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Rostock Kampf um Babys: Uni-Klinik will Rostocker Geburtenstation Konkurrenz machen
Mecklenburg Rostock

Kampf um die Kinder: Uni-Klinik will Rostocker Geburtenstation Konkurrenz machen

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18:08 17.12.2019
Mit mehr als 3000 Geburten pro Jahr zählt die Rostocker Südstadt-Klinik zu den größten Geburtskrankenhäusern in Deutschland. Nun will die Uni ihr Konkurrenz machen. Experten aber warnen davor (Symbolbild). Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock

Das Leben – es beginnt in Rostock in der Südstadt. Im Klinikum Südstadt, um genau zu sein. Doch geht es nach den Professoren der Uni-Klinik gehört die Geburtenstation dort bald der Vergangenheit an: Der Fakultätsrat hat am Montagabend beschlossen, die seit 1999 bestehende Kooperation zwischen der Uni-Medizin und der Hansestadt Rostock zu kündigen. Die Uni will einen eigenen Kreißsaal aufbauen – und dem städtischen Krankenhaus Konkurrenz machen. Wenn Stadt und Uni sich nun aber um Personal und Geburten streiten, könnte das nicht zu einer besseren, sondern einer schlechteren Versorgung der mehr als 3000 Babys pro Jahr führen. Das jedenfalls fürchten Rathaus und Stadtpolitik. Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen fordert deshalb ein Machtwort der Ministerpräsidentin gegenüber „ihrer“ Uni.

Uni will eigenen Kreißsaal

Im Juni 1999 wurde jene Kooperation geschlossen, die der Dekan der Uni-Medizin – Prof. Emil Reisinger – nun aufkündigen will. Damals waren die Geburtenraten niedrig. Die Uni und die Südstadt-Klinik einigten sich darauf, ihre Kräfte zu bündeln. Die Universitätsfrauenklinik zog in das städtische Krankenhaus, die Neugeborenen-Medizin ebenfalls. Führenden Vertretern der Uni-Klinik ist das aber ein Dorn im Auge. Sie sehen dadurch die umfassende Ausbildung von neuen Medizinern an der Hochschule gefährdet. Die Entscheidung vor 20 Jahren – sie sei laut Reisinger „eine nicht hinnehmbare Schwächung der Universitätsmedizin“ und „könnte die Versorgung der Kinder gefährden“. Ums Geld dürfte es dabei auch gehen: Während die Uni auf Rekordverluste zusteuert, macht die Südstadt – auch mit den Geburten – seit Jahren Millionen-Gewinne.

Prof. Dr. Emil Reisinger, Vorstandsmitglied der Unimedizin Rostock   Quelle: Martin Börner

Neubau an der Schillingstraße geplant

Allen voran der Dekan will deshalb nicht mehr mit der Stadt zusammenarbeiten: Der Fakultätsrat – ein gewähltes 22-köpfiges Gremium, das sich vornehmlich mit Fragen von Forschung und Lehre befasst – folgte nun seinem Antrag, die Kooperation mit der Südstadt zu beenden und wieder eine eigene Geburtshilfe an der Uni aufzubauen. Auch das einst von der Südstadt-Klinik entwickelte Konzept einer gemeinsamen, neuen Kinderklinik – besser bekannt als Eltern-Kind-Zentrum – will er alleine umsetzen. Und zwar an der Schillingallee. Reisinger sagt: „90 Prozent der in Rostock behandelten Kinder und Jugendlichen werden durch die Universitätsmedizin versorgt.“ Es mache daher keinen Sinn, die Kinderklinik abzugeben. „Vor allem haben wir die Verantwortung und den ethischen Anspruch, schwerkranke Kinder und Jugendliche mit allen Möglichkeiten, die nur ein Universitätsklinikum als Maximalversorger zur Verfügung hat, bestmöglich zu versorgen.“

