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Rostock Mecklenburgs Polo-König lässt Pferde über Merkels G8-Rasen preschen
Mecklenburg Rostock Mecklenburgs Polo-König lässt Pferde über Merkels G8-Rasen preschen
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19:32 25.07.2019
Internationales Polo-Turnier am Strand von Warnemünde (Archiv) Quelle: Ove Arscholl
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Heiligendamm

 Das Meer glitzert azurblau. Spaziergänger flanieren über die Seebrücke, die wie ein Finger auf den schier unendlichen Horizont zeigt. Vis-à-vis zur Promenade setzt die Mittagssonne das makellose Weiß des Gourmet-Restaurants „Friedrich Franz“ in Szene. Auf der Terrasse sitzt Matthias Ludwig, nippt am Café Crème und lässt den Blick über das Panorama schweifen. „Ist es nicht traumhaft schön hier?“

Architektur wie bei Königs, dazu Kaiserwetter – die Szenerie in Deutschlands erstem Ostseebad Heiligendamm ist wie gemacht für ein Spiel, dessen Name an britische Royals, an gut behütete Damen und Champagner aus Magnumflaschen denken lässt: Polo gilt als „Sport der Könige“. Vom Elitenimage will Matthias Ludwig nichts wissen. Man müsse nicht dem Hause Windsor angehören, um vom Pferderücken aus einen Ball ins gegnerische Tor zu treiben oder dabei mitzufiebern. „Polo ist ein Event für alle.“

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Galerie: Mecklenburgs neues Polo-Turnier

Mecklenburgs neues Polo-Turnier

Galopp auf G-8-Grün

Den Beweis will der Unternehmer mit seinem neuesten Coup antreten: den „Arena Polo Masters Grand Hotel Heiligendamm by Polar Twist“. Was sperrig klingt, ist leicht erklärt. Vom 13. bis 15. September lässt Matthias Ludwig dort, wo jetzt noch Urlaubskinder Fußball spielen, Polopferde dahinpreschen. „Ein geschichtsträchtiges Ereignis. Die Bilder werden um die Welt gehen“, sagt der Geschäftsmann begeistert.

Das Fleckchen Grün erregte schon einmal weltweites Interesse: 2007 nahm Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Staats- und Regierungschefs der G-8-Staaten vor der Kurhauskulisse in einem XL-Strandkorb Platz.

Ostsee lockt Players an

International ist die Besetzung der Polo-Masters ebenfalls: Acht Teams aus Japan, Tschechien der Schweiz und Deutschland haben sich angemeldet. Für die Players ist das Turnier fast so etwas wie ein Heimspiel. Viele von ihnen jagten schon im Mai an der Ostsee dem Polo-Ball hinterher. Bei den „Polar Twist Beach Polo World Masters“ in Warnemünde. Ausrichter: Matthias Ludwig. Acht Jahre in Folge hat er das Event am Strand unterhalb des Teepotts bereits organisiert.

Den Titel „Mecklenburgs Polo-König“ dürfte sich Ludwig damit wohl erspielt haben. Dabei entflammte der gebürtige Leipziger eher zufällig für den rasantesten Mannschaftssport der Welt. 2010 beschließt er zusammen mit seiner damaligen Frau, Hauptsponsor eines Beach-Polo-Cups auf Usedom zu werden.

Fasziniert von Pferden

Warum hat er sein Geld ausgerechnet in eine Randsportart gesteckt und nicht etwa in Fußball? „Weil ich das Besondere liebe“, sagt Ludwig, „Polo kannte ich damals nicht und es hat mich gleich fasziniert.“ Allein schon die Pferde – manche teurer als ein Einfamilienhaus – lassen ihn schwärmen. „Sie sind so elegant.“

Mit Mondänem kennt sich der Dressman aus. In Kühlungsborn und Warnemünde betreibt Matthias Ludwig Boutiquen, kleidet Kunden mit klassischer Sportmode ein. „Bei mir gibt’s auch Polo-Shirts“, scherzt er.

Modemann und Macher

Bevor Ludwig in Mode machte, führte er auf Rügen ein Unternehmen, das Riesen-Wasserrutschen betrieb. Nah am Wasser gebaut war auch sein erstes eigenes Polo-Spielfeld: Im Oktober 2010, nur drei Monate nach besagtem Turnier auf Usedom, feierte Ludwigs Cup an der Selliner Seebrücke Premiere. „Ich bin einer, der nicht lang quatscht, sondern macht“, erklärt Ludwig. Er hat aufs richtige Pferd gesetzt: 15 000 Zuschauer zog das Event damals an.

Als Publikumsmagnet etabliert hat sich auch das Polo-Masters in Warnemünde. „Seit zwei Jahren machen wir kein Minus mehr“, sagt Matthias Ludwig. Um Profit gehe es ihm aber ohnehin nicht, jedenfalls nicht vorrangig. „Klar, bin ich Vollblut-Unternehmer. Aber manchmal ist ein Schulterklopfen mehr wert als ein paar Euros.“

Solchen Zuspruch bekomme er in Warnemünde reichlich. „Die Masters sind ein absoluter Wirtschaftsfaktor und locken Klientel mit Geld an. Die Hoteliers, Gastronomen und Einzelhändler bedanken sich bei mir dafür“, sagt Ludwig stolz.

