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Rostock Klimaaktivisten aus ganz MV vernetzen sich in Rostock
Mecklenburg Rostock Klimaaktivisten aus ganz MV vernetzen sich in Rostock
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08:38 08.09.2019
Mitorganisatoren der Veranstaltung und Sprecher von "Students for Future": Tim Tönsing (25) und Pauline Zschach (22) vor der Frieda 23. Quelle: Anh Tran
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Rostock

Unser Planet, unsere Zukunft – unter diesem Motto trafen sich Klima- und Umweltaktivisten aus ganz MV am Samstag im Kunst- und Medienzentrum Frieda 23. In Workshops vernetzten sich die aus Greifswald, Wismar, Stralsund und Rostock kommenden Besucher und sprachen über den Klimawandel und Lösungsansätze für die Krise. Auch Gastvorträge vom Greifswalder Ökologie-Professor Hans Joosten und von Caspar Baumgart, Vorstandsmitglied beim Energieversorger Wemag, waren zu hören.

Das Moor als Klimaretter?

Den Auftakt machte Hans Joosten. Er ist Experte für Moore und erklärte die Wichtigkeit dieser für die Speicherung und Lagerung von klimaschädlichem Kohlenstoffdioxid. Mit niederländischem Akzent und viel Humor erklärte er die Zusammenhänge. „Moore sind die wichtigsten Kohlenstofflager der terrestrischen – also ländlichen – Biosphäre“, sagte er. Aus Klimasicht ginge es aber vor allem um die Entwässerung bei der landwirtschaftlichen Nutzung. Die trockengelegten Feuchtgebiete würden Unmengen an Treibhausgasen freigeben. Die Wiederbewässerung der Torfgebiete würde sie wieder zu intakten Kohlenstofflagern machen und einen großen Beitrag zum Klimaschutz leisten, meint der Experte.

Professor Hans Joosten von der Universität Greifswald erklärt die Bedeutung von Mooren für den Klimaschutz. Quelle: Anh Tran

Aber: „Der Erhalt der Funktion in der Landwirtschaft muss gegeben sein.“ Man könne dazu beispielsweise auf den Anbau von Agrarprodukten setzen, die auch auf sehr feuchtem Boden wachsen“, sagte er. Alternativen zu finden hätten aber äußerste Dringlichkeit: „Wir müssen mit den Konventionen der Vergangenheit brechen. Kein vernünftiger Mensch zweifelt mehr an den Problemen, die der Klimawandel bringt.“

Umgang mit Zukunftsängsten

Bei den Zuhörern kam der Vortrag gut an. Die 70-jährige Christiane Quiring saß im Publikum. Das Thema begleite sie schon seit über 40 Jahren, erzählte sie. „Früher hatte ein Freund von mir ein Windrad und Sonnenkollektoren auf seinem Haus“, erinnert sie sich. Damals ging es aber weniger um Treibhausgase als um Ressourcen- und Energieverschwendung. Die umweltbewusste Rostockerin isst kein Fleisch und hat auch keinen Kühlschrank. „Man muss den Tofu halt schnell aufessen“, scherzte sie. Ihre Wege legt sie meist zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurück. Seit 13 Jahren wohnt sie in einer Wohngemeinschaft, die mit einer Solaranlage und Erdwärmeheizung ausgestattet ist.

Quiring nahm am Workshop „Mut in der Bedrohung“ teil, in dem die Teilnehmer lernten, mit Zukunftsängsten umzugehen. „Wenn man die Politik sieht, hat man manchmal den Eindruck, dass es schon fast zu spät ist“, fürchtet Quiring. Das Treffen sei gut, um die Überzeugung nicht zu verlieren.

Der Beitrag des Einzelnen

Die Biologie-Studenten Birk Rillich und Tawfik Badawi kamen zu der Veranstaltung, um Gleichgesinnte kennenzulernen. „Ich achte privat sehr auf Klimaverträglichkeit, weiß aber noch nicht, in welchen lokalen Gruppen man sich hier engagieren kann“, so Rillich. Er lebt seit zwei Jahren vegan und habe das Thema „in die Wiege gelegt“ bekommen, weil seine Eltern Biologen sind, erzählt der 20-Jährige. „Ich habe dadurch immer viel über den Erhalt und den Umgang mit Leben gelernt“, erinnert er sich.

Der Workshop "Maßnahmen für den Klimaschutz in Land, Stadt und Uni". Quelle: Anh Tran

Rillichs Kommilitone Tawfik Badawi beschäftigt sich erst seit Kurzem mit dem Klimaschutz. Deshalb wollte er bei dem Event in der Frieda 23 mehr dazu lernen. „Ich möchte wissen, was ich als Einzelner tun kann, auch wenn der Beitrag nur klein ist.“ Bei ihm führte die Biologie ebenfalls zu mehr Umweltbewusstsein. „Früher war mir das nicht so wichtig, aber das Interesse ist mit der Zeit gewachsen“, sagte der 24-Jährige. Rillich und Badawi tauschten sich im Workshop „Maßnahmen für den Klimaschutz in Stadt, Land und Uni“ mit anderen Besuchern aus.

Nächstes Ziel: Klimastreik am 20. September

Für Mitorganisatorin Pauline Zschach war die Zusammenkunft erfolgreich. „Es gibt Klimakonferenzen in Dortmund oder Heidelberg und so ein Vernetzungstreffen wollten wir auch in MV haben“, erklärte die 22-Jährige. Das sei den Veranstaltern gelungen, findet sie. Zaschach ist Mitgründerin des Rostocker Ablegers von „Students for Future“. „Wir haben unglaubliche Hochachtung vor den Schülerinnen und Schülern von ‚Fridays for Future' und unterstützen sie“, so die Germanistik-Studentin. Gemeinsam mit anderen Aktivisten wollen sich die Rostocker am weltweiten Klimastreik am 20. September beteiligen. „Wir wollen möglichst Viele auf die Straße bringen und zusammen für die Sache einstehen“, verkündet sie.

Von Anh Tran