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Rostock Kleine Gemeinden unter Druck: Kommt die Fusionswelle rund um Rostock?
Mecklenburg Rostock Kleine Gemeinden unter Druck: Kommt die Fusionswelle rund um Rostock?
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05:00 27.02.2019
Diese Fusionen sind aktuell rund um Rostock denkbar. Im Fall von Bargeshagen, Elmenhorst und Nienhagen wird es bereits konkret. Quelle: Benjamin Barz
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Rostock

Wenn Rostock mit dem Umland streitet, dann hat das bisher etwas von „David gegen Goliath“. Die große Hansestadt mit mehr als 200 000 Einwohnern legt sich mit Gemeinden an, die selten mehr als 3000 Bürger haben. Doch Rostocks Gegner könnten schon sehr bald sehr viel größer werden: Das Ostseebad Nienhagen, Admannshagen-Bargeshagen und Elmenhorst-Lichtenhagen wollen noch in diesem Jahr zu einer neuen Großgemeinde fusionieren. Und das könnte nur der Anfang einer ganzen Reihe von Fusionen im Umland sein. Auch Rostock hat ein Auge auf seine kleinen Nachbarn geworfen.

Gemeinsam stärker

Bereits seit Juni 2016 forciert das Land den Zusammenschluss kleiner Gemeinden. Damals segnete der Landtag das so genannte „Gemeindeleitbild“ ab. Alle Kommunen in MV sollten danach selbst einschätzen, ob sie langfristig in der Lage sind, ihre Aufgaben zu erfüllen – oder ob es nicht Sinn machen würde, sich mit Nachbarn zusammenzuschließen. Hilfestellung dabei gab es bis Jahresende von Koordinatoren in den Landratsämtern. Im Landkreis Rostock hatte Uwe Heinze, der frühere Bürgermeister der Stadt Laage, die Aufgabe übernommen. Er sagt: „Die Gemeinden sollten sich Punkte geben – maximal 100. Mit 50 Punkten gilt eine Kommune schon als zukunftsfähig. In der Schule wäre das aber nur eine Vier.“

Vom Land hätte es Hochzeitsprämien gegeben. Wären die Kommunen im Amt Gnoien etwa mit der Stadt zusammengegangen, wäre das der Landesregierung mehr als 4,5 Millionen Euro wert gewesen. Dennoch war das Interesse im Landkreis überschaubar, sagt Heinze – bisher jedenfalls: Die Stadt Laage und die Gemeinde Diekhof werden zum 26. Mai fusionieren. Bargeshagen, Elmenhorst und Nienhagen haben den gleichen Plan. Das war es aber bisher auch schon. „Dabei machen Fusionen Sinn“, sagt Heinze. Die neue Gemeinde am Rostocker Stadtrand etwa habe mehr als 9000 Einwohner, sei wirtschaftlich stark und dürfe sogar wieder einen hauptamtlichen Bürgermeister haben. „Und in Verhandlungen mit dem großen Nachbarn Rostock hat die neue Kommune einen ganz anderen Stellenwert.“

Dominoeffekt im Umland?

Die geplante Fusion der drei Gemeinden im Westen der Hansestadt könnte nun aber einen Dominoeffekt auslösen: Denn Elmenhorst gehört bislang zum Amt Warnow-West, die Partner aus Bargeshagen und Nienhagen werden vom Amt Doberan-Land verwaltet. Beide Ämter werden sich komplett neu organisieren müssen, wenn es zur Fusion kommt. Uwe Heinze: „Es wäre nur logisch, wenn sich die kleinen Gemeinden in den Ämtern nun auch Partner suchen.“ Wittenbeck beispielsweise (800 Einwohner) sollte mit Kühlungsborn reden, Hohenfelde (810), Steffenshagen (500), Retschow (950) und auch Reddelich (930) könnten mit Bad Doberan fusionieren.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Stein macht sich ebenfalls für Zusammenschlüsse stark: „Alle Fusionen zu Großgemeinden waren bisher im Landkreis ein Erfolg – Sanitz, Dummerstorf, Satow. Kleine Gemeinden können sich doch kaum noch etwas leisten und für die ehrenamtlichen Bürgermeister ist der Aufwand kaum noch zu bewältigen.“ Und außerdem: „Ab 7000 Einwohnern werden auch Gemeinden plötzlich für Einzelhändler wieder attraktiv“, so Stein. Auch in Bad Doberan sind die Verantwortlichen offen für Eingemeindungen: „Ja, eine Fusion mit Hohenfelde bietet sich geradezu an“, sagt der Bürgermeister der Münsterstadt, Thorsten Semrau (parteilos). „Das Krankenhaus Bad Doberan etwa liegt schon auf dem Gebiet der Nachbargemeinde. Das versteht keiner.“