Eismaschinen-Spezialist als Hauptsponsor

Die Polar Twist-Gruppe gibt ihm mehr als Worte. Das Unternehmen mit Sitz bei Berlin stattet Europas Cafés und Restaurants mit Eismaschinen aus und buttert ordentlich Geld in Ludwigs Polo-Turniere. Auch in die Premiere in Heiligendamm. „Zum Glück“, sagt Ludwig, „Sponsoren fallen nicht vom Himmel.“

Königssport auf noblem Grund

Die „Arena Polo Masters Grand Hotel Heiligendamm by Polar Twist“ finden vom 13. bis zum 15. September jeweils von 13 bis 18 Uhr vor der Kulisse des Grand Hotels Heiligendamm statt. Acht Teams mit je zwei Spielern treten gegeneinander an. Die Mannschaften kommen aus Deutschland, Japan, Tschechien und der Schweiz.

Alle Infos unter: www.polo-riviera-deutschland.com

Dass Ludwigs Arena-Polo ausgerechnet im prestigeträchtigen Grand Hotel stattfindet, ist übrigens kein Zufall. Die Idee dazu wurde nach dem jüngsten Warnemünde-Cup geboren, auf ebenjener Terrasse, auf der Ludwig an diesem Julimorgen seinen Café Crème genießt. „hier hab ich mit den Reitern beim Frühstück das Turnier ausklingen lassen.“

Perfekte Bedingungen für Arena-Polo

Dabei fiel ihr Blick auf die Wiese vor dem Restaurant. Gut gestutztes Grün auf 60 mal 30 Metern – „perfekt für Arena-Polo“, urteilte Ludwig, zückte sein Smartphone und schrieb dem Grand-Hotel-Eigner Paul Morzynski eine Nachricht. Der hatte nur eine Frage: „Wo willst du die Pferde unterbringen?“ Ludwig fand eine Lösung. Knapp 200 Meter vom Hotel entfernt stellt Heiligendamm-Investor Anno August Jagdfeld eine Fläche für die Tiere zur Verfügung.

Während die kaum einer Vorbereitung bedarf, muss der Arena-Rasen gewalzt, gewässert und mit Werbebanden begrenzt werden, bevor die Polo-Pferde darauf galoppieren können. Der Rest der Infrastruktur sei dagegen schon optimal, sagt Matthias Ludwig. Dem Team des Grand Hotel sei Dank. „Vom Concierge bis zur Bardame haben hier alle Bock auf das Event.“

Polo-Planer spielt nicht mit

Schwingt sich der Polo-König auch selbst in den Sattel? Matthias Ludwig lacht. „Ich kann zwar reiten und auch einen Stick halten. Aber für ein echtes Turnier reicht’s nicht.“ Als Mitspieler könnte er sich auch nicht auf seine Aufgabe konzentrieren. „Ich will als Veranstalter zu hundert Prozent einen guten Job machen.“ Die Arbeitseinstellung erhofft er sich auch von Petrus. „An schlechtes Wetter will ich nicht denken.“

Just in diesem Augenblick taucht die Mittagssonne hinter ein paar Wolken ab. Im Nieselregen schlendert Matthias Ludwig von seinem Terrassenplatz auf die Wiese. Er kann es kaum erwarten, dass über Merkels G-8-Rasen endlich Pferde hinwegpreschen.

Heiß auf den Turnier-Start

Sein Blick geht gen Strand. Mecklenburgs Ostseeküste ist lang. Wie sieht’s aus mit weiteren Polo-Plätzen? „Ich will es bei den Events in Heiligendamm und Warnemünde belassen.“ Damit bereite er seinem Steuerberater schon genug graue Haare. „Er fragt mich immer, wie lange ich mir das Hobby noch leisten will“, sagt Matthias Ludwig und lacht. Doch wie könnte der Polo-König vom Pferdesport lassen? „Ich brenne einfach dafür.“

Was Sie über Polo wissen sollten

Beim klassischen Polostehen sich zwei Mannschaften mit je vier Reitern (Verteidiger, Vorstopper, Stürmer und Spielmacher) gegenüber. Beim Snow-, Beach- und Arenapolo bestehen die Teams meist aus zwei oder drei Spielern. Ziel des Spiels ist es, einen Ball vom Pferd aus mit Schlägern so oft wie möglich ins gegnerische Tor zu treiben.

Chukkas (auch Chukker) sind die Zeitabschnitte, in die die gesamte Spielzeit unterteilt ist. Sie dauern effektiv je siebeneinhalb Minuten. Bei Fouls wird die Zeit gestoppt. In Europa werden in der Regel vier Chukkas gespielt, international sind es sechs oder acht.

Jedes Spiel wird von zwei berittenen Schiedsrichtern verfolgt, die es im Falle eines Fouls durch einen lauten Pfiff unterbrechen. Sollten sich die beiden mal nicht einig sein, entscheidet der „dritte Mann“ am Spielfeldrand.

Der Schläger wird auch Stick genannt und darf vom Spieler nur in der rechten Hand geführt werden. Das gilt auch für Linkshänder.

Das Polo-Shirt hat seinen Ursprung, anders als man aufgrund des Namens meinen könnte, nicht im Polosport. Der aus Piqué gefertigte Klassiker der Sportbekleidung hatte seinen ersten Auftritt in den 1930er Jahren beim Tennis.

Polo geht auf einen Sport mittelasiatischer Völkerstämme zurück. In Persien, dem heutigen Afghanistan und dem Iran soll es bereits um 600 vor Christie Geburt gespielt worden sein. In der Spätantike begeisterten sich die Römer für das Spiel. Englische Kolonialherren brachten den Sport in den 1860er Jahren aus Indien in ihre Heimat mit. Von England aus verbreitete sich Polo nach Argentinien und in die USA.

Polo ist ein rasanter Sport.Damit sich dabei weder Mensch noch Tier verletzt, tragen die Reiter Helm und Knieschoner, den Pferden wird der Schweif mit Bandagen hochgebunden.

Antje Bernstein

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