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Rostock Rostocker Ibis Hotel schließt: Gäste fühlen sich verprellt
Mecklenburg Rostock Rostocker Ibis Hotel schließt: Gäste fühlen sich verprellt
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18:46 12.09.2019
Der Pachtvertrag des französischen Accor-Konzerns für das Ibis-Hotel am Stadthafen Rostock endet am 30. September 2019. Quelle: Axel Meyer
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Rostock

Ein wundervolles Oktoberwochenende in Rostock – das wollte Stephan Müller (Name geändert) aus dem niedersächsischen Braunschweig hier verbringen. Freunde haben ihn und seine Familie zu ihrer Hochzeit in die Hansestadt eingeladen. Schon Anfang Juni hatte Müller daher ein Zimmer im Ibis-Hotel am Stadthafen gebucht – also bestens im Zeitplan. Dann bekam der Braunschweiger jedoch vor einigen Tagen eine E-Mail vom Ibis-Hotel: Das gebuchte Zimmer müsse storniert werden, Müller sich ein anderes Hotel suchen.

Das im Voraus bezahlte Geld gab es zwar zurück, aber ein vergleichbares Ersatzzimmer in der näheren Umgebung könne man nicht vermitteln. Ibis – nach eigenen Angaben Europas größte Hotelkette – nannte als Grund für die Stornierung in der E-Mail, die der OZ vorliegt: „Unser Mietverhältnis endet zum 30. September 2019.“ Der Eigentümer der Immobilie am Stadthafen wolle das Gebäude renovieren. Daher sei das Hotel im gebuchten Zeitraum „nicht in Betrieb“.

„So kann man mit seinen Gästen nicht umgehen“

„Warum hat Ibis mir das nicht gleich bei meiner Buchung mitgeteilt?“, fragt Müller. Dass das Mietverhältnis ausläuft, könne bei einem so großen Unternehmen doch nicht einfach übersehen worden sein. Auch Freunde von ihm, die ebenfalls im Ibis-Hotel (zwei Sterne) gebucht hatten, müssten sich nun andere Unterkünfte suchen. „Das ist keine Art, so kann man mit seinen Gästen nicht umgehen“, kritisiert der 51-Jährige.

Offenbar doch. Der für die Ibis-Hotels zuständige, französische Mutterkonzern Accor gibt sich zugeknöpft: „Zu vertraglichen Details“ könne man sich nicht äußern, teilt Sprecherin Marie Schwab auf OZ-Anfrage mit. Lediglich, dass der Pachtvertrag zum 30. September auslaufe, bestätigt die Sprecherin. Und dass „der Prozess, die Gäste zu informieren“, im Gange sei.

Viele offene Fragen

Warum Ibis erst jetzt – kurz vor dem Ende des Pachtvertrags – die Buchungen storniert, dazu wollte sich das Unternehmen nicht äußern. Auch zu den Fragen, ob das Mietverhältnis vielleicht erst kurzfristig gekündigt worden und wofür die Immobilie am Stadthafen künftig genutzt werden solle, gab es keine Antworten.

Und wem gehört das Gebäude mit der markanten Glasfassade eigentlich? Auch darüber schweigt sich Accor aus. Und die Rostocker Stadtverwaltung verweist bei der Frage auf das Grundbuchamt der Hansestadt. Dort heißt es jedoch, man gebe grundsätzlich keine Auskünfte zu Eigentümern.

Hotel wurde 2010 eröffnet

Das Ibis-Hotel am Stadthafen mit 91 Gästezimmern eröffnete im Jahr 2010. In Mecklenburg-Vorpommern betreibt das Unternehmen noch zwei weitere Häuser, eines in Broderstorf bei Rostock, eines in Schwerin. Weltweit unterhält Ibis rund 2000 Hotels, die meisten davon in Europa, wo Ibis – gemessen an der Zahl der Hotels und der Zimmer – als größte Hotelkette gilt.

Unter dem Ibis-Dach werden die Marken Ibis Hotels, Ibis Budget (zuvor: Etap Hotels) und Ibis Styles (zuvor: All Seasons) angeboten. Die Häuser der Marke Ibis Hotels sind den Angaben zufolge oft verkehrsgünstig gelegen, befinden sich im Stadtzentrum oder im Umkreis. Ibis Budget ist die Billigmarke der Kette; die Häuser stehen in der Nähe von Autobahnen oder Gewerbegebieten, die kleinen Zimmer sind einfach ausgestattet. Ibis Styles ist die sogenannte Designmarke, deren teils luxuriöse Hotels oft im Stadtzentrum liegen.

Die Ibis-Hotelkette gehört zum französischen Accor-Konzern, der
den Angaben zufolge mit 4200 Hotels in 95 Ländern eine der größten Hotelketten weltweit ist. Neben Ibis gehören zu Accor auch Marken wie Novotel und Mercure sowie die Luxusketten Sofitel und Pullman.

Geprellter Gast lässt Entschuldigung nicht gelten

Das Ibis-Hotel am Stadthafen bittet Stephan Müller in der E-Mail „um Entschuldigung für die entstehenden Unannehmlichkeiten“. Das will der Braunschweiger nicht gelten lassen: „Es ist eine Frechheit, wie Ibis mit seinen Kunden umgeht.“ Denn Unannehmlichkeiten hatte er tatsächlich – und zahlreiche Telefonate. Viele Hotels in der Nähe des Stadthafens und der Innenstadt waren für den Zeitpunkt seiner Anreise bereits ausgebucht, andere noch verfügbare Zimmer deutlich teurer. Letztlich fanden er und seine Familie ein Appartement in der KTV – und zwar über den großen Hotelkonkurrenten, die Internetplattform Airbnb.

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Von Axel Meyer

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