Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Hunderte Kinder bald ohne Hortplatz?
Mecklenburg Rostock Hunderte Kinder bald ohne Hortplatz?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:02 26.01.2019
Nach der Schule können sich Kinder im Hort austoben – wenn sie einen Platz bekommen. Quelle: Monika Skolimowska/dpa
Anzeige
Stadtmitte

In den Horten der Hansestadt könnte es nächstes Jahr eng werden: Die Träger rechnen mit einem regelrechten Ansturm von Grundschülern, wenn 2020 auch die Elternbeiträge für das erste betreute Kind wegfallen. Bis zu 700 Neuanmeldungen erwartet die Regionale Liga, der Zusammenschluss der großen Wohlfahrtsverbände. Ein Teil der Kinder werde aber wohl abgewiesen werden müssen, fürchtet Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke). Denn es fehle sowohl Personal als auch der Platz, um alle unterzubringen. Und anders als im Kindergarten gibt es für den Hort keinen Rechtsanspruch.

1400 Kinder werden noch nicht betreut

Bislang werden in den Rostocker Horten rund 5050 Kinder im Alter zwischen 6,5 und 10,5 Jahren betreut (Zahlen von 2017). Insgesamt leben in der Hansestadt etwa 6450 Kinder in dieser Altersgruppe. Das heißt, 1400 gehen bislang nicht in den Hort. Das wird sich ändern, wenn die Gebühren wegfallen, ist Jürgen Richter, Geschäftsführer der Kinder- und Jugendhilfe beim Roten Kreuz, überzeugt. „Wir gehen davon aus, dass gerade einkommensschwache Familien das Angebot nutzen werden.“

Anzeige

Sven Klüsener, Geschäftsführer der Rostocker Arbeiterwohlfahrt (Awo), pflichtet ihm bei: „Was nichts kostet, wird genutzt. Die Zahl der Hortkinder wird mit Sicherheit ansteigen – und nicht nur um eins oder zwei.“ Er rechne damit, dass etwa die Hälfte der bislang nicht betreuten Kinder angemeldet wird, das wären 700. Senator Bockhahn hält die Schätzung für zu hoch gegriffen, auch wenn die Stadt selbst noch keine Zahlen erheben konnte. „Für einen Betreuungsplatz müssen Eltern ihre Kinder erst drei Monate vorher anmelden.“ Dennoch rechnet auch der Senator mit einer „riesigen Herausforderung“.

Jetzt schon fast 100 Prozent Auslastung

Die Horte in der Hansestadt sind nämlich schon fast zu 100 Prozent ausgelastet. Von 5600 Plätzen waren laut Statistikbericht 2017 fast 5400 belegt. Die Kapazitäten einfach zu erweitern, ist laut Bockhahn kaum möglich, alleine schon wegen fehlender Räume: „Einem Grundschulkind stehen rechnerisch 1,9 Quadratmeter Fläche zu. Wenn die Schule aus ist und das Kind in den Hort geht, muss es dort 3,8 Quadratmeter Platz haben.“ Hinzu komme der Fachkräftemangel. Wenn tatsächlich wie von der Regionalen Liga erwartet 700 Kinder neu angemeldet werden, müssten 25 zusätzliche Betreuer und Betreuerinnen eingestellt werden.

Doch gibt es die überhaupt? Hier gehen die Meinungen der Träger und des Senators auseinander. Das war schon im November deutlich geworden, als Bockhahn einen Vorstoß der CDU für mehr Personal in den Krippen zurückwies. Er bezweifelte, dass die dafür benötigten 100 Fachkräfte überhaupt auf dem Markt zu finden seien: „Das Thema Fachkräftegewinnung ist aktuell eine kaum zu überwindende Hürde“, hatte Bockhahn damals geantwortet.

Optimismus bei Verbänden

Die Vertreter der Regionalen Liga sehen das ganz anders: „Es werden gerade viele Fachkräfte ausgebildet“, sagt Awo-Chef Klüsener. Zudem sei die Bezahlung der Erzieher deutlich besser und damit der Beruf attraktiver geworden. „Es wäre sicher nicht von heute auf morgen möglich, so viele neue Mitarbeiter zu finden“, räumt Klüsener ein. Kurzfristig könne aber auch mit einer Erhöhung der Stundenzahl der bereits Beschäftigten viel erreicht werden – auf freiwilliger Basis, betont Klüsener. Beim DRK wäre dies dank flexibler Arbeitszeiten sogar relativ leicht möglich, erklärt Richter: „Ein Großteil unserer Mitarbeiter hat Verträge über 32 Wochenstunden, die bei Bedarf auf 40 erhöht werden können.“ Bockhahn glaubt nicht, dass das funktioniert, zumindest nicht im Hort: „Ein Kind wird dort pro Woche maximal 30 Stunden betreut. Daher werden keine zusätzlichen Plätze entstehen, wenn die Erzieherin auf 40 Stunden gesetzt wird.“

Bei den Krippen und Kindergärten erwarten die Verbände – anders als bei den Horten – keine zusätzlichen Anmeldewelle durch die Gebührenbefreiung für das erste Kind: In diesen Altersgruppen wird bereits jetzt der Großteil aller infrage kommenden Kinder betreut.

Axel Büssem

25.01.2019
Rostock 16-Jähriger im Visier der Geheimdienste - FBI warnte vor Amoklauf in Rostock
25.01.2019