der Kran ist so schwer, dass die Kai-Anlagen selbst verstärkt werden mussten. Und: Weil der TCC 78000 mobil sein soll, wurden vier Gleisstränge im Hafen verlegt, auf denen er sich bewegen kann. Die Spurweite beträgt 30 Meter. Um die Last zu tragen, wurden insgesamt 612 Bohrpfähle fast 23 Meter tief ins Erdreich getrieben. Allein die Ertüchtigung zum Schwerlastkai hat sechs Millionen Euro gekostet. Bezahlt hat die der städtische Hafenbetreiber Rostock Port. 90 Prozent der Kosten übernahm das Land.

Auch andere sollen Kran nutzen

Denn Liebherr will den Kran nicht nur für sein eigenes Werk nutzen. Firmen-Sprecher Schmidt: „Der Kran ist für schwere Lasten jeder Art ausgelegt.“ Im Klartext: Alle Nutzer des Hafens sollen bei Bedarf auf den neuen Riesen zurückgreifen können. „Er bietet nicht nur uns völlig neue Perspektiven.“ Genau darauf hoffen auch Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) und Hafen-Geschäftsführer Gernot Tesch: Auch über den Rostocker Hafen werden immer schwerere Güter verschifft. „Der Kran kann aber auch ein Ansiedlungsgrund für Unternehmen sein“, so Tesch. Firmen, die große Waren produzieren und exportieren, würden in Rostock nun bald ideale logistische Voraussetzungen vorfinden.

Bis der Kran in Betrieb geht, wird es noch dauern: „Die Tragseile sind eingezogen, derzeit installieren wir die Elektronik“, so Dieter Schmidt. Im August soll der Gigant dann erstmals zeigen, was in ihm steckt.

Andreas Meyer

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