Klinikchef warnt vor Alleingang

In Rostock kommt die Entscheidung der Uni allerdings überhaupt nicht gut an – im Gegenteil. Steffen Vollrath, Direktor der Südstadt-Klinik, ist auf keinen Fall bereit, seine Geburtenstation aufzugeben und warnt vor der möglichen Konkurrenz in der Stadt: „Nach unserer Auffassung würde eine zweite Frauenklinik in Rostock – verbunden mit einer Teilung von sehr gut funktionierenden medizinischen Strukturen – nicht zu einer Verbesserung der Situation für Mütter und Neugeborene führen. Wir wollen weiter an der langjährigen Kooperation mit der Uni-Medizin festhalten.“

Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen Quelle: OVE ARSCHOLL

Madsen schaltet Schwesig ein

Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen reagiert ebenfalls irritiert – schlägt aber offiziell versöhnliche Töne an: „Rostock und das Klinikum Südstadt können auf eine erfolgreiche, schon zwei Jahrzehnte lang bewährte Kooperation mit der Universität Rostock blicken. Wir sind im Vertrauen auf weitere gemeinsame Entwicklungen in Vorleistung gegangen, ermöglichen universitäre Forschung und Lehre auch in unserem Krankenhaus und haben gemeinsam eine der größten und bedeutendsten Geburtskliniken Deutschlands entwickelt. Die hier vorhandene Erfahrung und Fachkompetenz gibt Eltern in ganz MV die Sicherheit optimaler medizinischer Betreuung.“ Er sei überzeugt, dass es richtig ist, diese Kooperation nicht nur fortzusetzen, sondern mit dem Bau des Eltern-Kind-Zentrums auch auf eine „neue, höhere Stufe“ zu führen.

Madsen wandte sich am Dienstag an die Belegschaft des Südstadt-Klinikums, versucht die Mitarbeiter zu beruhigen. In einem Schreiben an Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) schreibt er, dass er bewusst versöhnlich geblieben sei – aber er fordert von Schwesig eine schnelle Reaktion. Auch in Richtung der Uni-Fakultät.

Brodkorb: Beschluss folgenlos

Der Beschluss der Fakultät, eine eigene Geburtenstation bauen zu wollen – er kommt auch einem Affront gegen den neuen Aufsichtsratschef der Uni-Medizin, Ex-Minister Mathias Brodkorb, gleich. Nach OZ-Informationen soll Brodkorb vor einer solchen Entscheidung gewarnt haben. Der Beschluss ist aber folgenlos. Nicht die Fakultät entscheidet über die klinische Arbeit der Uni-Medizin: „Das alles ändert nichts daran, dass demnächst mit allen Beteiligten Gespräche über die bestmögliche kinderärztliche Versorgung am Standort Rostock geführt werden.“

CDU: „Auswirkungen kaum abschätzbar“

Aus das Rostocker Politik kommt deshalb scharfe Kritik an der Uni-Medizin – auch von erfahrenen Medizinern: Die Fakultät „konterkariert eine ausgewogene Lösung zum Wohl der Patienten und der Kommune“, sagt der Internist Dr. Heinrich Prophet, Medizin-Experte der Rostocker CDU/UFR-Fraktion. „In Zeiten klammer Kassen sind ihre finanziellen Auswirkungen kaum abschätzbar. Eine funktionierende, erfolgreiche und im übrigen in allen relevanten Belangen universitäre Klinik soll aus wenig stichhaltigen Gründen in eine unklare Zukunft ,umgepflanzt’ werden.“

Auch Linken-Chefin Eva-Maria Kröger wird deutlich: „Das ist ein Affront gegen alle, die sich um eine gute Lösung bemüht haben. Diese Entscheidung gefährdet die größte Geburtsklinik des Landes und schadet somit auch den Menschen in der Region. Die Landesregierung wird sich fragen müssen, ob sie dieses Vorhaben unterstützen möchte oder deutlich macht, dass sie weiterhin eine Kooperation möchte.“ Und weiter: „Offenbar ist der Egoismus einiger Professoren größer als eine gute Lösung für die Allgemeinheit.“

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