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Rostock Harald Terpe will wieder den Arztkittel anziehen
Mecklenburg Rostock Harald Terpe will wieder den Arztkittel anziehen
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00:00 08.09.2017
Der Kreisvorsitzende von Bündnis 90/Grüne, Johann-Georg Jaeger (l.), und Fraktionschef Uwe Flachsmeyer (r.) bedanken sich bei Harald Terpe für die Arbeit, die er in den zwölf Jahren im Bundestag geleistet hat. Quelle: Foto: Thomas Niebuhr
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Die Fahrten im Zug nach Berlin, die Sitzungen der Ausschüsse und die Debatten im Bundestag, das alles ist für Harald Terpe nun Vergangenheit. Zwölf Jahre saß der Rostocker Mediziner für Bündnis 90/Die Grünen im Parlament. Jetzt tritt er nicht mehr an, und noch denkt der 63-Jährige über die eigene Zukunft nach. Gestern gab es erst einmal die Verabschiedung und lobende Dankesworte beim Sommerfest seiner Partei.

Harald Terpe gehört zu den mehr als 80 Abgeordneten, die nicht erneut für den Bundestag kandidieren. Zur eigenen Zukunft gebe es „grundsätzliche Überlegungen, was möglich ist“, erzählt Terpe. Ein vorzeitiger Ruhestand sei jedoch keine Option. Ernsthaft denkt der sechsfache Vater sogar über eine Rückkehr in den alten Beruf nach. Bis 2005 war Harald Terpe Oberarzt in der Pathologie der Uni-Klinik. „Das wäre eine Abrundung der beruflichen Laufbahn.“ Allerdings weiß er schon, dass ein Wiedereinstieg nicht so einfach sei, beschäftigte er sich doch zwölf Jahre lang eher theoretisch mit dem Thema Gesundheit.

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Es sei schon gut, dass er als nun ehemaliger Bundestagsabgeordneter für zwölf Monate ein Übergangsgeld bekommt und er sich auf die Rückkehr in den Beruf vorbereiten könne. „Es war 2005 für alle überraschend, dass ich in den Bundestag gewählt wurde“, erinnert sich der gebürtige Greifswalder. Noch nie hatte vorher ein Grüner aus Mecklenburg-Vorpommern einen Sitz im Bundestag gewonnen, 2009 und 2013 schaffte er über die Landesliste wieder den Sprung nach Berlin.

Dass ihn der Weg einmal dorthin führt, ahnte er 1989 als junger Arzt noch nicht. Als Aktiver im Neuen Forum engagierte er sich mit anderen, um die Vernichtung von Stasi-Akten in Rostock zu verhindern. Terpe freute sich, dass gestern mit Dietlind Glüer, Christine Lucyga und Axel Peters, der extra aus Italien anreiste, drei Begleiter dieser Tage zum Fest an der Warnow kamen. „Damals waren wir eine Suchbewegung. Das Neue Forum war keine Gruppierung, wo die Ziele klar waren.“ Harald Terpe landete beim Bündnis 90, später bei Bündnis 90/Die Grünen. Viele Jahre saß der Mediziner in der Bürgerschaft, wollte sogar Oberbürgermeister werden.

Das mit dem Bundestag war jedenfalls nicht geplant. Als Arzt war schnell klar, dass sich Harald Terpe in Berlin um die Gesundheitspolitik kümmern würde. Er wurde Obmann im Gesundheitsausschuss und Sprecher für Drogen- und Suchtpolitik der grünen Bundestagsfraktion. Eine seiner wichtigsten Erfahrungen: „Auch als Oppositionspolitiker kann man Gesetze durchbringen.“ Er erinnert sich gern, wie das eigene Gesetz zur Behandlung von Heroinabhängigen durchging, wie er als Mitinitiator den Schutz vorm Passivrauchen gesetzlich stärken konnte. Eines seiner großen Themen war die Freigabe von Cannabis für medizinische Zwecke, was Anfang 2017 auch geschah. Gern hätte er jetzt am Ende noch die Zerstrittenheit in der großen Koalition genutzt, um mit der SPD sein Cannabis-Kontrollgesetz durchzubringen. Doch da hätten sich die Grünen verzockt, gesteht er. Als Gesundheitspolitiker stand für ihn Rostock nicht direkt im Vordergrund. „Es besteht immer der Glaube, für die Heimat das Beste rauszuholen. Wichtig ist aber, dass man der Heimat nicht in den Rücken fällt.“ So war es klar, dass er sich mit anderen aus dem Land – auch aus anderen Parteien – gegen die Fehmarn- Belt-Querung engagiert. „Die würde Rostock schaden“, sagt Terpe. Glücklich ist er, mit Kollegen die Ertüchtigung der Bahnstrecke Rostock-Berlin erreicht zu haben. Er würde sich wünschen, dass die Grünen aus Mecklenburg-Vorpommern auch im nächsten Bundestag vertreten sind. Das hänge aber auch davon ab, wie die Grünen am Ende bundesweit abschneiden.

Dreimal in den Bundestag gewählt

12 Jahre war Harald Terpe Abgeordneter im Bundestag. Als erster Politiker

der Grünen aus Mecklenburg-Vorpommern

wurde er 2005 ins Parlament gewählt, 2009 und 2013 schaffte er

jeweils erneut über die Landesliste den Sprung nach Berlin. Der Mediziner Terpe engagierte sich vor allem in der Gesundheitpolitik, war Obmann im Ausschuss für Gesundheit und Sprecher für Drogen- und Suchtpolitik der grünen Bundestagsfraktion. Terpe, 1954 in Greifwald geboren, engagierte sich bereits 1989 politisch. Als Mitglied des Neuen Forums gehörte er zu den Aktiven bei der Besetzung der Rostocker Stasi-Zentrale. Von 1990 bis 1994 war Terpe für die Wählergemeinschaft Bündnis 90 Mitglied der Bürgerschaft. Von 1999 bis 2015 engagierte sich der Arzt wieder in der Rostocker Kommunalpolitik, trat 2002 sogar als Oberbürgermeister- Kandidat seiner Partei an. Harald Terpe ist

verheiratet und Vater von sechs Kindern.

Thomas Niebuhr

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