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Rostock Kinderärzte fordern: „Rostock braucht eine neue Klinik für die Kleinen“
Mecklenburg Rostock

Kinderärzte fordern: „Rostock braucht eine neue Klinik für die Kleinen“

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15:12 21.12.2019
Er spricht für Rostocks Kinderärzte: Hagen Straßburger fordert, dass Uni und Stadt sich schnellstmöglich auf den Bau einer neuen Kinderklinik einigen. Die habe die Region dringend nötig. Quelle: Dietmar Lilienthal
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Rostock

Dass die Professoren der Uni-Medizin nicht mehr mit dem Südstadt-Krankenhaus zusammenarbeiten, eine eigene Geburtenstation aufbauen und die neue Rostocker Kinder-Klinik an sich reißen wollen – dafür gab es aus dem Rathaus und der Stadtpolitik schon eine Menge Ärger.

Die schärfste Kritik kommt jetzt aber aus berufenem Munde: Rostocks Kinderärzte werfen der Uni-Klinik vor, die kleinen Patienten viel zu lange nur stiefmütterlich behandelt zu haben. „Was die Uni jetzt macht, ist eine echte Gefahr für die medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen“, sagt Hagen Straßburger, Regional-Chef des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Rostock braucht eine neue Kinderklinik

Straßburger ist niedergelassener Kinderarzt, hat seine Praxis in Lütten Klein – und er hatte sich eigentlich darauf gefreut, dass die Versorgung schwerkranker Kinder endlich besser wird: „Seit sieben Jahren diskutieren die Kliniken den Bau des Eltern-Kind-Zentrums. Eigentlich sollte ja bereits in diesem Jahr Baustart sein.“ Dass die Uni nun die Planungen für die neue Kinderklinik am Standort Südstadt aufgeben und von vorne anfangen will, jahrelange Verzögerungen in Kauf nimmt – „das empfinden wir als irritierend“, sagt Straßburger. Und das ist noch höflich formuliert.

Kritik üben die Kinderärzte im BVKJ vor allem an Dekan Prof. Emil Reisinger: „Seit er da ist, liegt alles auf Eis. Das ist schade.“ Die niedergelassenen Ärzte – also jene, die täglich mit kranken Kindern zu tun haben – fordern, dass es endlich eine schnelle Entscheidung in der Causa gibt und einen raschen Baustart: „Wir brauchen in Rostock ein spezialisiertes Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin. Ein Ort, an dem schwerkranke Kinder rund um die Uhr bestens behandelt werden können, und an dem Fachkollegen für alle Disziplinen gemeinsam zum Wohlergehen der kleinsten Patienten arbeiten.“

Wenn heute ein Kind in der HNO-Klinik an der Doberaner Straße operiert wird, liegt es auch dort. „Kommt es aber zu Komplikationen nach dem Eingriff, muss es quer durch die Stadt in die Schillingallee gefahren werden.“ Das sei medizinisch kaum vertretbar. „Deshalb brauchen wir eine Kinderklinik.“

„Seit 20 Jahren Probleme an der Uni“

Ob die Uni-Medizin Rostock der richtige Ort dafür ist – Straßburger zweifelt das an: „Exzellente Kindermedizin haben wir dort seit 20 Jahren nicht mehr.“ Über die Jahre habe die Kinderheilkunde zu wenig Aufmerksamkeit erfahren. „Peu à peu wurden Stationen geschlossen. Im Winter ist es jetzt so, dass die Klinik an manchen Tagen gar keine neuen Patienten mehr aufnehmen kann und dürfte“, sagt Straßburger. Es fehlt an Personal und Betten.

Einen Kinder-Kardiologen gibt es beispielsweise an der Uni seit langer Zeit nicht mehr. Noch ein Beispiel: Die Kinderchirurgie existiere quasi so nur noch auf dem Papier. „Da gibt es so viele Verflechtungen mit der ,normalen’ Chirurgie. Das aber ist ein bisschen schwierig.“ Was ihm noch zu denken gibt: „Die Helios-Klinik in Schwerin behandelt schon seit Jahren mehr Kinder als die Uni Rostock – obwohl rund um Schwerin weniger Kinder leben und geboren werden.“

„Südstadt bildet mehr Kinderärzte aus“

Wenn Reisinger sich nun mit seiner Position durchsetze, die Uni eine eigene Geburtenstation aufbaue und auch die Kinderklinik im Alleingang betreiben will, werde sich der Neubau in Rostock „um zehn Jahre verzögern“, so Straßburger. Und: „Wir haben gar nicht genug Fachärzte, um zwei Geburtenstationen in Rostock zu betreiben.“

Die Argumente, die der Dekan der Uni gegen eine Kinderklinik in der Südstadt zu Felde führt, kann Straßburger entkräften: „Es stimmt einfach nicht, dass die Geburtenstation zurück an die Uni muss, um Mediziner dort komplett ausbilden zu können. Die Ausbildung ist seit zwei Jahrzehnten durch den Kooperationsvertrag mit der Südstadt-Klinik gesichert.“ Und außerdem: In der Südstadt-Klinik würden mehr Kinder-Fachärzte ausgebildet als an der Uni.

Auch wirtschaftliche Gründe sieht er keine, die für die Uni sprechen: „Wenn wir ein hoch spezialisiertes Zentrum für Kindermedizin aufbauen, werden wir auch kleine Patienten aus anderen Regionen und Bundesländern zu uns locken können.“ Das wiederum bringe Geld ein.

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Von Andreas Meyer

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