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Rostock Handels-Chef aus MV zur Black Week: „Rabatte sind völliger Irrsinn“
Mecklenburg Rostock Handels-Chef aus MV zur Black Week: „Rabatte sind völliger Irrsinn“
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20:16 28.11.2019
Zu Aktionstagen wie Black Friday oder Cyber Monday locken viele Händler in MV mit Rabatten. Quelle: Lucas Bäuml/dpa
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Rostock

Ob „Black Friday“ oder „Cyber Monday“ – seit Montag läuft auch im Einzelhandel in MV wieder die alljährliche Rabattschlacht im November. Ursprünglich aus Amerika stammend, haben an diesen Tagen mittlerweile auch deutsche Schnäppchenjäger die Chance auf Preisnachlässe. Der Kaufrausch herrscht längst nicht mehr nur auf Knopfdruck im Internet, sondern hat auch die Innenstädte erobert.

„Dabei sind Rabatt-Tage zu dieser Zeit eigentlich völlig widersinnig“, sagt Kay-Uwe Teetz vom Handelsverband Nord. „Gerade jetzt vor Weihnachten, wo klar ist, dass viel gekauft wird, schreit es eigentlich danach, keine Rabatte zu geben“, so der Experte. Durch die Wettbewerbssituation mit dem Internet wären die Händler in den Städten aber quasi im Zwang, mitzuziehen und den Rotstift anzusetzen. „Dabei verdienen deren Angestellten in so einer Black Week auch nicht 20 Prozent weniger, sondern normal weiter“, sagt Teetz.

Kay-Uwe Teetz vom Einzelhandelsverband Nord. Quelle: Marco Ehrhardt

Beratung als Pluspunkt für die Kunden

Die Chance für den stationären Handel läge darin, die Kunden durch Rabatte erst einmal überhaupt wieder in die Läden zu locken, wo sie dann schlendern und stöbern könnten. „Ein Pluspunkt ist auch der Service. Kunden sind ja nicht beratungsresistent und greifen dann vielleicht zu einem etwas teureren Produkt, bevor sie ein billiges kaufen und sich dann vielleicht darüber ärgern“, so Teetz.

Von Tagen wie „Black Friday“ oder „Cyber Monday“ könnten so am Ende beide Seiten profitieren – die Händler durch den Umsatz und die Kunden durch die Preisnachlässe. „Außerdem ist das jetzt der Start des Weihnachtsgeschäfts, quasi ein Weckruf kurz vor dem Advent, wenn die Läden noch nicht ganz so überlaufen sind wie an den kommenden Wochenenden, aber die Wunschzettel schon vorliegen“, weiß der Experte.

OZ-Schnäppchencheck: Genaues Hinsehen lohnt sich

Die OSTSEE-ZEITUNG hat in dieser Woche selbst den Schnäppchencheck gemacht. Reporterin Gina Henning war in der Rostocker Innenstadt unterwegs und hat sich umgeschaut, wie günstig verschiedene Artikel dort zu finden sind. Dabei verglich sie die Preise aus dem stationären Handel über eine Internet-Vergleichssuche mit den jeweiligen Online-Preisen – aus der Black Week und aus dem Monat davor.

Hier gehts zum Schnäppchen-Check in der Bildergalerie:

Die OZ hat in dieser Woche selbst den Schnäppchencheck gemacht. Reporterin Gina Henning war in der Rostocker Innenstadt unterwegs und hat sich umgeschaut, wie günstig verschiedene Artikel dort zu finden sind. Zum Vergleich wurden die Preise aus dem stationären Handel über ein Internet-Portal mit den Online-Preisen verglichen. Hier die Ergebnisse.

Das Ergebnis fällt unterschiedlich aus: „Während elektronische Geräte wie der Tolino E-Book-Reader und das Samsung Tablet online genauso teuer sind wie bei den Rostocker Einzelhändlern, gibt es die Sportschuhe und die Damen-Schlittschuhe dagegen im Internet für bis zu zehn Euro günstiger“, so Gina Henning. Den größten Unterschied entdeckte sie bei einer Küchenmaschine der Marke KitchenAid, die online 100 Euro günstiger ist als beim Fachhändler in der City.

Grundsätzlich kommt Gina Hennig zu dem Schluss, dass viele Produkte in der Black-Friday-Woche tatsächlich günstig zu haben sind – es gab jedoch auch schon im Oktober die Möglichkeit, ein Schnäppchen zu machen.

OZ-Umfrage: Kann man am Black Friday wirklich sparen?

OZ-Mitarbeiterin Gina Henning auf Schnäppchenjagd in Rostock zum Black Friday. Quelle: Dietmar Lilienthal

Preisvergleich statt Spontankauf

Generell raten Verbraucherschützer, sich nicht von der Werbung zu Spontankäufen verleiten zu lassen. „Wenn man ein kostspieliges Weihnachtsgeschenk ins Auge gefasst hat, dann sollte man immer in Ruhe vorher einen Preisvergleich machen – und das über mindestens zwei verschiedene Preissuchmaschinen“, sagt Wiebke Cornelius von der Verbraucherzentrale MV.

