Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Kinderklinik: Initiative „Tommy nicht allein“
Mecklenburg Rostock Kinderklinik: Initiative „Tommy nicht allein“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:00 02.07.2019
Emillia spielt mit Jana David von der Initiative „TNA – Tommy nicht allein“ und vergisst so kurz den Klinikalltag. Quelle: Jana David
Anzeige
Rostock

Der kleine Tommy sitzt 2015 alleine in seinem Krankenhausbett in der Rostocker Uni-Kinderklinik und weint: Er vermisst seine Eltern. Vier Medizinstudenten entschließen sich, während ihres Praktikums abwechselnd mit ihm zu spielen und ihn zu trösten. Doch Tommy ist nicht der Einzige, der in der Kinderklinik viel allein ist: Die Studenten organisieren eine Betreuung für die kranken Kinder – die Initiative „Tommy nicht allein“, kurz TNA, entsteht.

Mittlerweile betreuen 55 Studenten etwa 100 kranke Kinder auf verschiedenen Stationen der Rostocker Kinderklinik. Besonders bei chronisch kranken Kindern können die Eltern nicht so häufig zu Besuch sein, wie sie es wollen – Arbeit und Geschwisterkinder beanspruchen ebenfalls Zeit. Da springen die Ehrenamtlichen der Initiative ein und spielen, singen oder lesen mit den Kindern, machen Schulaufgaben oder gehen mit zu Untersuchungen.

Kinder sollen vergessen, dass sie krank sind

Die Klinik ruft Jana David an und meldet einen kleinen Patienten mit Alter, Krankheit und Dauer an, David gibt die Daten dann an die beteiligten Studenten weiter. Die „Kliniknannys“ sprechen sich dann untereinander ab. David, selbst Medizinstudentin im achten Semester, ist im Organisationsteam des bundesweit einmaligen Projekts. „Unsere Überzeugung ist, dass die Heilung erfolgreicher ist, wenn ein Kind nicht so traurig ist“, erklärt sie. Der Klinikaufenthalt sei für die Kinder einfacher zu ertragen, wenn sie durch Spaß und Spiele von Schmerzen und Krankheit abgelenkt werden.

Die Initiative betreut alle Altersklassen, vom Frühchen bis zum 18-Jährigen: „Alle Kinder mit allen Krankheiten werden von uns betreut, auch Sonderfälle versuchen wir zu lösen.“ Die Stunden sind dann ganz individuell gestaltet, manchmal sagen Eltern oder Krankenschwestern, was die Kinder gerne machen, manchmal wird der Plan auch über den Haufen geworfen: „Das Kind bestimmt, letztendlich soll es seine Zeit sein“, so David. „Wir haben Kinder, die betreuen wir ein halbes oder ganzes Jahr lang“, erzählt David. Die Studenten kochen gemeinsam mit den Kindern, spielen ein geliebtes Brettspiel, stellen Lieblingsmusik auf CDs zusammen oder kaufen auf dringenden Wunsch auch mal einen Kinder-Staubsauger.

Schöne Momente wiegen die schweren auf

„Wenn auch die ganz schwer kranken Kinder nicht mehr daran denken, dass sie spucken müssen oder dass ihnen etwas weh tut, gibt das ein schönes Gefühl“, sagt David. Aber auch die Dankbarkeit der Schwestern und der Eltern motiviere: „Gerade bei den krebskranken Kindern sind die Eltern froh, wenn sie einen Kaffee trinken können, das andere Kind abholen oder auch einfach mal heulen dürfen.“

Sehr schwer sei vor allem, wenn die Kinder stürben, erzählt David, denn man habe doch eine massive Bindung zu den Kindern aufgebaut. Das passiere aber glücklicherweise äußerst selten. „Wer das nicht kann, der geht nicht auf die Onkologie. Das darf zum Glück jeder vorher selbst aussuchen.“ Trotz allem sehe man viele glückliche Kinder: „Das wiegt das Schwere auf jeden Fall auf.“ Für David selbst war die Entlassung eines Frühchens nach langer, intensiver Betreuung einer der schönsten Momente. „Wenn die Kinder toben oder sich nur über einen Luftballon freuen, ist das toll. Das Schönste ist aber immer, wenn sie gesund nach Hause dürfen.“

Alle Studenten und Spenden sind willkommen

Ein Problem sei die Besetzung der Dienste: „Wer arbeitet schon im Ehrenamt? Und dann auch noch als Medizinstudent?“ Besonders in der Prüfungszeit und in den Semesterferien sei es schwierig, genügend Leute für die Betreuung zu organisieren, schildert David. Deshalb wolle man das Team vergrößern: „Alle Studenten der Uni dürfen gerne kommen und bekommen auch Schulungen von uns“, bietet sie an. Zusätzlich begleiten die Älteren dann die neuen Kliniknannys so lange, bis die sich sicher fühlen.

Mittlerweile hat die Initiative einen Spieleschrank in der Kinderklinik, jedoch nur auf einer Station. Sie seien aber froh, dass sie mittlerweile überhaupt einen hätten, denn TNA finanziert sich alleine über Spenden. Mit dem Geld werden Spielsachen und T-Shirts für die Mitarbeiter gekauft. In der Zukunft soll die Zusammenarbeit mit den Kliniken erweitert werden: „Wenn wir als Pilotprojekt für ganz Deutschland funktionieren könnten, wäre das toll“, sagt David mit Blick auf den Status als bundesweit einzigartige Initiative. Schließlich seien in jeder Klinik Kinder nicht gern allein.

Mehr dazu: TNA-Mitbegründerin Wiebke Gehm wird "Studentin des Jahres"

Initiative „Tommy nicht allein“

Weitere Informationen zur Initiative „Tommy nicht allein“ und deren Arbeit sind auf der Facebookseite „Tommy nicht allein -Rostock“ zu finden. Gerade hat sich TNA auch für den Rostocker Ehrenamtspreis beworben, die Abstimmung findet unter https://www.ehrenamt-rostock.de/voting-engagementpreis-2019/ statt.

Wer die Initiative darüber hinaus unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende tun. Kontoinhaber: Universitätsmedizin Rostock, Kreditinstitut: Deutsche Bundesbank Rostock, IBAN: DE16 1300 0000 0013 0015 31, BIC: MARKDEF1130, Verwendungszweck: 992146 TNA, Steuernr.: 079/144/02144,

Jana Schubert

Die Wasserleitungen stammen aus den 60er bis 80er Jahren und müssen dringend erneuert werden. Wasser- und Bodenverbände können die Sanierung aus den Mitgliedsbeiträgen nicht bezahlen. Doch wer kommt für die Kosten auf: Kommunen, Landwirte, die ein Großteil der Flächen bewirtschaften, das Land?

02.07.2019

Die umfangreiche Suche nach dem 55-jährigen Berthold Vosbeck in der Ostsee vor Warnemünde ging am Montag weiter. Wasserschutzpolizei und Hubschrauber setzen Einsatz fort.

01.07.2019

Axel Hoffmeister (61) und Tobias Onasch (28) haben das zweite Turnier der OZ-Serie in Teschow gewonnen. Das Team aus Rostock harmonierte super und ließ die eigentlichen Favoriten hinter sich. Viel Lob gab es für den Top-Platz nahe Teterow.

01.07.2019