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Rostock Arosa-Chef: „Wir stehen vor dem Jahrzehnt der Flusskreuzfahrten“
Mecklenburg Rostock Arosa-Chef: „Wir stehen vor dem Jahrzehnt der Flusskreuzfahrten“
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08:04 09.02.2019
Jörg Eichler, Geschäftsführer von Arosa Flusskreuzfahrten, im Gespräch mit OZ-Lokalchef Andreas Meyer (l.). Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Seit mehr als fünf Jahren führt Jörg Eichler (52) den deutschen Marktführer bei Premium-Flusskreuzfahrten – Arosa aus Rostock. Die Branche steht vor einem Jahrzehnt des Wachstums, verrät der Manager im OZ-Interview. Und Arosa will ganz vorne mit dabei sein.


OSTSEE-ZEITUNG:
Sie haben gerade Bilanz gezogen für das vergangene Jahr. Wie war denn 2018 für Arosa?

Jörg Eichler: 2018 war das fünfte Jahr in Folge, in dem wir unseren Wachstumskurs fortsetzen konnten. Wir haben Passageumsatz um sechs Prozent steigern können, aber auch in puncto Unternehmensgewinn zugelegt – und das, obwohl das Jahr witterungsbedingt nicht einfach für uns.

Wir hatten doch einen Traumsommer ...

Ja, aber der hat im zweiten Halbjahr zu Niedrigwasser in vielen Flüssen geführt. Auf dem Rhein und auch der Donau mussten wir aufgrund des trockenen Wetters etliche Reisen umrouten.

Was bedeutet „umrouten“?

Die Schiffe konnten an manchen Tagen zum Beispiel Frankfurt am Main, Basel oder auch Budapest nicht anlaufen. Wir haben dann vorher Halt gemacht und unsere Gäste mit Bussen in den Stadt gebracht. Das alles musste von unserem Team in Rostock organisiert werden, hat auch zu Mehrkosten geführt. Drei Fahren mussten wir stornieren. Aber dNichtsdestotrotz haben wir 60 Prozent mehr Gewinn gemacht als noch 2017. Und darauf können alle bei Arosa wirklich stolz sein.

2019 wird für Arosa auch ein spannendes Jahr. Im Mai startet Ihr neues Schiff, die „Arosa Alva“, auf dem Douro in Portugal. Was versprechen Sie sich vom neuen Zielgebiet?

Sehr viel! Wir beobachten in der gesamten Touristik-Branche den Trend weg von Reisezielen wie Tunesien, Ägypten, Marokko. Selbst die Türkei hat sich noch immer nicht vollständig erholt. Die Gäste zieht es gen Westen, nach Portugal, Spanien, auf die Kanaren oder nach Madeira. Dort gibt es ein unglaubliches Wachstum – weil diese Regionen per se attraktiv sind und die politische Großwetterlage dazu führt, dass die Kunden sichere Destinationen vorziehen.

Die OZ berichten zum Thema „Arosa“

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Wie sind Sie auf den Douro gekommen?

Es gab schon seit Jahren eine steigende Nachfrage von Vertriebspartnern und auch Kunden nach neuen Zielen im Süden. Mit dem Douro sind wir sehr glücklich. Wir stecken uns immer ehrgeizige Ziele, aber selbst die werden derzeit übertroffen. Wir sind geradezu überrannt worden, haben die Jahresziele für die neue Route schon jetzt erfüllt. Es gibt nur noch wenige freie Kabinen in diesem Jahr.

Das spricht ja dafür, gleich noch ein Schiff in Auftrag zu geben ...

Ja, absolut. Aber es ist auch so, dass der Douro schon seit Jahren bei Gäste aus den USA, Großbritannien und Australien einen Boom erlebt. Dort sind viele neue Schiffe hinzugekommen. Der Fluss ist aber recht klein, romantisch wie die Mosel. Außerdem gilt dort ein Nachtfahrverbot. Bevor weitere Schiffe dort fahren dürfen, müssen neue Anleger gebaut werden. Aber in ein, zwei Jahren – wenn die Nachfrage so hoch bleibt – dann ist ein weiteres Schiff ein Thema für uns.

Zwölf Schiff haben Sie bereits. Wächst die Flotte weiter?

Wir arbeiten mit Hochdruck an einer neuen Schiffsgeneration. Mit Matthias Lutter haben wir von der Neptun-Werft den Leiter unseres Neubau-Teams gewinnen können. Noch im ersten Halbjahr werden er und sein Team die Entwürfe für die neue Generation abschließen. Dann suchen wir eine Werft, kümmern uns um die Finanzierung.

Wie viele Schiffe bestellen Sie?

Zunächst mal eines. Dann schauen wir, wie es angenommen wird. Wir haben einen riesigen Vorteil im Vergleich zu den Kollegen im Hochsee-Geschäft: Wir haben nicht so einen langen Vorlauf, müssen nicht gleich ganze Serien ordern. Bei uns lässt sich ein Neubau innerhalb eines Jahres realisieren.