Schon jetzt würden Stadt und Amt eng zusammenarbeiten: Das Standesamt, die Meldestelle, die Wohngeldstelle – all das hat Bad Doberan für die Nachbarn bereits übernommen. „Auch in Bereichen wie den kommunalen Bauhöfen und beim Ordnungsdienst sind Synergien möglich.“ Semrau: „Wir müssen miteinander reden. Auch über Fusionen.“ Hohenfeldes Bürgermeister Karlheinz Siewert will einen Zusammenschluss zum Thema in der Gemeindevertretung machen: „Bisher war das aber kein Thema. Mit uns hat noch niemand gesprochen. Noch sind wir aber auch gesund als Gemeinde ...“

Im Westen der Hansestadt bringt Heinze erneut eine Fusion der Ämter Rostocker Heide und Carbäk ins Gespräch: „Allein schon aus finanziellen Gründen machen dort zwei Verwaltungen keinen Sinn. Die Behörden allein sind zu klein. Wenn dort ein Mitarbeiter ausfällt, kann die Arbeit kaum kompensiert werden.“ Und selbst Gabriele Kalweit, Bürgermeisterin der Gemeinde Bartenshagen-Parkentin und Amtsvorsteherin des Amtes Doberan-Land, sagt: „Es würde durchaus Sinn machen, wenn die kleinen Gemeinden über Zusammenschlüsse reden – aber nur innerhalb der bestehenden Ämter.“

Die „Kleinen“ fürchten die Großgemeinde

Gegen die Pläne von Elmenhorst und Co. – gegen die Fusion über Amtsgrenzen hinweg – will Kalweit aber kämpfen. „Die Pläne sind unausgegoren. Mit den Nachbarn wurde da nicht geredet.“ Wenn sich zwei Gemeinden nun aus dem Amt verabschieden, werde eine bestehende Struktur zerschlagen: „Wir sind aber eine Solidargemeinschaft, haben gerade erst entschieden, eine Million Euro ins Amt zu investieren. Die Verwaltung funktioniert.“ Und: Wenn Nienhagen und Bargeshagen nun gehen, geht es auch um Geld – um gemeinsame Pensionsverpflichtungen gegenüber den Beamten des Amtes, um die gemeinsame Schule in Rethwisch. Auch Horst Hagemeister (parteilos), Bürgermeister in Börgerende-Rethwisch, schimpft: „Ich werde auf Amtsebene gegen die Fusion stimmen.“ Der Sozialausschuss seiner Gemeinde habe sich eindeutig dagegen ausgesprochen, dem Dreier-Bündnis beizutreten: „Die Angst vor Rostock ist doch nur vorgeschoben.“

Auch aus dem Amt Warnow-West kommt massive Kritik: „Ja, dass kleine Gemeinde fusionieren – das ist richtig. Aber aus zwei Ämtern? Das macht keinen Sinn“, sagt Leif Kaiser (CDU), Bürgermeister in Kritzmow. „Warnow-West verliert 4000 Einwohner. Da müssen wir uns auch Gedanken um die Strukturen machen – und überlegen, wie wir uns als Gemeinde neu aufstellen“, so Kaiser vielsagend. Er räumt ein: „Ja, diese Fusion setzt alle anderen Kommunen im Umland unter Druck.“

Rostock: Eingemeindungen kein Thema

Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) beobachtet die Vorgänge im Umland ganz entspannt: Die sich anbahnenden Fusionen würden in erster Linie die Gemeinden selbst betreffen – nicht die Beziehungen zur Hansestadt. Während in anderen Bundesländern – in Sachsen etwa – große Städte in den vergangenen Jahren wiederholt kleine Nachbarn geschluckt haben, sei das für Rostock kein Thema. Die letzte Eingemeindung gab es 1978. Damals wurde Jürgeshof Teil der Hansestadt. „In den vergangenen 20 Jahren waren Eingemeindungen kein Thema. Dafür wären auch klare Landesentscheidungen notwendig“, so der OB. Er findet bedauerlich, dass Schwerin diesbezüglich keinerlei Anstalten macht: „Leider drückt sich die Landesregierung vor Optimierungen und schwächt die Entwicklung der Region.“ Im Klartext: Rostock würde gerne Nachbarn eingemeinden, darf aber nicht – und kann bei den Fusionen nur zuschauen.

Andreas Meyer

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