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Rostock Japans Kaiser verdanken ihre Macht auch einem Rostocker
Mecklenburg Rostock Japans Kaiser verdanken ihre Macht auch einem Rostocker
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11:16 13.03.2019
Der japanische Wissenschaftler Toshihiro Nagai schrieb ein Buch über den Rostocker Staatswissenschaftler Hermann Roesler Quelle: Benjamin Barz
Stadtmitte

Den japanischen Kaiser umgibt immer noch ein fast mystischer Nimbus der Göttlichkeit. Er hat heutzutage zwar keine Macht mehr, wird von seinem Volk aber zutiefst verehrt. Seine Stellung verdankt er unter anderem einem Rostocker: Der Staatswissenschaftler Hermann Roesler (1834-1894) arbeitete im 19. Jahrhundert an einer neuen japanischen Verfassung mit, die bis heute nachwirkt. In Japan wird er dafür geehrt, in seiner deutschen Heimat ist er fast vergessen.

In Japan bis heute geehrt

Das will Johannes Kunze so nicht hinnehmen. Der Präsident der deutsch-japanischen Gesellschaft in der Hansestadt sieht im Jubiläumsjahr der Uni eine gute Gelegenheit, an den verdienten Hochschullehrer zu erinnern. „Roesler ist in juristischen Kreisen in Japan sehr bekannt, über sein Wirken wird bis heute geforscht“, erklärt er. Das wurde Kunze deutlich, als er im vergangenen Jahr einen Brief aus Japan bekam: Der Autror Toshihiro Nagai schrieb ein Buch über Roesler und erhoffte sich von Kunze Informationen über dessen Zeit in Rostock. „Er wollte wissen, warum Roesler 1878 vom evangelischen zum katholischen Bekenntnis konvertierte.“ Kunze konnte helfen: Unter anderem war Roesler Anhänger des Papsttums – das lehnen die Protestanten bekanntlich ab.

Keine Zukunft in Rostock

Die Entscheidung für die katholische Kirche war auch ein Anlass für Roeslers Engagement in Japan: „An der Uni Rostock durften nur Protestanten lehren, daher sah er in der Hansestadt keine Zukunft für sich“, erklärt Kunze. Da traf es sich gut, dass der damalige japanische Gesandte im neu gegründeten Deutschen Reich, Aoki Shuzo, mit einer pommerschen Adligen verheiratet war und dadurch Beziehungen zum Norden hatte. Er stieß auf Roeslers zweibändiges Werk „Lehrbuch des Deutschen Verwaltungsrechts“ von 1872 und warb den Staatsrechtler ab.

Karriere an der Ostsee und in Fernost

Hermann Roeslerwurde 1834 in Lauf bei Nürnberg geboren. 1852 studierte er in Erlangen und München Rechts- und Staatswissenschaften und machte 1856 im Alter von nur 22 Jahren sein Staatsexamen. 1861 kam er an die Universität Rostock, wo ihm die Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät verliehen wurde. Er hielt Vorlesungen in Polizeiwissenschaften, Nationalökonomie und Finanzwirtschaft. 1872 veröffentlichte er sein Werk „Lehrbuch des Deutschen Verwaltungsrechts.“ 1878 konvertierte er zum Katholizismus und ging daraufhin als Berater nach Japan. 1893 kehrte er nach Deutschland zurück, 1894 starb Roesler in Südtirol.

Rückkehr des Kaisers an die Macht

Hintergrund waren die tiefgreifenden politischen Umwälzungen in Japan in dieser Zeit: 1868 endete die jahrhundertelange Herrschaft der Shogun, die im Inselreich de facto regierten, während der Kaiser nur ein Schattendasein fristete. In dieser Zeit schottete sich Japan vollständig vom Ausland ab. Mit dem Sturz des letzten Shogun, Tokugawa Yoshinobu, wurde die Macht des Kaisers, des Tenno, wiederhergestellt. Seine Regierung sollte – erstmals in der japanischen Geschichte – durch eine Verfassung legitimiert werden. Gleichzeitig öffnete sich Japan nach außen und suchte nach Vorbildern. Das aufstrebende Deutsche Reich schien da bestens geeignet, weiß Kunze: „Auch hier war gerade der Kaiser wieder eingesetzt worden, zudem machte Deutschland große Fortschritte in den Bereichen Forschung und Bildung, Wirtschaft, Gesundheit und Militär.“

So kam Hermann Roesler 1878 zunächst als juristischer Berater des japanischen Außenministeriums ins Reich der aufgehenden Sonne, 1884 erhielt er den hohen Ehrenrang eines Chokunin, eines vom Kaiser persönlich ernannten Beraters. „Roesler hat daran mitgearbeitet, sehr feinfühlig die traditionelle Göttlichkeit des Kaisers zu bewahren und gleichzeitig eine weltliche und weltoffene Verfassung mitzugestalten“, befindet Kunze. 1890 trat die so genannte Meiji-Verfassung in Kraft, manche Grundsätze überdauerten auch das Ende des Zweiten Weltkriegs mit der bedingungslosen Kapitulation Japans und der darauf folgenden Verwestlichung des Landes unter der US-Besatzung. Roesler kehrte 1893 nach Europa zurück und starb 1894 in Südtirol.

Schuld an Pearl Harbour?

Dass es überhaupt soweit kam, dass Japan 1941 den Zweiten Weltkrieg im Pazifik entfesselte, wird von manchen Historikern auch der Mitarbeit von Hermann Roesler und sowie des ehemaligen Richters Albert Mosse an der Verfassung zugeschrieben. Die Deutschen hätten den Blick der Japaner „gezielt auf die Möglichkeiten des konservativ-autoritären preußisch-deutschen Grundmodells gelenkt“, schreibt etwa Autor Paul-Christian Schenck. Die so entstandene Verfassung habe dann den Weg für das Erstarken des Militärapparats bereitet, der Japan schließlich ins Verderben führte.

An der Uni Rostock sieht man dagegen offenbar keine herausragende Bedeutung des ehemaligen Professors: Eine Würdigung im Jubiläumsjahr, wie sie Johannes Kunze 2018 angeregt hatte, ist bislang nicht geplant. „Ich würde mich freuen, wenn wir es doch noch erreichen könnten, Hermann Roesler an seiner alten Wirkungsstätte vor dem Vergessen zu bewahren“, hofft Kunze.

Axel Büssem

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