Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Erfolgreiche Behandlung: Mohammad und Monir werden in ihre Heimat entlassen
Mecklenburg Rostock Erfolgreiche Behandlung: Mohammad und Monir werden in ihre Heimat entlassen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:18 28.03.2019
Monir (8) und Mohammad (8) haben in Stationsassistentin Sylvia Hundt eine "Ersatz-Mutti" gefunden. Im Hintergrund steht das Team, das sich liebevoll um die beiden Patienten gekümmert hat. Quelle: Susanne Gidzinski
Rostock

Fröhlich rennen sie die Flure der Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgie der Universitätsmedizin Rostock entlang, erkunden neugierig die Umgebung und naschen Schoko-Osterhasen in ihren Betten. „Ein toller Anblick“, sagt Stationsschwester Katy Hermann sichtlich gerührt. Noch vor sechs Wochen sei das undenkbar gewesen, denn die beiden Jungen Monir und Mohammad (beide 8) litten unter starken Schmerzen aufgrund chronischer Knocheninfektionen am Unterschenkel und an der Ferse. Zweimal mussten sie operiert werden. Heute ist von ihrem Leiden kaum noch ­etwas zu merken und sie können wieder in ihre Heimat entlassen werden.

„Die Behandlung ist gut verlaufen – schneller als gedacht“, berichtet Hermann. Ursprünglich sei der Aufenthalt der Jungs für ein halbes Jahr angedacht gewesen. „In solchen Fällen ist es schwierig, den Krankheits- und Genesungsverlauf einzuschätzen“, wie Oberarzt Axel Sckell erklärt. Umso glücklicher ist er, dass er die kleinen Patienten schon früher entlassen kann.

Behandlung: Antibiotika und zwei OP´s

Um wieder gesund zu werden, mussten die Kinder einen weiten Weg und die Trennung von ihren Familien auf sich nehmen. Sie kommen aus dem Krisengebiet Afghanistan und sind für die Operation extra nach Deutschland gereist, weil ihnen zu Hause, wegen mangelnder medizinischer Versorgung, nicht geholfen werden konnte, wie Prof. Dr. Thomas Mittlmeier, Leiter der Chirurgischen Klinik, mitteilt.

In den ersten beiden Wochen wurden die Kleinen durchgecheckt und geimpft. „Die Informationen, die wir über den Zustand der beiden hatten, waren eher rudimentär“, sagt Sckell. Wie es zu den Infektionen gekommen ist, können die Ärzte nicht sagen. Sowohl eine Verletzung als auch Tuberkulose könnten die Ursache sein. Im Anschluss folgten jeweils zwei Operationen. Die erste, um Gewebeproben zu entnehmen und sogenannte Antibiotikaketten einzusetzen. Eine weitere OP war notwendig, um diese wieder zu entfernen. „Zusätzlich haben beide Antibiotika über die Vene erhalten“, erklärt der Oberarzt.

Verständigungsprobleme der besonderen Art

Auch wenn man annehmen könnte, dass die Jungs verwandt sind, so stammen sie aus unterschiedlichen Familien. Sie kuscheln miteinander vor dem Schlafengehen, spielen in ihrem gemeinsamen Zimmer und zanken sich wie Geschwister. „Sie passen gegenseitig aufeinander auf, obwohl sie sich vorher gar nicht kannten“, erzählt Stationsassistentin Sylvia Hundt. Sie hat die Kinder seit ihrer Ankunft in der Hansestadt betreut. Von ihren Kollegen wird sie liebevoll als „Ersatz-Mutti“ bezeichnet. Um Monir und Mohammad den Aufenthalt so angenehm wie nur möglich zu gestalten, haben sich die Krankenhausmitarbeiter mächtig ins Zeug gelegt. Rund um die Uhr kümmerte sich jemand um sie. Zum achten Geburtstag von Mohammad sind Hundt und ihre Familie mit den Jungen in den Zoo gefahren. „Das war einfach nur schön“, sagt sie. Die Stationsassistentin hat die Kinder in ihr Herz geschlossen. „Beim Abschied werden mit Sicherheit Tränen fließen“, sagt sie.

Trotz der fremden Umgebung und Sprache haben die Kinder alles mitgemacht. „Eine Anästhesistin konnte oftmals übersetzen“, meint Hermann. Dennoch lief die Verständigung nicht immer einwandfrei, wie Hundt bestätigt: „Immer wenn wir ihnen signalisieren wollten, dass etwas gut ist, haben wir mit dem Daumen nach oben gezeigt.“ Ein lustiger Fehler, wie sich herausstellte. Denn: In der Region, aus der die beiden Buben stammen, bedeutet dieses Handzeichen so viel wie: „Ich muss auf Toilette“. „Anfangs müssen sie sich gewundert haben, wieso hier ständig alle aufs Klo müssen“, sagt Hundt und lacht.

Kooperation mit dem Friedensdorf

Zustande kam der Kontakt zu den afghanischen Patienten über die Aktion Friedensdorf mithilfe von Uni-Rektor Wolfgang Schareck. Die Vereinigung unterstützt notleidende Menschen, indem verletzte und kranke Kinder an europäische Kliniken vermittelt werden. Rund 1500 sind das im Jahr, wie Axel Sckell berichtet. Die Kosten für die Behandlung der Jungen übernimmt die Unimedizin. „Wir werden uns in Zukunft ein- bis zweimal im Jahr an der Aktion beteiligen“, kündigt der Leiter der Chirurgischen Klinik an.

Susanne Gidzinski

Umfragen haben ergeben, dass über 90 Prozent der Menschen Blutspenden für gut und wichtig halten. Die Frage, ob sie selber spenden würden, beantworten nur noch 60 Prozent mit einem „Ja“.

28.03.2019
Rostock Engagement zur Förderung krebskranker Kinder - Rostocker Verein hilft verzweifelten Eltern

Sie sind da, wenn die Welt von Familien aus den Fugen gerät: Der Rostocker Verein zur Förderung krebskranker Kinder hat mit viel Engagement Großes erreicht.

27.03.2019

Zum Semesterstart erklärt Justizministerin Katy Hoffmeister dem Publikum, wieso Unrecht bestraft wird. Eigens dafür inszenierte sie eine Gerichtsverhandlung.

27.03.2019