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Rostock Rostockerin landete gegen ihren Willen in Seitensprung-Kontaktbörse
Mecklenburg Rostock Rostockerin landete gegen ihren Willen in Seitensprung-Kontaktbörse
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06:37 08.04.2019
Eine Frau sitzt an einem Laptop. Die Rostocker Verbraucherzentrale warnt: Wer großzügig seine Daten hergibt, wird schnell Opfer von Kriminellen. Quelle: Daniel Naupold/dpa
Rostock

Diesen Tag wird Susanne Riebe nicht so schnell vergessen: Die 36-jährige Rostockerin fand in ihrem Briefkasten eine merkwürdige Rechnung. 1015 Euro forderte eine Inkassofirma von ihr. Für einen Zweijahresvertrag, den sie angeblich mit einer Internetseite namens „Seitensprung.tv“ abgeschlossen hätte. Nächstes Jahr wäre die selbe Summe noch einmal fällig geworden. Riebe fiel aus allen Wolken. Sie hatte noch nie von dieser ominösen Kuppelbörse gehört, geschweige denn sich dort angemeldet.

Teures Seitensprung-Abo statt kostenlose Proben

Hat sie auch nicht. Die Rostockerin hatte sich lediglich bei der Webseite „Probenheld.de“ registrieren lassen. Die wirbt mit kostenlosen Produktproben. „Das sah nicht unseriös aus“, sagt die 36-Jährige über die auf den ersten Blick professionell wirkende Seite. Bei Verbraucherschützer ist Probenheld bestens bekannt. Der Vorwurf: Personen, die dort ihre Daten eintippten, bekamen hinterher keine kostenlosen Testprodukte, sondern Post von einer Inkassofirma. Das berichtet Wiebke Cornelius von der Verbraucherzentrale Rostock. Mal hätten die Nutzer angeblich teure Prepaid-Kreditkarten bestellt, mal eine Mitgliedschaft in dem Seitensprung-Portal. Jedes Mal unter Vermittlung von Probenheld. Die Firma ist angeblich auf Mallorca angesiedelt und telefonisch so wenig zu erreichen wie der Betreiber von „Seitensprung.tv“, der eine Adresse in den USA angibt.

Viel Ärger und schlaflose Nächte

Für Riebe war der Vorfall ein Schock, der ihr schlaflose Nächte und viel Ärger einbrachte. „Ich war völlig aufgelöst“, sagt sie. Glück im Unglück: Ihr Ehemann glaubte ihr sofort, dass sie sich nicht bei der Fremdgeh’-Seite angemeldet hat. „Aber wie ist das in anderen, weniger glücklichen Beziehungen?“, fragt die Rostockerin. Sie ist überzeugt, dass es Leute gibt, die zähneknirschend die irrsinnige Fantasie-Rechnung begleichen, nur um keine privaten Probleme zu bekommen oder ihre Ehe nicht zu gefährden. Sie selbst wandte sich an die Verbraucherzentrale und an die Polizei, erstattete Anzeige. Eine Inkassofirma versuchte bei ihr die Fantasierechnung einzutreiben. „Die haben am Telefon richtig Druck gemacht“, berichtet die Rostockerin, die nicht zahlte, wie die Verbraucherzentrale rät.

82-Jährige: Noch nie im Netz, trotzdem betroffen

Dass man sogar Opfer von Cyber-Kriminellen werden kann, ohne jemals im Internet gewesen zu sein, musste Ingeborg Waller aus der Südstadt (Name geändert) erfahren. „Ich habe weder Computer noch ein Handy“, sagt die 82-Jährige. Sie bekam Rechnungen vom Fernbusanbieter Flixbus. Angeblich soll sie drei Fahrkarten für je 20 Euro gekauft, aber nicht bezahlt haben. „Ich wusste gar nicht, was Flixbus ist“, sagt die Rentnerin. Insgesamt sechs Briefe bekam sie, Rechnungen und Mahnungen von der Firma Ratepay, die Online-Zahlungen für Flixbus abwickelt. Mitsamt Mahngebühren kamen 120 Euro zusammen, für angebliche Fahrten, die Ingeborg Waller weder gebucht noch gemacht hatte. Bei der Herzkranken löste es große Aufregung aus. „Ich war so was von krank“, sagt sie. Auch sie wandte sich an die Verbraucherzentrale.

Echte Namen, falsche E-Mail-Adresse

Die Masche funktioniert so: Betrüger bestellten unter anderem Namen Tickets, stornieren die Fahrten. So kommen sie an Gutschriften, die sich weiterverkauften lassen. Ein beliebiger Name mit Adresse, auf den sich leicht eine E-Mail-Adresse erstellen lässt, reicht offenbar aus. „Bei uns haben sich bisher zwei Geschädigte gemeldet“, sagt Wiebke Cornelius von der Verbraucherzentrale. Im Fall von Frau Waller lenkten Flixbus und Ratepay schnell ein und schlugen die Forderungen nieder. In Bremen ermittelt die Polizei bereits seit vergangenen Sommer in mehreren Fällen, bei denen Betrüger mit gefälschten E-Mail-Konten von echten Personen Tickets kaufen. Die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt spricht von „Massenbetrug“.

Verbraucherschützer rüffeln Flixbus

Was tun die Unternehmen dagegen? Flixbus teilt auf Anfrage mit, dass Hinweise auf Datenmissbrauch „immer sehr ernst“ genommen würden. Wer unberechtigte Mahnungen erhält, sollte sich an Flixbus und Ratepay wenden und Anzeige bei der Polizei erstatten. Die Fernbusfirma habe ein eigenes Team, das eng mit der Polizei zusammenarbeite, so ein Sprecher, „um den Tätern das Handwerk zu legen“. Ratepay verweist auf ein mehrstufiges Prüfverfahren, mit dem die Identität bei Lastschriftzahlungen geprüft werde, um Betrug zu verhindern. In den meisten Fällen gelinge das, so eine Sprecherin. Verbraucherschützerin Cornelius fordert Flixbus auf, die Sicherheitslücke endlich zu schließen.

Gerald Kleine Wördemann

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