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Rostock Heiß begehrt, schwer zu kriegen: Darum ist die kalte Dusche in Rostock nicht wirklich kalt
Mecklenburg Rostock Heiß begehrt, schwer zu kriegen: Darum ist die kalte Dusche in Rostock nicht wirklich kalt
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18:51 28.06.2019
Im Hochsommer heiß begehrt: die kalte Dusche. Quelle: Lars Zahner
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Rostock

Mit Temperaturen wie im Hochsommer hat uns der Juni eingeheizt. Auch an diesem Wochenende soll es heiß werden. Der Juli startet dagegen zwar eher kühl. Doch die nächste Hitzewelle kommt bestimmt. Wer dann den ganzen Tag bei der Arbeit oder in einer schwülen Nacht schwitzen muss, will anschließend meist nur eines: unter die kalte Dusche springen. Warum die manchmal gar nicht so eiskalt ist und ob uns Wasserengpässe drohen, fragt die OZ diejenigen, die es wissen müssen – unsere Wasserversorger.

Rostock kratzt am Rekord

Kaum etwas ist an heißen Tagen so begehrt wie Trinkwasser. Wie sehr, lässt sich am Verbrauch ablesen. Am 25. Juni, als Rostock bei Temperaturen jenseits der 30 Grad Celsius nach Erfrischung lechzte, sei so viel Wasser ins Netz eingespeist worden wie an noch keinem anderen Tag in diesem Jahr, sagt Bettina Kalnins, Sprecherin von Nordwasser. 42 836 Kubikmeter flossen durch die Leitungen zu den Haushalten. Zum Vergleich: An einem Durchschnittstag sind es rund 33 000 Kubikmeter.

Der Rekord aus dem vergangenen Jahr ist allerdings noch ungebrochen: Am 1. Juni 2018 zapften die von Nordwasser belieferten Haushalte mehr als 45,5 Millionen Liter ab.

Heiße Phase für Wasserwerk Kühlung

Die Qualität des Wassers im Wasserwerk Kühlung wird monatlich überprüft. Michael Knitter nimmt Proben. Quelle: Cora Meyer

7500 Kubikmeter an einem Tag pumpte das Wasserwerk Kühlung in Hinter Bollhagen zuletzt in die Leitungen. Noch Luft zu den Spitzenwerten des Hitzesommers 2018. Damals seien an einem Julitag 9000 Kubikmeter gefördert worden, sagt Ilona Seelmann, Mitarbeiterin beim Zweckverband Kühlung. Dieser versorgt mit zehn Wasserwerken 61 000 Einwohner in 145 Ortschaften mit Wasser – gut die Hälfte davon von Hinter Bollerhagen aus.

Urlaubssaison ist Herausforderung

Mit den vergangenen Tagen sei der Wasserverbrauch spürbar angestiegen, sagt Seelmann. „Und die Ferien fangen jetzt erst an.“ Im Sommer zieht es Zehntausende Urlauber in die Region. „Eine große Herausforderung für uns“, sagt Seelmann. Die Sorge, dass Wasser knapp werde, ist aber wohl unbegründet. „Die Versorgung ist gesichert.“ Selbst im Rekordsommer 2018 habe es keine Engpässe gegeben.

Andere müssen dagegen derzeit schon knapsen: Wegen der Trockenperiode ruft zum Beispiel Hannover seine Einwohner schon zum Wassersparen auf und untersagt Rasensprengen, Autowäsche und Planschbeckenfüllen.

Warnow sorgt für Nachschub

Rostocker könnten dagegen auch bei Dauerdürre soviel Wasser aus der Leitung fließen lassen, wie sie möchten. Für ausreichend Nachschub sorge die Warnow, deren Wasser im Wasserwerk Rostock aufbereitet wird, sagt Bettina Kalnins. Das sei für Spitzenverbräuche ausgelegt. Weil sich die Warnow auf inzwischen 25 Grad erwärmt hat, müssen die Wasserwerker die Aufbereitung anpassen, damit die Trinkwasserqualität stimmt. An besonders heißen Tagen wird es mit bis zu 25 Prozent mehr Sauerstoffeintrag als üblich aufbereitet.

