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Rostock Motorrad-Ausfahrt mit krebskranken Jungen aus Tessin
Mecklenburg Rostock Motorrad-Ausfahrt mit krebskranken Jungen aus Tessin
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11:39 30.04.2019
Cedric Malepse (17) aus Tessin ist todkrank, er leidet an Krebs und die Familie möchte ihm noch letzte Wünsche erfüllen. Marco Paepcke (r.) ist über 1000 Kilometer gefahren, um eine alte Simson für den 17-Jährigen zu holen. Mutter Karina Paepcke (m.) freut sich, dass Cedric nun noch schrauben kann. Quelle: Doris Deutsch
Tessin

Eine Simson S51, ein DDR-Kult-Moped aus den 1980er Jahren, wird in der Tessiner Gildelandstraße abgeladen. Cedric Malepse strahlt. „Das ist jetzt meins?“ Der 17-Jährige schaut fragend in die Runde. „Ja. Freust du dich?“ Mutter Karina Paepcke nimmt ihren Großen in den Arm und drückt ihn. Sie weiß nicht, wie lange noch.

Cedric ist todkrank. Dickdarmkrebs haben die Ärzte im August vergangenen Jahres bei ihm diagnostiziert. Dabei sollte es doch eigentlich nur eine Blinddarmentzündung sein. Der Tumor hat im ganzen Bauchraum gestreut. Cedric hat Schmerzen, oftmals „keinen guten Tag“, wie er sagt. Aber der Junge kämpft. Acht Chemotherapien hat er schon überstanden. „Das war heftig“, erzählt er.

Zurück nach Tessin

Vor einem Monat ist die Familie umgezogen. Von Brandenburg nach Tessin. Cedric und seine Geschwister Iven (11) und Greta (2), Mama und ihr Lebensgefährte Dirk Weinreich. Karina Paepcke stammt aus Tessin, der Liebe wegen ist sie 1997 nach Brandenburg gegangen. Nach der Scheidung blieb sie zunächst mit den Kindern dort. „Aber wir haben in der zweiten Etage gewohnt, was für Cedric immer beschwerlicher wurde“, erzählt Karina Paepcke, die ihren Mädchennamen wieder angenommen hat. Zusammen hätten sie entschieden, zurück nach Tessin zu gehen.

Sie ziehen in das Haus der Großmutter, die vor zwei Jahren gestorben ist. Ein Haus, das um 1900 gebaut wurde, klein und verwinkelt. „Viel Arbeit“, sagt Karina Paepcke, „aber die Familie ist da und hilft uns so rührend.“ Schritt für Schritt soll das Haus umgebaut werden, zuerst alle Annehmlichkeiten für Cedric. Eine Rampe für den Rollstuhl, ein kleiner Wintergarten, in dem er bald wenigstens vom Bett aus in den Himmel schauen kann.

Spenden für Cedric

Sein früherer KlassenlehrerSebastian Ebell hat an Cedrics ehemaligen Wohnort eine Spendenaktion initiiert, um dem Jungen, der mit seiner Familie inzwischen in den Heimatort seiner Mutter, nach Tessin, gezogen ist, noch Wünsche erfüllen zu können:

Kontoverbindung: Stichwort „Cedric“, Konto der Berufsorientierten Schule Kirchmöser bei der Sparkasse, IBAN: DE88 1605 00003615 0005 00 

Motorradausfahrt der MZ-Freunde Rostock am Sonntag, 5. Mai, 11 Uhr ab Gildelandstraße in Tessin, Richtung Graal-Müritz.

„Elektronikfachangestellter wollte ich werden“

Sein Zimmer wurde als erstes hergerichtet, frisch gestrichen, helle Gardinen, ein neues Bett, moderne Schränke und ein Schreibtisch. Möglich war das dank einer Spendenaktion, die „Cedis“ früherer Klassenlehrer, Sebastian Ebell, ins Leben gerufen hat. Der Schüler hatte gerade die 10. Klasse beendet. „Elektronikfachangestellter wollte ich werden“, erzählt Cedric, der eine Ausbildung an der Berufsorientierten Schule in Kirchmöser beginnen wollte. „Aber dann ist es passiert.“ Die Spendenaktion läuft weiter, der Kontakt zu seinen Mitschülern auch. Gerade haben ihn zwei Freunde besucht. „In den Sommerferien fahre ich sie besuchen“, sagt der Junge voller Hoffnung.

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Seine Mutter blickt auf den Boden, wischt tapfer die Tränen weg. Die 43-Jährige ist Krankenschwester, weiß um die Unerbittlichkeit des Tumors. Seit der Diagnose ist sie krank geschrieben, pflegt ihren Sohn und möchte ihm noch möglichst viele Wünsche und Träume erfüllen. Das Moped zum Beispiel. Es hat Cedrics Vater gehört. „Ich kenne das schon, seit ich ganz klein war“, erzählt der 17-Jährige. Nun habe er es geschenkt bekommen.

1200 Kilometer für ein strahlendes Gesicht

„Den Führerschein will ich noch in diesem Jahr machen“, erklärt Cedric, die Krankheit völlig verdrängend. „Nun kannst du erstmal auf dem Hof ein bisschen schrauben“, beschwichtigt Marco Paepcke (30). Er ist ein Cousin, wohnt in Boizenburg und hat zusammen mit seinem Vater, Holger Paepcke aus Langsdorf, auf einem Fahrzeuganhänger das Moped aus Brandenburg geholt. 1200 Kilometer waren die Männer unterwegs, für ein strahlendes Gesicht von Cedric. Überraschung gelungen.

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„Das ist in diesen Tagen einfach das einzig Wichtige“, sagt Onkel Holger. Der leidgeprüften Familie unter die Arme greifen und dem kranken Jungen noch einige schöne Erlebnisse verschaffen. Er hat sich zusammen mit seiner Frau deshalb noch etwas ausgedacht. Eine Ausfahrt mit Cedric auf dem Trike. Nicht allein, sondern im großen Pulk.

Ausfahrtstart: Cedrics Zuhause

Paepcke ist Biker, Mitglied bei den MZ-Freunden Rostock. „Wir sind etwa 25 Mitglieder“, sagt Gründungsmitglied Uwe Pochert, der momentan kräftig die Werbetrommel rührt für die große Ausfahrt am 5. Mai, um 11 Uhr von Cedrics Zuhause aus in der Gildelandstraße in Tessin. „Das ist eine coole Sache, wenn Cedric Spaß dran hat, haben wir den auch“, sagt Pochert.

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Oh ja, den wird er haben. „Viel schlafen, lesen, daddeln“, das sei sein normaler Alltag. Hat er einen guten Tag, setzt ihn Mutter Karina ins Auto und zeigt ihm die Gegend. Hoffentlich ist der nächste Sonntag auch „ein guter Tag“. „Ich habe schon öfter auf dem Trike gesessen, war sogar schon mal mit zu einem großen Treffen“, sagt Cedric und strahlt. „Das war toll.“ Mit seiner Mutter wird er hinter Onkel Holger sitzen. „Ein Auto mit Notfallkoffer fährt hinterher“, kündigt MZ-Freunde-Sprecher Pochert an, der Bikerfreunde zum Mitfahren in Richtung Graal-Müritz aufruft: „Mit Cedric, für Cedric.“

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