Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Hansa: Wie glaubwürdig ist Elgeti?
Mecklenburg Rostock Hansa: Wie glaubwürdig ist Elgeti?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
04:55 22.10.2015
Hansa-Investor Rolf Elgeti (38) Quelle: Dietmar Lilienthal
Anzeige
Rostock

Wie aus dem Nichts tauchte Rolf Elgeti vor fünf Monaten auf. Als strahlender Retter des FC Hansa ließ sich der Immobilienmanager auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 10. Mai im Ostseestadion feiern. Ein aus der Region stammender Investor mit Millionen und Hansa-Herz – die Mitglieder des Traditionsvereins waren begeistert und stimmten den Ausgliederungsplänen Elgetis und des damaligen Klubchefs Michael Dahlmann mit überwältigender Mehrheit zu.

Zehn Tage vor der nächsten Mitgliederversammlung am 1. November sehen viele den smarten Wahl-Potsdamer mittlerweile kritisch, denn Elgeti ist im erbitterten Gezerre um Macht, Ämter und Geld augenscheinlich eine zentrale Figur. Wie glaubwürdig ist der Mann, der sich als Retter inszeniert und am übernächsten Sonntag in den Aufsichtsrat des Drittligisten wählen lassen will?

Anzeige

„Für mich geht es um die Heimat“, sagte der Sohn eines Kartoffelbauern aus Broderstorf bei Rostock, als er sich im Mai den Hansa-Mitgliedern vorstellte. Und versprach: „Ich will nicht in den Aufsichtsrat und nicht in den Vorstand. Ich bin nicht an einer Einmischung in den Verein interessiert.“ Was damals niemand ahnte: Elgeti mischte sich schnell ein – über seinen willfährigen Partner im Vorstand: Michael Dahlmann, der von Elgeti anscheinend wie eine Marionette geführt wurde.

Neben Elgeti zogen auch führende Fanszene-Köpfe kräftig mit an den Fäden: Roman Päsler, Sebastian Eggert (kandidiert für den Aufsichtsrat) und Sebastian Janz. Der 2. Vorsitzende der „Fanszene Rostock“ wurde in diesem Jahr von Dahlmann in der Medienabteilung des Klubs fest angestellt.

Elgeti stritt intensive Kontakte mit den Ultras zunächst ab. „Naja, meine Dauerkarte ist auf der West und nicht auf der Süd, aber ich habe mich in der Tat in diesem Jahr schon zwei Mal mit Vertretern der Fanszene getroffen“, antwortete der 38-Jährige am 30. September auf eine entsprechende OZ-Anfrage. Tatsächlich pflegte Elgeti einen regen Austausch mit Päsler, Eggert und Janz, wie interne Mails belegen. Erst als er damit konfrontiert wurde, erinnerte sich Elgeti offenbar: „Ich stehe in recht intensivem Austausch mit vielen relevanten Parteien des Vereins.“ Dazu gehöre „selbstverständlich auch die Fanszene“.

Mit seinem Versprechen an die Mitglieder, sich nicht einzumischen, nahm Elgeti es ebenfalls nicht so genau. Ziemlich ungalant versuchte er, den Aufsichtsratsvorsitzenden Harald Ahrens aus dem Amt zu drängen. „Ich tippe gleich meine Antwort an die ,Bild’(-Zeitung/d. Red.). Würde Ihnen das wirklich gerne ersparen. Treten Sie zurück, ja oder nein?“, heißt es in einer SMS vom 25. September von Elgeti an Ahrens. Der 63-jährige Unternehmer lehnte einen Rücktritt ab und versuchte zu schlichten: „Vielleicht sollten alle mal eine Nacht drüber schlafen und uns dann noch mal telefonisch verständigen.“

Ahrens, der massiv verbal bedroht wurde, gab schließlich am 6. Oktober den Aufsichtsratsvorsitz ab. Das Unter-Druck-setzen hat offenbar Methode. Eine Mitarbeiterin spricht gegenüber der OZ von einem „Klima der Angst“, das bei Hansa herrsche: Man fühle sich „wie in einer Sekte“.

Die „Mitgliedschafts-Affäre“stellte Elgetis Glaubwürdigkeit noch stärker infrage. „Laut telefonischer Auskunft beim Verein vom heutigen Tage (19.10./ d. Red.) seit dem 1.6.2005“, beantwortete Elgeti eine OZ-Anfrage nach seiner Vereinszugehörigkeit. Dies war allerdings das von Dahlmann manipulierte Eintrittsdatum. Darauf hingewiesen, meinte Elgeti am selben Tag: „Wenn ich schätzen müsste, hätte ich vermutet, dass ich seit etwa 2008 oder 2009 Vereinsmitglied bin, bin mir da aber nicht sicher.“

Einen Tag später schrieb er in einem Hansa-Fanforum: „Ich bin seit 18.5.2010 Mitglied. Genau wie gestern geschrieben, ging es mir wie vielen: Am Morgen nach dem Abstieg habe ich mir gesagt: jetzt erst recht und habe meinen Antrag abgeschickt.“ Am 17. Mai 2010 war Hansa nach den Relegationsspielen gegen Ingolstadt erstmals in die 3. Liga abgestiegen. Ein eigentlich unvergesslicher, sehr emotionaler Tag in der Klubhistorie, der Hansa-Fan Elgeti offenbar kurzfristig entfallen war.

Ebenfalls nichts mehr wissen will das einstige Börsen-„Wunderkind“ von seinem Versprechen an die Mitglieder, keine Ämter bei Hansa anzustreben: Am übernächsten Sonntag kandidiert der Investor für den Aufsichtsrat. Das Versprechen sei „ein dämlicher Fehler“ gewesen, sagt Elgeti heute.



OZ