Rabatte von 50 Prozent und mehr sollten Kunden stutzig werden lassen. „Oft nehmen die Händler dann als Grundpreis, den der unverbindlichen Preisempfehlung. Der wird aber sowieso fast nie verlangt“, weiß die Expertin. Preisnachlässe von zehn bis 20 Prozent seien dagegen möglich; „aber nicht nur in der Black Week, sondern auch immer wieder über das Jahr verteilt“. Was sich Kunden außerdem bewusst machen sollten: „Kein Händler wird ein Produkt anbieten, an dem er nichts verdient“, so Cornelius.

Konkurrenz mit Reise- und Eventanbietern

Für die Händler beginnt mit den Rabatt-Tagen im November das Weihnachtsgeschäft. Laut der Tendenz von Branchenbarometern dürfte das auch wieder gut ausfallen: „Konsumlaune und Ausgabeverhalten deuten darauf hin, dass es okay wird“, sagt Kay-Uwe Teetz vom Handelsverband Nord. Problematisch für die Innenstadtläden sei bei den Geschenken nur die Konkurrenz mit Reise- und Eventanbietern: „Wenn sich jemand nun mal Konzertkarten wünscht, nützt ihnen als Herrenausstatter der schönste Pullover nix.“

Kombination aus Internet und Innenstadt

Der Blick auf die größte Einkaufsmeile des Landes stimmt auch Rostocks Citymanager Peter Magdanz optimistisch: „Nach der ersten Woche mit Weihnachtsmarkt war die Resonanz der Kunden nicht so schlecht“, sagt er. Dass Rabatt-Tage wie „Black Friday“ und „Cyber Monday“ den Umsatz merklich erhöhen, glaubt Magdanz nicht. „Es gibt ja auch das ganze Jahr über immer wieder Rabattwochen oder Schlussverkaufsaktionen“, sagt er.

Was die Zuwächse der Online-Händler angeht, glaubt Rostocks Citymanager daran, dass diese endlich wären. „Irgendwann werden auch die Internetanbieter die Transportkosten auf die Kunden umlegen müssen und dann sind auch Rücksendungen beispielsweise nicht mehr umsonst“, sagt er. Besser wäre die heute schon zum Teil praktizierte Kombination von stationärem und Internethandel. „Dann kann Ware, die online bestellt wurde, im Geschäft probiert und dort auch wieder retouniert werden“, so Magdanz.

Rabattschlacht mit amerikanischem Ursprung

Der „Black Friday“ ist eine amerikanische Tradition. In den USA findet der Schnäppchentag immer am Freitag nach dem Erntedankfest Thanksgiving statt. Ein offizieller Feiertag ist er nicht, wird aber von vielen Amerikanern als Brückentag genutzt, was ihnen Zeit zum Einkaufen schenkt. Händler bieten ihre Ware dann deutlich reduziert an, was dazu führt, dass teilweise lange Schlangen vor den Läden stehen und es zu tumultartigen Szenen kommt. In manchen Geschäften beginnt der Verkauf am „Black Friday“ sogar schon ab Mitternacht. Für den amerikanischen Einzelhandel ist es der umsatzstärkste Tag des Jahres. In Deutschland führte die Firma Apple den Tag erstmals 2006 ein. Viele andere Händler sprangen auf und machten den Tag auch hierzulande bekannter – in den Anfangsjahren aber fast ausschließlich online.

Entgegen der Annahme hat der „Black Friday“ nichts mit dem im Deutschland bekannten schwarzen Freitag zu tun, der sich auf den New Yorker Börsencrash von 1929 bezieht. Der Begriff „Black Friday“ tauchte in den USA erstmals in den 60er-Jahren auf und beschrieb die Menschenmengen, die nach Thanksgiving wie eine „schwarze Masse“ durch die Straßen zogen. Eine weitere Erklärung besagt, dass der Begriff die schwarzen Zahlen beschreibt, die viele Händler an diesem Tag aufgrund des großen Umsatzes schreiben.

Weil der Wahnsinn rund um den „Black Friday“ auch Konsumkritiker auf den Plan ruft, gibt es seit 1992 einen Konkurrenztag, an dem sich mittlerweile mehr als 60 Länder weltweit beteiligen: Der „Buy nothing“ oder „Kauf nix“-Tag soll zum Nachdenken über Nachhaltigkeit anregen.

Der Begriff „Cyber Monday“ hat ebenfalls amerikanischen Ursprung und bezeichnet den Start des Weihnachtsgeschäftes durch Online-Händler. Er findet immer am Montag nach Thanksgiving statt.

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Von Claudia Labude-Gericke

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