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Rostock Klima-Demo: Rostocks Kinder wollen „doch nur leben“
Mecklenburg Rostock Klima-Demo: Rostocks Kinder wollen „doch nur leben“
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19:36 24.05.2019
Hunderte Kinder und Jugendliche demonstrieren am Freitag vor dem Kröpeliner Tor in Rostock für eine verantwortungsvollere Klimapolitik. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock

Neun Jahre ist Erik gerade mal alt. Aber dass in dieser Welt etwas schiefläuft – das weiß der junge Rostocker bereits. Deshalb hat er ein Plakat gemalt, steht nun mit seiner Freundin Ida und seiner Mutter vor dem Kröpeliner Tor – und demonstriert. Für mehr Umwelt- und Klimaschutz, zusammen mit mehr als 600 Teilnehmern der „Fridays for Future“-Bewegung.

„Ich will auf einer schönen Erde leben – auch noch, wenn ich groß bin“, sagt Erik. Kurz vor den Wahlen wollten Schüler, Studenten und zunehmend auch Erwachsene ein Zeichen gegen den Raubbau am Planeten Erde setzen.

„Unsere Kinder sollen noch Eisbären sehen“

Zum ersten Mal bei der Klima-Demo mit dabei sind Philipp (21, Biologie-Student), Moritz (25, Medizin), Joke (21, Schauspiel) und Marieke (21, Agrarwissenschaften). „Ich möchte, dass auch unsere Kinder noch Eisbären in der Natur sehen können – und nicht nur in Büchern.“ Die Politik müsse mehr unternehmen, um das Klima zu schützen – und sich dabei vor allem nicht so viel Zeit lassen. „Wir sind die Generation, die noch etwas ändern kann.“ Und mit dem Demonstrieren fange es nun einmal an: „Das ist ein erster, kleiner Schritt, den jeder von uns machen kann“, sagt Philipp. „Ich möchte nicht eines Tages, wenn ich alt bin, sagen müssen, dass ich auch Schuld daran habe, wenn es auf der Erde ungemütlich wird.“

Zahlreich kamen die Schüler aus Rostock und der Umgebung um ein Zeichen für das Klima zu setzen – dieses Mal auch in Begleitung einiges Erwachsener.

Auch Kolya (16), Lea (15) und Clara (16), alle Schüler am Innerstädtischen Gymnasium, denken bereits an ihren Nachwuchs: „Wir wollen auch für unsere Kinder noch eine gesunde Erde“, sagt Lea. Und Clara ergänzt: „Wir haben doch längst alle Möglichkeiten, unseren Energiebedarf aus sauberen Quellen zu decken. Wir brauchen keine Kohle mehr.“ Arbeitsplätze gingen dadurch auch nicht verloren – im Gegenteil: Firmen wie Nordex, Enerco, Eno Energy würden in Rostock beweisen, wie viele Jobs auch die Erneuerbaren Energien zu bieten haben. „Alle wissen, wie verheerend der Klimawandel wird. Aber keiner unternimmt wirklich etwas dagegen“, so Kolya. Er dürfe noch nicht wählen: „Aber wir dürfen auf die Straße gehen und zeigen, welche Politik wir wollen.“

Auch die „Älteren“ sind mit dabei

Weil sie streiken, würden Schüler mit Schulverweisen und Hausarrest bedroht. Das jedenfalls sagt eine Rednerin namens Sophia. Dabei gehe es den jungen Menschen nur um eines: „Wir wollen doch nur leben können!“ Mitten in dem Demo-Zug, der am Kröpeliner Tor startet und quer durch die KTV zum Stadthafen zieht, läuft auch Petra Schicht mit. Sie ist 65 Jahre alt. „Mein Mann und ich versuchen schon seit Jahren, unseren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.“ Das Ehepaar Schicht – es fährt kein Auto mehr, fliegt nicht, isst nur Bio. „Ich bin so stolz auf unsere Jugend“, sagt die Umweltschützerin. Kurzzeitig wurde die Hauptverkehrsachse Rostocks komplett lahmgelegt. „Hurra, diese Welt geht unter“: Die Schüler skandierten immer wieder den apokalyptischen Hit der Gruppe „K.I.Z.“, während sich viele Autofahrer in Geduld üben mussten.

„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“, rufen die Demonstranten. Sie forderten alle Stimmberechtigten auf, wählen zu gehen und sich für ein umweltfreundliches Europa einzusetzen. „Europawahl ist auch Klimawahl.“ Und nicht nur Petra Schicht hegt Sympathien für die Aktion der Jugend: Mit einem Lächeln überquert Hans-Jürgen Stöhr den Platz am Kröpeliner Tor. „Ich bin erstaunt, dass es doch wieder so viele sind, die sich hier zusammengefunden haben.“ Der Berufs-Philosoph findet es gut und richtig, dass der lautstarke Protest anhält. „Wir können das nicht mehr auf die lange Bank schieben.“ Was er zu den kritischen Stimmen sagt, die den Schülern mutwilliges Schulschwänzen vorwerfen? „Das ist wirklich so blöd und irrsinnig. Bei der 68er-Bewegung waren es auch die Jüngsten – diejenigen, die die Zukunft verwalten sollen. Und Aufmerksamkeit bekommt man eben nur, wenn man Druck aufbaut. So etwas geht ja nicht am Sonnabend oder Sonntag.“

Viel Kraft und Überzeugung auf Rostocks Straßen

Mit dabei ist auch Gerd Zimmer. „Wir haben zugehört und sind gefolgt“, sagt der Rentner. Doch Gerd Zimmer fühlte sich während der Reden der Rostocker Organisatoren nicht besonders wohl. „Es ging zu oft um das ,ihr' – also um uns Ältere, die Fehler machen würden. Es hätte deutlicher werden können, dass es um die Politiker geht, die etwas bewegen müssen. Denn ,wir' sind hier und wollen unterstützen.“ Zimmer ist gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin Maria Costa-Pau gekommen. Die Spanischlehrerin ist begeistert, wie viel Kraft und Überzeugung die Jugend auf die Straße bringt: „Ich glaube, sie haben verstanden, worum es geht. Wir wollen alles möglichst bequem haben - einkaufen, reisen und am besten auch die Natur. Aber das wird schwierig, wenn wir so weitermachen. Wir müssen Verzicht üben“, sagt Costa-Pau.

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