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Rostock Grüne fordern Pendler-Parkplätze an A 20 zwischen Wismar und Rostock
Mecklenburg Rostock Grüne fordern Pendler-Parkplätze an A 20 zwischen Wismar und Rostock
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19:33 06.12.2019
Verkehr auf der Autobahn 20 zwischen Anschlussstelle Rostock-Südstadt (Blickrichtung) und Warnowtalbrücke. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Güstrow

Die Zahl der Pendler in Mecklenburg wächst – und damit auch der Verkehr. Um die Städte zu entlasten, fordern die Grünen Pendler-Parkplätze mit Bus-Anbindungen entlang der Autobahn 20 zwischen Wismar und Rostock. Vorbild ist Schweden. „Den Skandinaviern ist es bereits gelungen, entlang der Autobahnen Pendlerparkplätze einzurichten, die in überschaubaren Teilabschnitten von Bussen des öffentlichen Nahverkehrs angefahren werden“, sagt Steffen Marklein, der für die Grünen im Kreistag des Landkreises Rostock sitzt.

Rostocks Umwelt- und Bausenator Holger Matthäus (Grüne) spricht von einem völlig neuen Ansatz. „Das war mir bisher nicht bekannt und ist äußerst interessant“, so Matthäus. Die Autobahn auch als eine öffentliche Verkehrsstraße zu entwickeln, habe einen gewissen Charme. Für den ländlichen Raum sei das eine gute Möglichkeit. „Wir lassen gerade mit großer Beteiligung der Öffentlichkeit einen neuen Nahverkehrsplan für die Hansestadt und den Landkreis erarbeiten. Hier sollten wir die Idee mit aufnehmen und gemeinsam diskutieren“, sagt Matthäus.

MV Werften haben bereits Pendler-Parkplatz eingerichtet

Hier könnten aus Sicht der Grünen Pendlerparkplätze an der A 20 entstehen. Quelle: Benjamin Barz

Auch Stefan Sprunk, Sprecher der MV Werften, reagiert positiv: „Das ist eine interessante Idee, deren Praxistauglichkeit man testen sollte.“ Die MV Werften haben gerade selbst einen Pendler-Parkplatz am Wismarer Bürgerpark eingerichtet. Grund: In der Werft wird das nach Passagierzahl größte Kreuzfahrtschiff der Welt gebaut – und die Mitarbeiterzahl steigt stetig. Mit einem Shuttle-Bus zwischen Park und Werft soll nun der Verkehr in der Stadt entlastet werden. Außerdem gibt es bei der Werft nicht genügend Parkplätze.

Wie aus dem Pendler-Atlas der Arbeitsagentur hervorgeht, pendeln täglich 22 061 Menschen aus dem Landkreis Rostock und 1102 Menschen aus dem Landkreis Nordwestmecklenburg in die Hansestadt Rostock zur Arbeit. „Umgekehrt pendeln 11 960 Menschen von der Hansestadt Rostock zur Arbeit in den Landkreis Rostock“, sagt Steffen Marklein von den Grünen. In den Landkreis Nordwestmecklenburg seien es immerhin noch 707 Menschen. „Eine zufriedenstellende Abdeckung dieses Bedarfs wird kaum ohne einen hohen individuellen Anteil, sprich Nutzung eigener Fahrzeuge, möglich sein“, so der Kommunalpolitiker.

Öffentliche Busspuren könnten genutzt werden

Marklein rechnet weiter vor, dass auf der Autobahn 20 täglich rund 31 500 Autos bei Wismar und 37 940 bei Rostock unterwegs seien. „Hier wäre es sinnvoll, eine entsprechende Anzahl an Pendlerparkplätzen einzurichten“, so der Grüne. Über eine Busanbindung des öffentlichen Nahverkehrs könnte eine vereinfachte Zufahrt in die Innenstädte ermöglicht – und die Zentren vom Individualverkehr entlastet werden.

„Im innerstädtischen Bereich könnten die Busse oder auch andere Fahrzeuge des öffentlichen Nahverkehrs Busspuren oder vorhandene Straßenbahntrassen befahren, um so einen staufreien Transport in die Städte zu ermöglichen“, sagt Marklein. Sowohl aus ökonomischer als auch ökologischer Sicht wäre ein regelmäßiger Pendelverkehr der Busse mit kurzen Taktzeiten wünschenswert, so der Grüne weiter.

Parkplätze möglichst kostenfrei

So sehen die Pendlerparkplätze in Schweden aus. Quelle: Google Streetview

Die Parkplätze sollten möglichst kostenfrei zur Verfügung gestellt werden, und bei ihrer Standortwahl sei auf eine gute Erreichbarkeit aus dem sogenannten nachgeordneten Netz zu achten. „Dies eröffnet vielen Anwohnern im ländlichen Raum die Möglichkeit, die Haltepunkte der Busse mit dem Fahrrad zu erreichen“, sagt Marklein. Auch sollten die Busfahrpreise attraktiv für die Pendler sein.

Der Kreistag im Landkreis Rostock will den Vorschlag nun in seinen Ausschüssen diskutieren, ehe eine Entscheidung gefällt wird. Die Pendler-Parkplätze müssten in Kooperation mit den umliegenden Städten Rostock und Wismar und dem angrenzenden Landkreis Nordwestmecklenburg etabliert werden, heißt es im Konzept der Grünen.

Pendlerin würde lieber Bahn fahren

Kerstin Baldauf findet eine Pendler-Alternative an der Autobahn generell gut. „Aber die Taktung müsste so gestaltet sein, dass man nicht stundenlang auf den nächsten Bus warten muss.“ Sie lebt in Rostock und arbeitet als Pressesprecherin für die Hochschule Wismar. Mit einer anderen Rostockerin hat sie eine Zeit lang versucht, gemeinsam zwischen den beiden Städten zu pendeln – als Fahrgemeinschaft mit dem Auto. Doch der Test ist schnell gescheitert. „Weil unsere Arbeitstage nicht immer zur selben Uhrzeit begonnen und geendet haben“, erklärt Baldauf. Komplett durchplanen könne sie ihre Arbeitstage im Vorfeld nicht. Manchmal passiere etwas Unerwartetes oder es gibt spontane Termine am Abend.

Viel lieber als mit dem Bus würde Baldauf jedoch mit der Bahn fahren. Züge zwischen Rostock und Wismar könne sie zwar nutzen. Aber die würden zu langsam unterwegs sein. „Mit der derzeitigen Bahnverbindung vertrödelt man einfach zu viel Zeit – von meinem Zuhause bis zum Arbeitsplatz wäre ich fast drei Stunden lang unterwegs“, erzählt sie. Ausprobiert habe sie das bereits.

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