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Rostock Klasse Schau: Rostocks Schüler stellen Kunstwerke aus
Mecklenburg Rostock Klasse Schau: Rostocks Schüler stellen Kunstwerke aus
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20:00 17.01.2019
Erik Neumann erhielt den Preis in der Kategorie Fotografie.
Erik Neumann erhielt den Preis in der Kategorie Fotografie. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Mit langen Beinen stolziert Bella ins Blaue. Die Krabbelei ist Kunst. Erik Neumann hat sein Haustier, eine Gespenstschrecke, abgelichtet. „Ich fotografiere sehr gern Insekten.“ Die Makroaufnahme seiner Bella trägt den Titel „Little Hopper“ – kleiner Hüpfer. Mit dem ist dem Schüler vom Gymnasium Reutershagen der große Wurf gelungen: Der 18-Jährige hat er die Trophäe in der Kategorie „Neue Medien“ abgeräumt.

Erik Neumann zählt zu den Talenten aus Rostock und dem Landkreis, die am Donnerstag im Schaudepot der Kunsthalle mit dem Schülerkunstpreis ausgezeichnet wurden. 874 Arbeiten hatte der Nachwuchs – vom Erstklässler bis zum Abiturienten – dafür eingereicht. Die schönsten Werke werden bis 17. Februar ausgestellt. Plastiken und Plakate, Comics und Collagen, Bleistiftzeichnungen und bunte Drucke – die Schau trumpft mit Vielfalt auf. Auch, was die Sujets betrifft: Die Suche nach der eigenen Identität wurde in Porträtzyklen verarbeitet, daneben baumeln Planeten als Pappgalaxie in einem Schuhkarton. Abstrakte Landschaften hängen vis-a-vis zu Kobolden aus Keramik.

Das Ausstellungsstück von Philipp Sievers (Freie Schule Rerik) ist so gut geglückt, dass die Kunstpreis-Jury es zunächst für das Werk eines Profis hielten. Ganz falsch lag sie damit nicht, denn eine Plastik des Cuxhavener Bildhauers Franz Rotter diente dem 16-Jährige als Vorbild: Der Schüler hat das „Mädchen im Wind“ aus Holz gehauen. Mit Handwerken habe er eigentlich gar nichts am Hut, sagt Philipp Sievers. „Ich bin eher sportlich unterwegs und spiel’ Fußball.“ Dass Kicker auch Kunst können, beweist der Preis, mit dem die Jury sein Holzmädchen prämiert hat. Und was passiert mit der schmucken Kleinen, wenn die Schau vorüber ist? Die Deern muss an die Luft. „Mein Vater will sie in den Garten stellen“, sagt der 18-Jährige und lacht.

Bis 17. Februar zeigen junge Talente ihre Arbeiten in der Kunsthalle. Die schönsten werke wurden mit dem Schülerkunstpreis prämiert.

Da wäre das Kunstwerk von Luca Sand (18, Borwinschule) nicht gut aufgehoben – obwohl die Idee dazu draußen entstanden ist. Die Preisträgerin in der Kategorie „Malerei“ hat eine Rostock-Ansicht verewigt, die sich dem Betrachter erst auf den zweiten Blick erschließt: „Das ist eine Plakatwand“, verrät die Künstlerin. Die habe sie auf Motivsuche in der Stadt entdeckt, abfotografiert und zum Vorbild ihrer gemalten Nahaufnahme gemacht. Kunst ist für Luca Sand mehr als ein Schulfach. Sie malt seit Kindertagen. „Ich habe mit Comics angefangen.“ Heute seien es Porträts, die sie mit Bleistift oder Kohle aufs Papier bringe. „Mir gefällt, wie Schattierungen aus jedem Gesicht etwas Einzigartiges machen.“

Milan Müller (12) zeigt Wolfgang Friedrich und Sabine Porsche die Werke der Schüler der Jenaplanschule. Quelle: OVE ARSCHOLL

So manches von Schülerhand geschaffene Unikat lässt auf den nächsten Picasso hoffen. Besonders expressiv kämen die Grundschüler-Arbeiten daher, meint Kunsthallen-Chef Jörg-Uwe Neumann. „Je höher der Jahrgang, desto mehr lässt sich die Handschrift der Lehrer erkennen.“ Er lobt das hohe Niveau der gesamten Ausstellung. Auch deshalb habe sie zurecht ihren Platz im Schaudepot, dem „neuen, guten Wohnzimmer der Kunsthalle“, gefunden, ergänzt Steffen Bockhahn (Linke).

Rostocks Schulsensator hat mit Neumann die Preise für besten Exponate überreicht. Mit den Werken seiner Jugend hätte Bockhahn es wohl kaum in eine Galerie geschafft. „Ich bin wegen Kunst in der zehnten Klasse sogar beinahe sitzen geblieben“, gesteht er. Nur einmal habe er eine gute Note bekommen: Sein getuschter Astronaut war seiner Grundschullehrerin eine Eins wert. Doch auch wenn sein Pinselstrich zu wünschen übrig lasse, habe er für Kunst viel übrig. „Ich kann sie genießen und wertschätzen.“ Realistische Darstellungen und Porträtfotos – gern mit politischem Kontext – haben es ihm angetan. „Und Bauhaus fetzt.“

Dann dürfte dem Senator das Plakat von Yannah Schröder (17) besonders gut gefallen. Die Schülerin vom Innerstädtischen Gymnasium hat zwei für Kunstliebhaber bedeutende Ereignisse in einer Collage vereint: 100 Jahre Bauhaus und 50 Jahre Kunsthalle Rostock. Dafür erhielt sie den Sonderpreis vom Kunsthallen-Chef. Dass ihr Plakat so gut ankommt, macht Yannah Schröder stolz. Dennoch ist eine Künstlerkarriere für sie eher unwahrscheinlich. „Ich male gern, aber ich interessiere mich mehr für Naturwissenschaften.“

Auch Erik Neumann zieht einen anderen Berufsweg der Kunst vor. „Ich überlege, Dolmetscher zu werden.“ Die Fotografie soll sein Hobby bleiben. Etwas Bleibendes hat er mit seinem Bild von Bella geschaffen. Die Schrecke hat nämlich inzwischen das Zeitliche gesegnet. „Mit dieser Ausstellung wird sie verewigt, das ist toll.“

Nachwuchskünstler stellen aus

30 Schulen aus Rostock und dem umliegenden Landkreis haben für die 26. Auflage von „Schüler stellen aus“ insgesamt 874 Arbeiten eingereicht, die bis zum 17. Februar im Schaudepot der Kunsthalle zu sehen ist. Bei der Eröffnung wurden zum mittlerweile fünften Mal die schönsten Werke ab Klassenstufe 7 mit dem Kunstpreis in den Kategorien Malerei, Grafik, Plastik und Neue Medien prämiert. Die Sieger hat eine Fachjury ausgewählt, der neben Kunsthallen-Chef Uwe Neumann die Leiterin der Kunstschule Rostock, Sabine Porsche, der Künstler Wolfgang Friedrich und Industriedesigner Matthias Thomas Winter angehörten.

Öffnungszeiten Kunsthalle: dienstags bis sonntags, 11-18 Uhr

Eintritt „Schüler stellen aus“: kostenlos

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