Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Havarie: Ist Rostocks Hafen-Einfahrt noch breit genug?
Mecklenburg Rostock Havarie: Ist Rostocks Hafen-Einfahrt noch breit genug?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:33 17.01.2019
Direkt vor den Molenköpfen war die „Bore Bank“ am frühen Donnerstagmorgen auf Grund gelaufen. Quelle: Stefan Tretropp
Anzeige
Rostock

Und plötzlich ging nichts mehr im Seekanal: Fast zwei Stunden lang war Rostocks Hafen am Donnerstagmorgen abgeriegelt. Kein Schiff kam mehr rein, keines mehr raus. Und Schuld daran war die „Bore Bank“: Die RoRo-Fähre der Reederei Transfennica war vor Warnemünde auf Grund gelaufen. Mitten in der Hafen-Zufahrt. Eine Havarie, die Fragen aufwirft – auch zu den Molenköpfen. Ist Rostocks Tor zur Welt noch breit genug?

Ruderausfall war Auslöser

Das Unglück der „Bore Bank“ ereignet sich nach Angaben der Wasserschutzpolizei beim Einlaufen, gegen 4.30 Uhr am Morgen. „Der Kapitän meldete der Verkehrszentrale in Warnemünde einen Ausfall der Ruderanlage“, so Robert Stahlberg, Sprecher der Wasserschutzpolizei MV. Kurze Zeit später lief die Fähre dann 300 Meter vor dem Seebad auf Grund: Das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) in Stralsund spricht von einem „Festkommen am Grund“, südlich der Tonne 18 im Seekanal. Gut eine Stunde versuchten Crew und Lotse das Schiff aus eigener Kraft zu befreien. Vergebens. Die „Bore Bank“, die einmal pro Woche aus Finnland kommend Rostock anläuft, musste Hilfe anfordern. „Um 6.58 Uhr waren die Schlepper ,Fairplay VI’ und ,Bugsier 16’ fest und begannen mit dem Freischleppen“, schildert WSA-Sprecher Dirk Berger die Geschehnisse. Doch auch das reicht nicht, ein dritter Schlepper musste her. Das Mehrzweckschiff „Arkona“ und der Notschlepper „Baltic“ wurden ebenfalls angefordert, mussten aber nicht eingreifen.

Bilder von der Frachter-Havarie vor Rostock-Warnemünde

Erst gegen 8 Uhr am Morgen konnte die „Bore Bank“ dann mit Schlepper-Hilfe am Liegeplatz 60 im Seehafen festmachen. „Es gab keine Verletzten, keine Gewässerverunreinigung und es kam auch zu keinem Wassereinbruch“, so Berger. Die Grundberührung hatte für die Fähre aber dennoch ein „Auslaufverbot“ zur Folge: Erst wenn eine Klassifikationsgesellschaft die Fähre eingehend untersucht hat, darf sie wieder in See stechen. Die Ermittlungen der Wasserschutzpolizei konzentrieren sich indes voll auf die Ruderanlage: „Das Schiff ist bereits seit einigen Jahren im Einsatz. Wie bei jedem Auto gibt es auch auf Schiffen Verschleiß. Das könnte ein Grund für den Ausfall gewesen sein“, erklärt Stahlberg. Wohlgemerkt: Sicher sei das aber nicht. Auch die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchungen soll in den Fall eingeschaltet werden.

Einfahrt zu schmal?

Das Unglück wirft aber noch weitere Fragen auf – zum Beispiel nach der Beschaffenheit des Fahrwassers. War die Zufahrt nach den schweren Stürmen der vergangenen Wochen versandet und lief das Schiff deshalb so schnell auf Grund? „Nein“, heißt es dazu aus dem Wasser- und Schifffahrtsamt. „Aktuell sind uns keine Einschränkungen in Breite und Tiefe des Seekanals in Höhe der Moleneinfahrt bekannt“, sagt WSA-Sprecher Berger. Die Bundesbehörde sei permanent mit Unterhaltungsarbeiten in dem Bereich beschäftigt. „Wir haben ständig Sedimentverschiebungen an unserer Küste.“ Und außerdem: In der Regel wird der lose Sand im Wasser westlich der eigentlichen Zufahrt in einer so genannten „Sandfalle“ aufgefangen.

Weil die Schiffe auch auf der Ostsee immer größer werden, hat die Bundesregierung bereits vor Jahren eine Vertiefung des Seekanals von bisher 14,5 Meter auf künftig 16,5 Meter beschlossen. Nur so bleibe der Seehafen auch für große Tanker und Frachter erreichbar. Mehr als 110 Millionen Euro soll das Vorhaben kosten. Der Baustart ist für 2020, spätestens 2021 geplant. Dabei geht es aber allein um die Tiefe.

Der Kreuzschifffahrt bereitet hingegen die Breite der Moleneinfahrt zunehmend Probleme: Gerade mal 120 Meter ist der Seekanal am Grund breit, zwischen den Molenfeuern liegen nur 250 Meter Luftlinie. Zu wenig für die neuen, großen Kreuzfahrtschiffe mit mehr als 300 Metern Länge. Sie können bei stärkeren Winden Warnemünde nicht anlaufen. „Im Moment kommen wir mit der Breite der Moleneinfahrt noch klar“, sagt Marco Meerbach, 2. Ältermann der Lotsenbrüderschaft Wismar-Rostock-Stralsund. „Aber schöner wäre es, wir hätten mehr Platz. Breiter wäre besser.“ Auch Gernot Tesch, Geschäftsführer des Hafenbetreibers Rostock Port, sieht das so: „Es wäre auch in unserem Interesse, wenn die Hafeneinfahrt eines Tages verbreitert werden würde“, sagt er. Die „Enge“ im Bereich der Mole sei ein Wettbewerbsnachteil im Kreuzfahrtgeschäft. „Denn auch die Kreuzfahrtschiffe werden immer größer.“ Doch: Die Vertiefung habe Priorität. „Wenn der Seekanal ausgebaut ist, sollten wir aber mit Überlegungen hinsichtlich der Molen beginnen“, so Tesch.

Mehr zum Thema:

Frachter läuft vor Rostock auf Grund

Andreas Meyer und Stefan Tretropp

Rostock Landschulmuseum in Göldenitz - Türen geschlossen – Personal arbeitslos

Das Landschulmuseum Göldenitz ist dicht. Dabei hatte der Kreistag noch zum Jahresende 2018 Zuschüsse beschlossen, der Förderverein wollte als Träger agieren. Doch die Fronten sind verhärtet.

17.01.2019
Kultur Ausstellung mit Diekmann, Döpfner und Friede Springer - Bild bittet in der Kunsthalle auf die Couch

Das Rostocker Museum zeigt Ausstellung „bildRaum“ mit Promi-Fotos der Bild-Zeitung als polarisierende Schau mit großem Bahnhof.

17.01.2019

Das neue Album „Kirschenzeit“ der Berliner Band steht für Aufbruch und Mut in unsicheren Zeiten. Am 30. Januar geben die 17 Hippies ein Konzert im Rostocker Mau-Club.

17.01.2019