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Rostock Klärschlamm-Verbrennung in Rostock: Der Fahrplan für das Fäkalien-Kraftwerk
Mecklenburg Rostock

Klärschlamm-Verbrennung in Rostock: Das ist der Zeitplan für das Fäkalien-Kraftwerk

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18:00 20.01.2020
Das Rostocker Klärwerk an der Carl-Hopp-Straße: Was hier nach der Reinigung übrig bleibt, soll verbrannt werden. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock

Es ist ruhig geworden um eines der umstrittensten Bauvorhaben in der Hansestadt: Seit die Bürgerschaft im Frühjahr 2019 Ja zum Bau einer Klärschlamm-Verbrennungsanlage mitten in Rostock sagte, ist von dem 50-Millionen-Euro-Projekt kaum noch etwas zu hören. Doch hinter den Kulissen laufen die Planungen weiter auf Hochtouren, versichert Klaus Rhode, Geschäftsführer des Bauherrn – der Klärschlammkooperation MV (KKMV).

Hintergrund: Früher durften die Abwasserbetriebe und -zweckverbände die letzten Überbleibsel aus ihren Kläranlagen auf Feldern und Äckern entsorgen. Der Klärschlamm landete als Dünger in der Landwirtschaft. Doch das haben EU und Bundesregierung untersagt. Denn der Schlamm enthält Stoffe, die besser nicht in die Natur gelangen – und Stoffe, die Industrie und Chemie dringend benötigen. Allen voran Phosphor.

Schlamm aus ganz MV für Rostock

Die KKMV will deshalb in unmittelbarer Nachbarschaft zum größten Klärwerk des Landes – der Rostocker Anlage von Nordwasser – eine Verbrennungsanlage samt modernster Technik zur Phosphorrückgewinnung bauen. Die 15 Gesellschafter der Kooperation wollen künftig ihren gesamten Schlamm aus ganz MV an der Warnow verbrennen.

KKMV-Aufsichtsratschef Eckhard Bomball (v. l.), WWAV-Geschäftsführerin Katja Gödke, Umweltsenator Holger Matthäus und KKMV-Geschäftsführer Klaus Rhode freuen sich auf das neue Projekt in Rostock. Quelle: OVE ARSCHOLL

Die Energie, die dabei entsteht, soll direkt aus dem neuen Kraftwerk ins Fernwärmenetz der Stadtwerke eingespeist werden. Rhode spricht von „grüner Energie“, wenn aus menschlichen Exkrementen am Ende Wärme für bis zu 5000 Haushalte wird.

Diskussionen halten an

Unumstritten ist das Vorhaben aber nicht: Gegner befürchten Geruchsbelästigung – und steigende Abgasbelastungen in der Rostocker Luft. Auch der Verkehr war immer wieder Streitthema: Zehn Lastwagenladungen Klärschlamm sollen künftig pro Tag in der Anlage angeliefert werden. Umweltverbände, aber auch die Rostocker CDU, lehnt das Vorhaben deshalb ab. Ein weiterer Kritikpunkt: Alternative Standorte – etwa im Seehafen – seien nicht ausreichend geprüft worden.

Konkurrenz im eigenen Land

Und noch etwas spielt den Gegnern in die Karten: In Stavenhagen plant der Konzern EEW Energy from Waste GmbH, Tochter der chinesischen Beijing Enterprises Holdings, ebenfalls eine Klärschlammverbrennung. Und Rostocks privater Ex-Wasserversorger Remondis soll zusammen mit den Stadtwerken Güstrow gemeinsame Pläne für eine weitere Anlage im Landkreis vorantreiben.

KKMV-Chef Rhode fürchtet diese Konkurrenz jedoch nicht: „Unsere Gesellschaft hat sich verpflichtet, ihren Schlamm bei uns anzuliefern. Wir sind damit voll ausgelastet. 70 Prozent des Schlamms aus MV landet bei uns.“ Und Schlamm von Dritten werde man in Rostock nicht annehmen. Das sehe an den anderen Standorte – in Stavenhagen und Güstrow – anders aus: „Um die betreiben zu können, muss auch Klärschlamm aus anderen Bundesländern angeliefert werden“, meint Rhode und spricht von „Klärschlamm-Tourismus“.

Konkreter Zeitplan

Mittlerweile steht in Rostock auch der konkrete Zeitplan: Bis Ende des Jahres sollen die Schweizer Planer des Fäkalienkraftwerks ihre Arbeit beendet haben. „2021 wollen wir ins finale Genehmigungsverfahren gehen“, sagt Rhode. Baustart könnte dann 2022 sein: „2024 wollen wir in Betrieb gehen.“ Zum 1. Januar habe die KKMV ihren Geschäftssitz bereits von Grevesmühlen an die Warnow verlegt: „Auch als Zeichen, dass wir von unserem Projekt überzeugt sind“, so Rhode.

Stadt steht zum Projekt

Rostocks Stadtsprecher Ulrich Kunze verweist bei Fragen zu der Klärschlamm-Verbrennungsanlage direkt an die KKMV. Dass das neue Kraftwerk in der Hansestadt gebaut wird, ist aus Sicht der Stadtverwaltung beschlossene Sache: „Die Bürgerschaft hat am 6. März 2019 beschlossen, dem Bau dieser Anlage nordwestlich der Rostocker Kläranlage zuzustimmen. Dieser Beschluss ist nach wie vor gültig“, so Kunze.

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Von Andreas Meyer

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