Rostocker sind Wassersparer

Durchschnittlich 93 Liter verbrauchen die Rostocker pro Kopf und Tag. Der Großteil davon geht für Baden, Duschen und Körperpflege (36%) drauf, gefolgt von der Toilettenspülung (27%). Der Wassergebrauch für Essen und Trinken bildet mit vier Prozent bzw. fünf Litern den kleinsten Posten. Im Bundesvergleich zählen Rostocker zu den Wassersparer. Der Durchschnittsdeutsche verbraucht 127 Liter pro Tag.

„Kalte“ Dusche ist lauwarm

An der Temperatur ändert das nichts: Das Wasser fließt momentan mit etwa 23 Grad aus Hähnen und Duschköpfen. „So warm wie die Warnow ist, ist in etwa auch unser Trinkwasser“, sagt Bettina Kalnins. Wie kalt die Dusche ausfällt, sei auch davon abhängig, wie weit entfernt man vom Wasserwerk wohnt. Je länger die Strecke, die das Wasser in unterirdischen Leitungen zum Haushalt fließt, desto mehr wird es abgekühlt.

Der Zweckverband Kühlung, der sich ausschließlich am Grundwasser bedient, speist dieses nach der Aufbereitung mit neun bis elf Grad Celsius in die Leitungen ein. Dennoch könne die Temperatur des Kaltwassers etwas höher sein, wenn es aus der Brause prasselt, sagt Ilona Seelmann. Entscheidend sei, wie lange es zuvor in der Leitung stand.

Falscher Frischekick

Eiskaltes Abbrausen ist aber ohnehin eher kontraproduktiv. Es bewirkt das Gegenteil dessen, was beabsichtigt war: Der Körper wirft die Heizung an, um dem Kälteschock entgegenzuwirken. Die Blutgefäße ziehen sich zusammen, der Kreislauf wird angeregt und man schwitzt noch mehr. Effektiver ist es, mit lauwarmen Wasser zu duschen. Landet die Rohrperle als Durstlöscher im Wasserglas, sollte sie aus gleichem Grund nicht kälter als die Körpertemperatur sein.

Heiß auf Sprudel

Durstlöscher Mineralwasser Quelle: dpa

Ebenso heiß wie auf Trinkwasser aus dem Hahn sind Verbraucher auf Wasser in Flaschen. Mineralwasser findet derzeit reißenden Absatz, sagt Axel Heidebrecht, Chef der Fachmarktkette Getränkeland. „Da ist ordentlich Druck auf dem Kessel und wir haben alle Hände voll zu tun, den Wünschen unserer Kunden, was Menge und Vielfalt betrifft, gerecht zu werden.“ An einem heißen Sommertag werde doppelt so viel Wasser verkauft wie an einem Wintertag.

Logistik am Limit

Die Hitze lässt den Umsatz sprudeln, stellt Heidebrecht aber vor logistische Herausforderungen. Damit die Frischwasserquelle nicht versiegt und Hersteller Nachschub produzieren, müssen Händler wie er den Abfüllern das entsprechende Leergut liefern. Dafür müssen zunächst massenweise Pfandflaschen sortiert werden.

Hitzeschlacht mit leeren Flaschen

Bei der Kavelstorfer Dienstleistungs- und Service GmbH (Kadise), die den Job eigens für Getränkeland übernimmt, gehen derzeit pro Tag 500 Paletten á 40 Kästen Leergut ein, sagt Heidebrecht. Weil Verbraucher aber häufig verschiedene Getränkemarken in einem Kasten zurückgeben, kämen die Kadise-Mitarbeiter ganz schön ins Schwitzen.

Gratis Trinkwasser

Wer statt Mineral- lieber Leitungswasser trinkt, bekommt das bundesweit und kostenlos an den Stationen von „Refill Deutschland“. Bei der Aktion werden Firmen, Cafés und Supermärkte zu Anlaufstellen für Durstige und füllen gratis deren mitgebrachte Trinkflaschen wieder auf. Alle Stationen zeigt die interaktive Karte unter www.refill-deutschland.de.

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Antje Bernstein

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