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Rostock Kampf um die „Hiorten“: Warum Rostocks Ex-OB ein schwedisches Postschiff retten will
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Kampf um die „Hiorten“: Warum Rostocks Ex-OB ein schwedisches Postschiff retten will

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09:18 15.12.2019
Festtag für die deutsch-schwedische Freundschaft: Am 8. Mai 1999 lief der Nachbau des historischen Postseglers „Hiorten“ erstmals in Warnemünde ein. Nun will Rostock das Schiff retten. Quelle: Hartmut Klonowski
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Rostock/Karlskrona

Ziemlich genau 100 Tage Pause hat sich Rostocks Ex-Oberbürgermeister Roland Methling seit dem Ausscheiden aus dem Amt gegönnt. Nun ist er wieder da – und widmet sich statt des Altenteils einer Herzensangelegenheit: Der ehemalige Rathaus-Chef der größten Stadt des Landes will ein deutsch-schwedisches Vorzeigeprojekt retten, den Traditionssegler „Hiorten“. Denn die „Hiorten“ und ihre Schwesterschiffe waren die Vorgänger der heutigen Ostsee-Fähren, wegweisend für den Handel über das „Mare Balticum“ bis heute.

Vorläufer der „Königslinie“

Die „Hiorten“ – das ist ein gut 15 Meter langer Zweimaster mit langer Geschichte. Bereits Ende des 17. Jahrhunderts wurde der erste Segler mit diesem Namen gebaut. Als Postschiff. „Damals waren große Teil unseres Landes von Schweden besetzt“, erklärt Methling. Damit die Truppen und Verwaltungsbeamten im besetzten Landesteil Kontakt zur Heimat halten konnten, wurde die „Hiorten“ gebaut. Sie brachte Briefe, Befehle, Passagiere und auch Geld von Ystad nach Stralsund. „Die ,Hiorten’ war so etwas wie die erste Fährverbindung von Deutschland nach Schweden, quasi die Ur-Königslinie“, sagt Methling.

So soll das Original der „Hiorten“ ausgesehen haben, das im Jahre 1692 vom Stapel lief. Quelle: OZ-Archiv

Nach einigen Jahren im Dienst verliert sich die Spur des alten Schiffes. In historischen Quellen heißt es lediglich, das Schiff – eines von insgesamt vier Postseglern der Schweden – sei 1702 für 487 Silbermünzen verkauft worden. „Was danach mit dem Schiff passierte, wissen wir bis heute nicht“, so Methling. „Es ist verschwunden.“

Methlings Liebe zum Meer

Jeder, der Roland Methling kennt, weiß um seine wahre Liebe: die Schifffahrt. Seine berufliche Laufbahn begann er als Technologe im Rostocker Hafen. Nach der Wende baute er die Hanse Sail auf – und führte sie bis zum Jahr 2005. Danach wechselt er als OB in das Rostocker Rathaus. Aber von der Schifffahrt, vor allem von Traditionsschiffen, konnte er nie lassen: Noch als Oberbürgermeister wurde er Vorsitzender des Vereins Tradition Ostseeschifffahrt, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, das maritime Erbe Rostocks und ganz Mecklenburg-Vorpommerns zu retten. Das nächste Projekt des Vereins ist die „Hiorten“. Genauer gesagt: Methling und seinen Mitstreitern geht es um einen originalgetreuen Nachbau des alten Postseglers.

Eine Zeichen der Zusammenarbeit

„1995 wuchs in Rostocks Partnerstadt Karlskrona die Idee, die ,Hiorten‘ nachzubauen“, erinnert sich Methling. In der Stadt an der Südküste Schwedens entstand damals gerade der Neubau eines Marinemuseums – inklusiver historischer Werft. Der Nachbau des Postseglers wurde zu einem Gemeinschaftsprojekt beider Städte: In Rostock sammelten der Hanse Sail-Verein und der Unternehmerverband insgesamt rund 100 000 Mark für den Bau des Zweimasters.

1999 brachte die Deutsche Post sogar eine Sondermarke mit dem Postsegler „Hiorten“ heraus. Quelle: OZ-Archiv

1998 starteten schließlich die Arbeiten an dem Schiff. Zur Taufe kam sogar der schwedische König und die Deutsche Post widmete dem Projekt 1999 eine Sonderbriefmarke. Einige Jahre pendelte der Segler zwischen Rostock und Karlskrona, die Touren finanzierten abwechselnd deutsche und schwedische Sponsoren. „Das war ein echtes Gemeinschaftsprojekt. Ein Zeichen der Zusammenarbeit im Ostseeraum und unserer gemeinsamen, wechsel- und hoffnungsvollen Geschichte“, sagt Methling. Der Nachbau der „Hiorten“ – er sei Symbol für das Erstarken des Ostseehandels auch nach der Wende gewesen.

Auf Grund gelaufen

Doch wie dem Original aus dem Jahr 1692 war auch der 1998er „Hiorten“ das Glück nicht dauerhaft hold: Nachdem das Schiff bis dahin das Flaggschiff der großen Baltic Sail-Regatten und Stammgast bei der Hanse Sail gewesen war, ging es ab 2009 bergab. „Damals wechselte die Museumsleitung in Karlskrona. Die neuen Verantwortlichen wollten das Schiff nicht mehr haben.“ Erst ging es an einen Verein, dann an einen privaten Eigner. 2012 war die „Hiorten“ zuletzt in Rostock. „2016 lief sie auf Grund“, berichtet Methling. Der Eigentümer – ein 76-jähriger Schwede – ließ das Schiff zwar bergen, aber seitdem fristet es ein trauriges Dasein.

Der Nachbau des Holzkrans am Stadthafen wurde einst für die „Hiorten“ errichtet. Dort soll wieder ihr Liegeplatz sein. Quelle: OVE ARSCHOLL

„Wir wollen es nun retten“, sagt Methling. 30 000 Euro möchte der Eigner für das Schiff haben. Die Sanierung der „Hiorten“ wird weitere rund 20 000 Euro kosten. „Wir sammeln nun Spenden für das Projekt“, sagt Methling. Er will die „Hiorten“ nach Rostock holen. „Der Liegeplatz soll im Stadthafen sein – am Nachbau des historischen Holzkrans.“ Denn der sei dereinst extra für die „Hiorten“ errichtet worden. „Dort soll sie ein Zuhause bekommen.“ Das Schiff soll wieder an der Hanse Sail teilnehmen, regelmäßig zu Fahrten im Revier starten. Der Oberbürgermeister a. D. würde sich damit auch einen eigenen Traum erfüllen, der ihm zu Amtszeiten verwehrt blieb: Schon damals wollte Methling gerne eine „Stadtyacht“ haben, ein eigenes Traditionsschiff für die stolze Hansestadt.

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