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Rostock Ostseecamp bringt schnelles Netz ans Wasser
Mecklenburg Rostock Ostseecamp bringt schnelles Netz ans Wasser
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17:40 29.03.2019
Oliver Behrens, Chef des Campingplatzes in Graal-Müritz, hält für seine Gäste und Strandbesucher Internet per W-LAN bereit. Auf drei unscheinbaren Holzpfählen werden die Hotspots installiert. Quelle: Ove Arscholl
Graal-Müritz

Den Sonnenuntergang am Strand gleich ins Netz posten, Urlaubsfotos von den Kleinen in die Familien-App schicken. Schnelles Internet am Strand von Graal-Müritz macht’s möglich. Oder besser Campingplatzbetreiber Oliver Behrens, der für die Gäste am etwa 1000 Meter langen Sandstrand vor dem Ostseecamp „Rostocker Heide“ derzeit fünf W-Lan-Points errichtet für kostenfreien digitalen Netzzugang.

Damit gehören die Graal-Müritzer durchaus zu den Vorreitern in Mecklenburg-Vorpommern. Das Ziel, freies W-Lan am Strand, verfolgen zwar auch andere Kommunen, doch vielerorts ist dies noch Vision. In Binz soll perspektivisch freies Gäste-W-Lan an Strand und Promenade kommen, in Baabe können Strandbesucher bei Buchung eines Strandkorbes W-Lan für zwei Euro dazu buchen. In Warnemünde wurde 2018 an der Seepromenade, Dünenaufgang 11, an der neuen Toilettenanlage ein Hotspot installiert. „Das Signal geht Richtung Strand“, sagt Stadtsprecher Ulrich Kunze. Der vordere Bereich könne damit abgedeckt werden.

Das rostockweite Netz „HROfreeWiFi“ umfasse derzeit 17 frei zugängliche Test-Standorte, acht davon im Ostseebad Warnemünde. „Wir wollen nicht den Strand ausleuchten“, stellt Kunze klar, sondern an bestimmten Punkten wie am Alten Strom, am Passagierkai und demnächst auch verstärkt auf der Promenade kostenfreies W-Lan anbieten. „Das ist eine Geste für die Touristen, vor allem für Kreuzfahrer und die Crews der Schiffe eine gute Möglichkeit der Kommunikation. Das erhöht einfach die Aufenthaltsqualität und da wollen wir auch innerhalb der Stadt noch zulegen“, sagt Kunze.

„Es ist heute ein Grundbedürfnis, überall online zu sein“, betont Graal-Müritz’ Campingplatzchef Behrens und stößt da auf volle Zustimmung bei seinen Kollegen. Digitalisierung mache vor den rund 200 Campingplätzen in MV nicht halt. „Unsere Camper haben hohe Ansprüche, arbeiten häufig auch im Urlaub ein, zwei Stunden im Netz“, erklärt Gerd Scharmberg, Sprecher des Landesverbandes der Campingwirtschaft. Die Plätze lägen vielfach außerhalb von Ortschaften, an Ufern und in Wäldern, das bringe technische Probleme mit sich. „Unsere Hoffnung ist der Breitbandausbau im Land“, betont Scharmberg. „Wir müssen auch digital die Voraussetzungen schaffen, nur dann kann die Campingbranche in Zukunft bestehen.“

Tobias Woitendorf, Vize-Geschäftsführer des Landestourismusverbandes, hofft auch auf die Landes-Offensive, in der bis 2021 rund 350 W-Lan-Angebote im touristischen Bereich entstehen sollen. Gerade im ländlichen Bereich sei die Netzabdeckung unzureichend, bemerkt Woitendorf. „Aber die Digitalisierung ist stetig vorangeschritten. Information, Planung, Buchung – das geschieht immer mehr online“, betont der Tourismusexperte. Auch die Kommunikation im und aus dem Urlaub habe zugenommen, werde vorausgesetzt. Dafür sei ein vernünftiges Netz nötig. „Wir unterstützen jede Verbesserung der Situation und freuen uns über lokale und unternehmerische Initiativen, wie in Graal-Müritz“, sagt Woitendorf.

Graal-Müritz befinde sich im Funkloch, beklagt der Ostseecamp-Betreiber. Schon am Parkplatz vor der Rezeption sei auch der letzte Netzbalken auf dem Handy weg. „Am Strand empfangen die Besucher dänisches Netz, weil das deutsche nicht funktioniert“, berichtet Behrens. Da der offizielle Breitbandausbau auf sich warten lässt, hat der Platzbetreiber Eigeninitiative entwickelt. „Wir haben keine zwei, drei Jahre mehr Zeit“, erklärt der 46-Jährige. „Die Gäste warten nicht, wir verlieren sie, wenn wir das digitale Problem nicht lösen.“ W-Lan sei bei Gästeanfragen inzwischen wichtiger als ein Stellplatz.

Vorsorglich hat Behrens daher im vergangenen Jahr für 60 000 Euro einen eigenen Richtfunkturm auf dem Campingplatz errichtet. Der empfängt das Signal aus Ribnitz-Damgarten, das über ein Netz von inzwischen rund 100 Hotspots auf dem Platz weiter verteilt wird. „Im Winter haben wir jetzt noch mal Points nachgerüstet“, sagt Behrens. Die Lage des Camps mitten im Wald erschwere die Installation. „Man muss das Signal über die Wohnwagen rüber bekommen, aber unterm Blätterdach bleiben“, erklärt der 46-Jährige, der im Sommer Kapazitäten für rund 3000 Personen auf seinem Terrain vorhält. Auf 500 Plätzen sind Dauercamper untergebracht, 500 Stellplätze sind Touristen mit Wohnwagen und Zelten vorbehalten.

„Das Umsonst-Netz ist mir wichtig“, betont der Graal-Müritzer Platzbetreiber. „Wir haben hier einen jungen Strandabschnitt mit vielen Familien, da bauen Kinder und Jugendliche schon Druck auf, wenn sie nicht ungestört ins Internet kommen können.“ In vielen Urlaubsländern sei freies W-Lan längst Standard, ob in Spanien, der Türkei oder Italien. Auch Schleswig-Holstein rüste auf und in Polen schlafe man auch nicht. „Wir liegen genau dazwischen und müssen aktiv werden“, sagt Behrens.

Behrens hat seine digitalen Angebote ohne Fördermittel gestemmt und inzwischen schon eine kleine IT-Abteilung auf dem Campingplatz. „Wir sind sogar von der Bundesnetzagentur als Telekommunikationsdienstleister zugelassen“, erzählt er schmunzelnd. Fällt das Netz aus, hagelt es gleich Beschwerden, hat der Betreiber in der letzten Saison festgestellt. Danken die Gäste das digitale Engagement? „Nein“, sagt Behrens, „es wird erwartet.“

Doch nicht nur Touristen, auch die Einheimischen sollen von der Infrastruktur profitieren. „Sie werden durch hohes Verkehrsaufkommen im Ort beispielsweise sehr belastet“, erklärt Behrens, der das W-Lan-Angebot nun weiterreicht, über eine eigene Richtfunkstrecke zur Greenhouse School in Graal-Müritz. „Seit drei Wochen steht die Verbindung zur Schule, eine 100 Mbit-Anbindung.“ Gesponsert vom Campingplatz. „Wir leben hier und wollen Einrichtungen unterstützen, die unsere Zukunft aufbauen“, erklärt Behrens sein Engagement.

Doris Deutsch

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