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Rostock Junge Lehrerin findet keine Stelle in MV
Mecklenburg Rostock Junge Lehrerin findet keine Stelle in MV
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05:40 25.06.2018
Katja Janenz (29) aus Rostock will als Lehrerin in MV - am liebsten in der Region Rostock - arbeiten. Seit vier Jahren gelingt ihr dies jedoch nicht. Quelle: Bernhard Schmidtbauer
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Rostock/Groß Pankow

MV sucht dringend Lehrer. „Vom Strand in die Schule“: Mit diesem Motto hat Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) jüngst eine Werbekampagne für neue Lehrer gestartet. Mit etwa 100 Großplakaten soll bei Urlaubern mit Lehrbefähigung Interesse geweckt werden. „Wir wollen Touristen und Heimkehrende ansprechen, die Familie oder Freunde im Land besuchen“, erklärt Hesse.

Das hört sich sehr schön an. Die Wirklichkeit jedoch sieht für Nachwuchs-Pädagogen oft anders aus. Katja Janenz (29) aus Rostock versucht bereits seit vier Jahre alles, um als Lehrerin in Mecklenburg-Vorpommern – am liebsten in Rostock und Umgebung – arbeiten zu können. Bis heute ist ihr dies jedoch nicht gelungen.

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„Ich arbeite zurzeit an einer Grundschule in Groß Pankow im nordwestlichen Brandenburg. Die Arbeit mit den Kindern macht mir sehr viel Spaß“, sagt sie. Aber: Sie wohne mit ihrem Freund in Rostock. Das sei schon ein riesiger Aufwand, ständig hin und her zu pendeln.

Drei Wartesemester nach Referendariat

Katja Janenz hatte sich das alles anders vorgestellt, als sie 2014 ihr Studium auf Lehramt Gymnasium für die Fächer Biologie und Geschichte an der Universität Rostock abgeschlossen hatte. Schon beim Referendariat hat es mächtig gehakt. „Anderthalb Jahre habe ich keine Stelle in MV gefunden“, berichtet sie. Nach drei Wartesemestern habe sie dann einen Platz erhalten müssen.

In der Zwischenzeit hatte sie sich notgedrungen außerhalb von MV orientiert: „Ein Jahr war ich Vertretungslehrerin an einer Schule in Neustadt in Holstein, für 18 Wochenstunden“, erzählt sie. Das folgende halbe Jahr sei sie dann Vertretungslehrerin in Pritzwalk (Brandenburg) gewesen – wenigstens in ihrer Fächerkombination Bio/Geschichte. In MV habe es für sie nicht einmal eine solche befristete Stelle gegeben.

Nur: „Meinem Traum, als Lehrerin in MV zu arbeiten und hier eine Familie zu gründen, bin ich noch keinen Schritt näher gekommen“, betont Katja Janenz. Sie fühle sich mittlerweile alleingelassen und verloren im Bewerbungs-Dschungel. Das Verfahren sei für sie nicht durchschaubar. „Ich bin sehr gern Lehrerin, aber diese Perspektivlosigkeit demotiviert mich.“

Dabei hat sie einiges unternommen. „Ich habe dem Schulrat im Schulamt Rostock oft mein Leid geklagt.“ Passiert sei nichts, nur an einer Förderschule sei ihr eine Stelle angeboten worden. „Das ist doch Wahnsinn. Als junge Gymnasiallehrerin könnte ich an einer Förderschule wohl kaum kompetenten Unterricht sicherstellen“, betont sie.

Dutzende erfolglose Bewerbungen

35 Bewerbungen hat die junge Frau abgeschickt, an Gymnasien, Regionalschulen, Grundschulen. Nur zu zwei – ergebnislosen – Gesprächen sei sie eingeladen worden. Und an Privatschulen habe sie ebenfalls keine Stelle gefunden. „Dort werden zwar händeringend Lehrkräfte gesucht, meiner Erfahrung nach aber teilweise mit fragwürdigen Arbeitsverträgen und einem Verdienst jenseits der staatlichen Stellen abgespeist“, sagt sie.Die junge Frau bemüht sich jetzt um ein ergänzendes Studium für das Fach Kunst und Gestaltung an der Universität Greifswald. „Sollte meine Bewerbung Erfolg haben, würde das mit dem Studienort wieder mindestens zwei Jahre Pendelei bedeuten“, betont sie.

An der Grundschule im brandenburgischen Groß Pankow fühle sie sich zwar gebraucht. Aber: „Diese Stelle habe ich nur angenommen, weil ich ansonsten Hartz IV hätte beantragen müssen“, erklärt Katja Janenz.

Bernhard Schmidtbauer

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