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Rostock Weniger Arbeitslosigkeit führt zur Fusion
Mecklenburg Rostock Weniger Arbeitslosigkeit führt zur Fusion
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17:18 18.12.2018
Das Jobcenter in Güstrow. Quelle: Doris Deutsch
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Güstrow

Ab 1. Januar 2019 gibt es im Landkreis nur noch ein Jobcenter. Die bisherigen Einrichtungen in Bad Doberan und Güstrow fusionieren. Landrat Sebastian Constien und Anke Diettrich, Leiterin der Agentur für Arbeit Rostock, haben gestern als Träger des Jobcenters eine entsprechende Gründungsvereinbarung unterzeichnet.

„Die drastisch gesunkene Arbeitslosigkeit macht die Neuaufstellung notwendig“, erklärt Constien. Doch für die Bürger werde es keine Einschränkungen geben, betont er. Alle Dienstleistungen würden weiterhin an allen Standorten, in Bad Doberan und Güstrow, und in Bützow, Teterow und Rostock, erbracht.

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Haben die beiden Jobcenter in den Altkreisen Bad Doberan und Güstrow 2005 noch rund 13 700 arbeitslose Menschen betreut, sind es heute nicht mal mehr 3800 Betroffene im Landkreis Rostock. Das sei auf die gute wirtschaftliche Entwicklung der Region, demografische Aspekte und die engagierte Arbeit in den Jobcentern zurückzuführen, sagt die Chefin der Arbeitsagentur. „Seit 2005 ist es den Mitarbeitern mehr als 45 000 Mal erfolgreich gelungen, Menschen dabei zu unterstützen, in Arbeit, Ausbildung oder Selbstständigkeit zu kommen“, lobt Diettrich. „Das ist eine sehr beeindruckende Zahl.“ Doch der Rückgang der Kundschaft ziehe auch strukturelle Veränderungen nach sich. „Mit der Fusion verschlanken wir den administrativen Bereich und optimieren die Abläufe vor Ort im Kundengeschäft,“ beschreibt es Diettrich.

Ab 1. Januar 2019 nimmt das Jobcenter des Landkreises mit seinen fünf Standorten die Arbeit auf. „275 Mitarbeiter, zu 60 Prozent Beschäftigte der Bundesagentur, zu 40 Prozent kommunale Mitarbeiter, sind dann für die Arbeitslosen da“, informiert Landrat Constien. Elf Funktionen seien mit dem neuen Gebilde eingespart worden, insgesamt wurden 30 Mitarbeiterstellen abgebaut. Einige Kollegen seien in Altersruhe oder aber auch zu ihren alten Arbeitgebern in Arbeitsagentur oder Kreisverwaltung zurückgekehrt. „Wir haben da dringend Bedarf“, betont Landrat Constien, der im Laufe des Fusionsprozesses schon etwa zehn Mitarbeiter der Jobcenter vor allem im sozialen Bereich aufnehmen konnte.

Agenturchefin Diettrich verweist darauf, dass es seit 2005 mit dem Rückgang der Arbeitslosenzahlen und der damit verbundenen Reduzierung der Bundesmittel für die Wiedereingliederung immer wieder personelle Anpassungen in den Jobcentern gegeben habe. „2008 haben wir noch rund 30 Millionen Euro vom Bund bekommen, 2018 waren es noch zwölf Millionen“, stellt Diettrich klar.

Zu den Liegenschaften der bisherigen Jobcenter erklärt Diettrich, dass das Gebäude in Güstrow komplett ausgelastet sei. „In Bad Doberan sind fünf, sechs Büros ungenutzt, die werden in nächster Zeit untervermietet.“

Chef des neuen Jobcenters mit Hauptsitz in Güstrow wird Dirk Ludwig. Der studierte Diplomverwaltungswirt ist vor 25 Jahren bei der Bundesagentur für Arbeit gestartet. Zehn Jahre sei er als Arbeitsvermittler tätig gewesen und seit 2004 in verschiedenen Führungspositionen. „Ich freue mich auf die neue Aufgabe“, sagt Ludwig, der in der Hansestadt Rostock groß geworden ist und heute mit Familie im Landkreis lebt.

Der 50-Jährige will mit seinen „kompetenten und motivierten Mitarbeitern“ die Langzeitarbeitslosigkeit weiter abbauen. Ganz neue Förderinstrumente stünden mit dem gerade vom Bundestag verabschiedeten „Teilhabechancengesetz“ zur Verfügung. „Wir wollen 110 Arbeitsplätze unterstützen mit 100 Prozent finanzieller Förderung für zwei Jahre“, kündigt Ludwig ein Projekt für 2019 an. Arbeitgeber könnten zudem Arbeitslose qualifizieren und bekämen einen Coach an die Seite gestellt.

Für diese neue Förderung wurden in den Jobcentern die Kundenstrukturen analysiert. Rund 1000 Langzeitarbeitslose im Landkreis würden die Bedingungen für das Programm formal erfüllen. „Wir brauchen auch ein Drei- bis Vierfaches an Kunden, um die Planziele diesbezüglich zu erreichen“, erklärt Ludwig, wohlwissend, dass nicht jeder Kunde passt oder die Maßnahme durchhält. Arbeitgeber seien schon an die Jobcenter herangetreten, in Bereitschaft, über diese Fördermöglichkeiten Mitarbeiter zu aquirieren. Ein Infobrief an Unternehmen sei im Umlauf, Termine mit Innungen und Kreishandwerkerschaft zum neuen Förderinstrument vereinbart.

 

Doris Deutsch

18.12.2018
18.12.2018
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