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Rostock „Hirnschrittmacher“: So wollen Rostocker Forscher das Parkinson-Geheimnis lüften
Mecklenburg Rostock „Hirnschrittmacher“: So wollen Rostocker Forscher das Parkinson-Geheimnis lüften
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20:25 26.08.2019
Prof. Dr. Alexander Storch, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Unimedizin Rostock. Quelle: Yesim Kargin
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Rostock

Mit neuartigen, elektrisch aktiven Implantaten wollen Rostocker Forscher den Kampf gegen die Parkinson-Krankheit führen. Sie arbeiten an dieser Innovation seit 2017 im Rahmen des „Elaine“-Projektes der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Es handelt sich um den derzeit einzigen Sonderforschungsbereich seiner Art in MV.

Zehn Millionen Euro für Großprojekt

Für das Großvorhaben stehen bis 2021 mehr als zehn Millionen Euro bereit. Zudem sind hier Experten der Universitäten Greifswald, Leipzig, Erlangen (Bayern) sowie des Leibniz-Institutes Greifswald beteiligt. „Wir leisten Grundlagenforschung für ein einzigartiges Projekt“, erklärt die Leiterin, Prof. Dr. Ursula van Rienen. Der Fokus liege im Bereich der Elektrotechnik.

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Implantate arbeiten ohne Stromzufuhr

„Ziel ist es, energieautonome, also ohne Stromzufuhr von außen agierende Implantate zu entwickeln“, so die Chefin des Lehrstuhles Theoretische Elektrotechnik der Uni Rostock. Die Impulsgeber werden übrigens auch für die Regeneration von Knochen und Knorpel eingesetzt.

Zudem entwickeln die Fachleute Simulationsprogramme der Vorgänge im Gehirn. So wird die individuelle Behandlung der Parkinson-Patienten verbessert. Konkret vermindert die tiefe Hirnstimulation vorhandene Bewegungsstörungen.

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Etwa 8000 Patienten in MV

„Bei Parkinson handelt es sich um eine degenerative Erkrankung. Den fortschreitenden Verlust von Nervenzellen kann man derzeit nicht aufhalten“, erläutert Prof. Dr. Alexander Storch, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Unimedizin Rostock.

Aktuell leiden bundesweit schon mehr als 300 000 Menschen an diesem auch als Schüttelkrankheit bezeichneten Leiden. In MV sind es rund 8000. Tendenz: stark zunehmend. „Dies betrifft fast alle Altersgruppen. Insbesondere bei den über 60-Jährigen fällt die Zunahme der Fälle auf“, so Prof. Storch – einer der deutschlandweit am höchsten anerkannten Parkinson-Experten.

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Ursachen der Erkrankung unklar

Warum die Erkrankung entsteht, ist ungeklärt. Derzeit könne man allenfalls Symptome des sich unterschiedlich entwickelnden Leidens behandeln, betont der Rostocker Neurologe. Mit speziellen Medikamenten, Pflastern bzw. einer gleichmäßigen Gabe von Präparaten mittels Pumpentherapie wird versucht, den Mangel des Botenstoffes Dopamin auszugleichen. Eine Alternative stellt die sogenannte tiefe Hirnstimulation dar. Sie erfolgt per Hirnschrittmacher.

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Symptome möglichst lindern

Dieser sendet extrem kurze elektrische Impulse in bestimmte Hirnareale. Der Wirkmechanismus ist nicht restlos erforscht. „Wir gehen davon aus, dass besagte Impulse in den kritischen Hirnarealen die Fehlimpulse quasi übertünchen. Dadurch gelingt es, Symptome von neurologischen Erkrankungen zu lindern“, sagt Prof. Dr.-Ing. Dirk Timmermann.

Der Direktor des Institutes für Angewandte Mikroelektronik und Datentechnik der Uni Rostock glaubt, dass man über die Technik die Parkinson-Erkrankung besser versteht und neue effektivere Behandlungen entwickeln kann.

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Die Warnemünder Elektrotechniker um Prof. Timmermann haben den Prototypen eines Schrittmachers entwickelt, der extrem wenig Energie benötigt. Wie die „Energie-Ernte aus dem eigenen Körper“ funktionieren könnte und warum für Stefan Zimmer aus Gnoien vor fünf Jahren eine Welt zusammenbrach, lesen Sie hier.

Über den Autor

Von Volker Penne