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Rostock Kaum bestellt, schon geliefert: Rostocker hoffen auf schnelleren Amazon-Versand
Mecklenburg Rostock Kaum bestellt, schon geliefert: Rostocker hoffen auf schnelleren Amazon-Versand
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11:27 11.10.2019
So wie dieses – erst vor Kurzem in Erfurt eröffnete – Verteilzentrum könnte auch die geplante Amazon-Niederlassung Dummerstorf aussehen. Quelle: dpa
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Dummerstorf

Einsam steht ein Bagger auf dem Feld nahe der Autobahn. Das Gelände hinter dem Norma-Logistikzentrum bei Dummerstorf wird gerade archäologisch untersucht. Viel spannender als mögliche Schätze im Untergrund ist aber, für wen hier schon der Boden bereitet wird: Der Versandhausriese Amazon, eines der drei wertvollsten Unternehmen der Welt, will sich in dem verkehrsgünstig gelegenen Gewerbepark nahe der A 20 ansiedeln und plant den Bau eines neuen Verteilzentrums.

Dummerstorfs Bürgermeister Axel Wiechmann (CDU) bestätigt konkrete Gespräche mit dem Weltkonzern. Doch sowohl Amazon selbst als auch die Schweriner Ministerien halten sich zu einer möglichen Ansiedlung bedeckt. „Wir führen Gespräche mit vielen Investoren für Gewerbegebiete bei uns in Mecklenburg-Vorpommern. In diesen Gesprächen wird stets Vertraulichkeit vereinbart“, erklärt beispielsweise Wiebke Wolf aus dem Wirtschaftsministerium. Auch in der Verwaltung des Landkreises Rostock bestätigt niemand die Amazon-Pläne – zumindest nicht offiziell.

Optimierte Lieferung auf der „letzten Meile“

Der E-Commerce-Riese spannt sein Logistiknetzwerk enger und setzt dabei vor allem auf kleine Verteilzentren, die seit rund eineinhalb Jahren wie Pilze aus dem Boden sprießen. Damit will Amazon vor allem die Lieferung der Waren auf der sogenannten „letzten Meile“ zwischen Lager und Kunden optimieren. Statt wie bisher auf Paketdienste, wie DHL oder Hermes, wird dabei auf eigene Zusteller oder kooperierende Transportunternehmen aus der Region gesetzt.

In insgesamt 13 großen Logistikzentren bundesweit werden die Waren gelagert. Das jüngste wurde im August dieses Jahres in Mönchengladbach eröffnet. Für MV sind die nächsten in Berlin und Hamburg. Von dort aus gelangen die bestellten Waren in eines von drei regionalen Sortierzentren, wo sie nach Postleitzahlen vorgeordnet und direkt an die nächstkleinere Einheit, die Verteilzentren, weitergeleitet werden.

Paket kommt noch am gleichen Tag an

Die verringerten Wege machen unter anderem eine Lieferung der Waren am gleichen Tag möglich. Darauf hoffen auch die Online-Kunden aus MV. Bisher ist die „Same Day“-Lieferung nur in 20 Metropolregionen Deutschlands möglich.

Je kürzer die Strecke zwischen Lager und Kunde, desto wahrscheinlicher wird auch der Einsatz modernster Liefertechnik. Immerhin werden in den USA bereits Roboter sowie Drohnen für die Zustellung der Waren getestet – vielleicht ja auch bald in Rostock.

Neue Jobs, aber Kritik an den Löhnen

Erst Ende September hat der Konzern ein Verteilzentrum in Erfurt eingeweiht und beliefert von dort aus nun Kunden in großen Teilen Thüringens. Rund 100 Arbeitsplätze wurden vor Ort geschaffen. Dazu kommen neue Jobs bei Transportunternehmen, mit denen Amazon kooperiert.

Ähnlich könnte es auch in Dummerstorf werden. „Deshalb freut uns eine solche Ansiedlung auch unabhängig davon, ob die Gewerbesteuer am Standort gezahlt wird. Denn wir als Gemeinde leben ja auch von Einkommens- und Mehrwertsteuern und der Wertschöpfung in der Region“, reagiert Axel Wiechmann auf kritische Stimmen, die Neuansiedlungen von Amazon immer wieder begleiten.

Der sogenannte „Shopfloor“ des Amazon Verteilzentrums für Pakete und Päckchen in Erfurt vor dem Betriebsstart. Quelle: dpa

Der Konzern steht vor allem wegen der Bezahlung der Mitarbeiter in der Kritik. Laut Medienberichten werden im neuen Verteilzentrum Erfurt Einstiegs-Stundenlöhne von 10,78 Euro gezahlt. Auf der Amazon-Webseite ist zu lesen, dass die Logistikmitarbeiter in Deutschland mindestens 11,10 brutto pro Stunde verdienen würden. „Dazu kommen Leistungen für die betriebliche Altersversorgung, eine kostenlose Lebens- und Erwerbsunfähigkeitsversicherung, Familienboni oder Mitarbeiterrabatte“, heißt es online. Nach Unternehmensangaben sind derzeit bundesweit rund 13 000 Menschen festangestellt für Amazon tätig.

Baut der Onlineriese noch mehr in MV?

Die Neuansiedlung stellt aber auch die Gemeinde Dummerstorf vor Herausforderungen. „Wir müssen noch die Infrastruktur weiter ausbauen, um die Bürger durch die Verkehre nicht über Gebühr zu belasten“, sagt Bürgermeister Axel Wiechmann. Schließlich befindet sich vor Ort bereits das Norma-Logistikzentrum, Ende des Jahres wollen noch eine McDonalds-Filiale sowie eine Aral-Tankstelle eröffnen.

Gut möglich, dass das noch nicht alles war. „Es gibt auch bei Amazon Bestrebungen, zu prüfen, ob am Standort Dummerstorf noch mehr geht“, sagt Wiechmann. Während die Gespräche für das neue Verteilzentrum sehr konkret sind, wären weitere Überlegungen aber noch in einer ganz frühen Phase.

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Von Claudia Labude-Gericke und Doris Deutsch

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