Was für die Hochsee gilt, gilt also auch auf den Flüssen: Der Kreuzfahrt-Boom noch nicht vorbei?

Nein, im Gegenteil: Wir stehen vor einer Jahrzehnt mit unglaublichen Wachstumsraten. Wir sprechen schon von der Dekade der Flussreisen. Unsere Alternative zur klassischen Städtereise –nach Wien, Paris, Köln, Budapest oder auch Amsterdam – ist im Kommen. Weil wir entspanntes Reisen mit den Annehmlichkeiten eines gehobenen Hotels verbinden. Wir haben Sauna- und Wellnessbereiche an Bord, gute Restaurants und auch Kinderclubs. Allein 2018 sind 2400 Kinder mit uns gereist. Tendenz steigend. Wir setzen auf Familien – und das kommt gut an. Der Städtereise-Markt in Deutschland ist acht Milliarden Euro groß, bisher entfällt nur eine halbe Milliarde auf Flussreisen. Der Teich, in dem wir fischen, ist also noch sehr groß.

Bei Ihren Kollegen auf hoher See ist der Umweltschutz gerade ein riesiges Thema. Aida und Rostock Port wollen in Warnemünde Landstromanschlüsse bauen, die neuesten Schiffe Ihres Nachbarn fahren mit dem Flüssiggas LNG. Wie sehr beschäftigt Sie das Thema? Sie liegen ja mitten in den Städten ...

Ja, das ist ein riesiges Thema. Aber unsere Schiffe fahren schon seit Jahren mit dem gleichen Diesel, den Sie auch in Ihr Auto tanken. Der ist deutlich Schadstoff-ärmer als Schiffsdiesel auf See. Insgesamt sind wir an den Flüssen schon einen Schritt weiter: All unsere Schiffe haben haben Landstrom-Anschlüsse und die neueren auch zusätzliche Rußpartikel-Filter. Viele Städte am Meer reden nur über Landstrom, an den Flüssen haben wir still und heimlich schon was gemacht. Zwischen Köln und Amsterdam haben Sie in jedem Hafen Landstrom. In Koblenz bekommen Sie den besten Liegeplatz nur, wenn Sie Landstrom nutzen.

Wohin geht die Reise bei den Neubauten?

Wir haben mit Matthias Lutter einen ausgewiesenen Experten ins Unternehmen geholt. Wir wollen die „grüne“ Kreuzfahrt – weil wir für unser Geschäft eine intakte Natur brauchen. Ich halte es für realistisch, in Kürze deutlich emissionsärmere und mittel- oder langfristig emissionsfreie Kreuzfahrten auf Flüssen anbieten zu können. Wir setzen daher aber eher auf Batterien als auf LNG.

Planen Sie auch auch neue Ziele?

Ja, aber wir werden vornehmlich auf den Flüssen wachsen, auf denen wir schon unterwegs sind. Neue Flüsse und Routen sind sehr schwierig: Wir brauchen für unser Konzept eine bestimmte Schiffsgröße. Die können Sie nicht überall fahren lassen. Die Elbe etwa ist zu klein, der Po in Italien wäre attraktiv – aber das ist ein Fluss der Extreme. Er hat entweder kein oder zu viel Wasser. Und Ziele wie der Nil in Ägypten oder die Wolga in Russland sind uns aufgrund der politischen Lage zu riskant. Diese Destinationen haben Mitbewerber in große Schwierigkeiten gebracht – beispielsweise nach 2015, als gegen Russland Sanktionen verhängt wurden. Wir schauen derzeit eher nach Frankreich, zur Garonne etwa.

Seit 2018 sind Sie nicht nur „Chef“, sondern auch auch Miteigentümer des Unternehmen. Wieso?

Weil ich an das Unternehmen glaube – und weil ich überzeugt bin, dass wir alle im Team in den kommenden Jahren tolle Erfolg mit Arosa feiern werden.

Wachsen Sie auch am Standort Rostock?

Natürlich! Hier sitzen unsere Zentrale, Kundenservice, Marketing und viele weitere wichtige Abteilungen. Wir sind mittlerweile 100 Leute in Rostock. Vor fünf Jahren waren wir noch knapp 70. Und es werden in den kommenden Jahren sicher noch mehr Mitarbeiter.

Dann brauchen Sie ja bald ein neues Zuhause, ein „Arosa Home“ ...

Nein, wir sind sehr glücklich auf der Holzhalbinsel und in der Nachbarschaft von Aida.

Zwei Reedereien aus Rostock setzen im Kreuzfahrt-Geschäft weltweit Maßstäbe. Macht Sie das stolz?

Ich habe ja selbst viele Jahre für Aida gearbeitet. Es ist schön zu sehen, dass Rostock ein wichtiges Zentrum europäischen Kreuzfahrt-Branche geworden ist und wir ein Stück weit auch von hier aus den Markt „entstaubt“ haben. Aida und Arosa sind in ihren Märkten die Marktführer in Deutschland. Darauf kann die ganze Region stolz sein. Wir haben hier etwas Einzigartiges geschaffen.

Andreas Meyer

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